In der Ruhe liegt die Kraft
Braunschweig Geduldig zu sein, sagt Jan Washausen, habe er in der 11. Klasse gelernt, als er ein Schuljahr in Mexiko verbrachte.
„Da konnte man sich auf keinen Busfahrplan verlassen“, erzählt der Eintracht-Akteur und lacht.
Da habe man sich zwangsläufig in Geduld üben müssen. „Von dieser Mentalität habe ich mir einiges abgeguckt.“
Vielleicht ist es genau diese Auslandserfahrung, die Washausen nun als Fußball-Profi zu Gute kommt–schließlich ist für den 23-Jährigen auch bei Eintracht immer wieder Geduld gefragt. Seine Startelf-Einsätze in den vergangenen beiden Spielzeiten lassen sich an zwei Händen abzählen – acht Stück waren es, um genau zu sein.
Immer wieder gab es Phasen, in denen es den Anschein erweckte, als würde Washausen bei den Blau-Gelben nur noch eine Statistenrolle spielen. Teilweise stand er über Wochen hinweg nicht mal mehr im Kader. Was aber auch daran lag, dass er „durch kleinere Verletzungen immer wieder zurückgeworfen“ wurde. Und das in schöner Regelmäßigkeit auch noch in der Vorbereitung. Immer, wenn es an der Zeit gewesen wäre, sich in den Vordergrund zu spielen, absolvierte er individuelles Reha-Programm. Mal war es der Rücken, der Probleme bereitete, oder es waren die Sprunggelenke. So auch in diesem Sommer.
Umso beeindruckender ist es, dass der gebürtige Göttinger diese Saison dennoch immer zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde. Egal auf welcher Position. Egal gegen welchen Gegner. Ob das nun Anfang Oktober bei seiner Zweitliga-Startelf-Premiere war, die er ausgerechnet im Flutlichtspiel gegen Fortuna Düsseldorf feierte, oder aber in den Wochen vor Weihnachten, als er sogar vier Spiele in Folge absolvierte –stets erfüllte Washausen seine Aufgabe unaufgeregt-souverän. „Das ist alles eine Konzentrationsfrage“, erklärt er sein Erfolgsrezept. „Im Training bereitet man sich doch auf genau auf diese Situationen vor.“
Dass er nur selten im Rampenlicht steht, so gut wie nie die Schlagzeilen in den Zeitungen bestimmt, stört Washausen herzlich wenig. „Ich bin nicht der Typ, der nach Aufmerksamkeit lechzt.“ Und auch niemand, der große Töne spuckt oder gar Ansprüche stellt. „Man sieht immer das Gesamtbild und muss abwägen, ob es angebracht ist, dass man ungeduldig wird.“ Und Washausen, der nebenbei ein BWL-Fernstudium absolviert, weiß nur allzu gut, dass es das in der Aufstiegssaison nicht war. Außen vor habe er sich im Team dennoch nie gefühlt, beteuert der Defensiv-Mann. „Bei uns ist jeder Teil des Ganzen –das ist keine Floskel.“
Seit fast sechs Jahren steht er bereits bei Eintracht unter Vertrag, gehört damit quasi zum Inventar. Nach der Saison läuft sein Vertrag aus. Doch auch davon lässt er sich, wie schon im Vorjahr, offenbar nicht aus der Ruhe bringen. „Ich gehe das ganz entspannt an. Ich weiß, dass es immer irgendwie weitergehen wird.“
Die Entscheidung des Vereins, ihm in der Winterpause in Ermin Bicakcic einen neuen Konkurrenten vor die Nase gesetzt hat, kann Braunschweigs dienstältester Profi sogar nachvollziehen. „Es ist doch clever vom Verein, dass er den Konkurrenzkampf hochhält und sich absichert.“
Zumal das noch lange nicht bedeuten muss, dass Washausen in der Rückrunde wieder auf der Bank sitzt. Beim Testspiel am Samstag gegen eine spanische Auswahl stand er 90 Minuten auf dem Platz. Fast scheint es so, als würde sich seine Geduld am Ende bezahlt machen.



