„Ich war vor ihm am Ball, dann hat’s gekracht“
Braunschweig Eintracht-Innenverteidiger Ermin Bicakcic gibt nach seiner in Aue erlittenen Kopfwunde Entwarnung: Es sei alles nicht so tragisch.
Es gibt eine Menge Eigenschaften, die die Arbeitsplatz-Beschreibung eines Innenverteidigers auflistet. Wehleidigkeit oder Angst vor nachhaltigem Körperkontakt gehören jedenfalls nicht dazu. Im Abwehrzentrum geht es nunmal hoch her.
Ermin Bicakcic weiß das. Und – wenn man seine Zweikampfwerte in dieser Saison Revue passieren lässt – er mag das und kann das. Bei Zweitliga-Tabellenführer Eintracht Braunschweig hat er deshalb als Innenverteidiger einen unbefristeten Stammplatz. Und seit Freitagabend eine sichtbare Erinnerung an seinen Arbeitstag in Aue – eine mit vier Stichen genähte Kopfwunde.
„Am Sonnabend hat der Kopf zwar ein wenig gebrummt. Aber das ist schon okay. Alles nicht so tragisch“, sagte Bicakcic gestern. „Mein Gegenspieler hatte schon einen harten Schädel.“
Er erinnert sich noch genau, dass er eher in den Zweikampf ging als der Auer Angreifer. „Ich war vor ihm am Ball und dann hat es gekracht“, erzählte der eisenharte Abwehrspieler der Eintracht. Zuerst habe er die Platzwunde gar nicht bemerkt und weitergespielt. Dann sprach ihn Schiedsrichter Aytekin darauf an und schickte ihn zur Behandlung an den Spielfeldrand.
„Eigentlich sollte ich schon in der Halbzeitpause genäht werden, aber dann haben wir doch den blauweißen Turban genommen“, erzählte Bicakcic. Er habe sich durch nichts aus der Konzentration auf die zweite Halbzeit reißen lassen wollen. So wurde nach Schlusspfiff mit drei, vier Stichen genäht.
Dass die Zweikämpfe in der Luft generell härter, ja vielleicht gar unfairer geworden sind – Benjamin Kessel behielt kurze Zeit später als Andenken an einen Ellbogencheck des Auers Ronny König einen wackelnden Zahn zurück – sieht Bicakcic nicht. „Solche Szenen sind beim Fußball nunmal dabei. Einen Trend sehe ich nicht.“ Dass bei Erzgebirge Aue noch ein paar weitere Zweikämpfe an der Grenze des Erlaubten oder knapp darüber lagen, habe an der Spielweise der Gastgeber gelegen.
„Die spielen eine andere Art Fußball als wir“, sagte Bicakcic. Statt Probleme spielerisch zu lösen, langten die technisch limitierten Sachsen das ein oder andere Mal hin. „Wir wussten genau, was uns erwartet, waren gut vorbereitet“, stellt der vom VfB Stuttgart gekommene Profi klar.
Der 22-Jährige, seit 8. Januar bei der Eintracht, lässt seither seinen Gegenspielern selten den Spaß an ihrer Arbeit. Wenn Bicakcic seine 85 Kilogramm in Stellung gebracht hat, ist die Gefahr meistens entschärft. 68 Prozent seiner Zweikämpfe hat er in dieser Saison für sich entschieden, in der Luft gar 74 Prozent – eine Klasse-Quote. Dabei hat er in den 13 bisherigen Zweitliga-Spielen gerade einmal 9 Fouls begangen, ist selbst aber 20 Mal gefoult worden.
Liegt Ingolstadt der Eintracht besser als Aue? „Wichtig ist, dass wir uns ganz auf unsere Leistung konzentrieren, auf das, was wir können“, sagt Bicakcic kämpferisch. Was der Gegner mache, interessiere ihn weniger. „Unser Trainer wird uns ganz bestimmt wieder bestens einstellen.“
Eintracht - Ingolstadt, Samstag, 13 Uhr

