Hertha-Manager Preetz: Das ist kein richtungsweisendes Spiel
Braunschweig Vor dem Gipfeltreffen in der 2. Bundesliga erklärt Hertha-Manager Michael Preetz, weshalb er vom Vergleich David gegen Goliath nichts hält.
Im schnelllebigen Fußball-Geschäft kann man Michael Preetz (45) getrost als Berliner Urgestein bezeichnen: Seit 1996 steht der gebürtige Düsseldorfer in Diensten von Hertha BSC, zunächst als Stürmer, dann als Leiter der Lizenzspielerabteilung und seit 2009 als Manager. Vor dem Spiel in Braunschweig sprach Redakteur Christian Schiebold mit dem Bundesliga-Torschützenkönig von 1999.
Herr Preetz, beneiden Sie eigentlich Ihren Braunschweiger Kollegen Marc Arnold?
Warum sollte ich?
Weil er im Gegensatz zu Ihnen ganz in Ruhe arbeiten kann, niemand von Eintracht den Aufstieg erwartet und es keine Boulevard-Medien gibt.
Ach wissen Sie, ich bin seit mittlerweile 16 Jahren in Berlin; in dieser langen Zeit ist es mir in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir im Vergleich zu vielen anderen Standorten eine andere Mediensituation haben. Aber das hat ja nicht nur Nachteile, sondern, insbesondere wenn es gut läuft, auch Vorteile. Ich denke, dass wir gelernt haben, damit umzugehen.
Aber Sie würden mir schon zustimmen: Der Druck ist in der Hauptstadt besonders hoch.
Am Ende hast du überall Druck – selbst in Braunschweig. Schließlich haben auch die ihre Saisonziele und wollen auch erfolgreichen Fußball spielen. Wobei das zugegebenermaßen natürlich ein anderer Druck ist als hier bei uns in Berlin. Um dem zu begegnen, haben wir im Vorfeld der Saison versucht, uns ordentlich für die Zweitliga-Saison aufzustellen.
Trotzdem ist Ihre Mannschaft nur schwer aus den Startlöchern gekommen: An den ersten drei Spieltagen gab es nur einen Sieg, hinzu kam das überraschende Pokal-Aus beim Regionalligisten Worms.
Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen hatten wir nach dem Abstieg einen Umbruch hinter uns; einen neuen Trainer und eine neu formierte Mannschaft. Zum anderen haben wir noch die Nachwirkungen der Relegation zu spüren bekommen. Man denke nur an die Sperren von unserem Torhüter Thomas Kraft, der die ersten vier Spiele verpasst hat, oder von Lewan Kobiaschwili, der uns noch bis Weihnachten fehlen wird. Hinzu kommt, dass uns im Defensivbereich zahlreiche Verletzungssorgen plagen. Von daher war es kein Wunder, dass der Start etwas holprig war.
Ganz im Gegensatz zum Start der Eintracht ...
Das hat mich nicht wirklich überrascht. Ich habe die Braunschweiger von Beginn an zum Kreis der Mannschaften gezählt, die sich um den Aufstieg bewerben. Sie haben schließlich schon nach dem Zweitliga-Aufstieg ein richtig gutes Jahr gespielt und eine sehr, sehr homogene Einheit dargestellt.
In Braunschweig weist man, der Tabellenführung zum Trotz, die Favoritenrolle weit von sich. Trainer Torsten Lieberknecht sprach diese Woche gar von einem Duell David gegen Goliath. Da stapelt er schon ein wenig sehr tief?
Nach zehn Spieltagen hat die Tabelle schon Aussagekraft: Da treffen also nicht David und Goliath, sondern zwei Spitzenteams aufeinander. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir eine ganz enge und spannende Partie sehen werden, in der die Tagesform eine Rolle spielen wird. Ich glaube nicht, dass es wahnsinnig viele Chancen geben wird.
Im Falle einer Niederlage würde Ihr Rückstand auf Braunschweig bereits acht Punkte betragen...
Mit diesem Szenario setzen wir uns gar nicht auseinander. Zumal man nur in den Kalender gucken muss: Es ist nicht mal ein Drittel der Saison gespielt, von daher ist es kein richtungsweisendes Spiel.
Vor fast genau einem Jahr stand Hertha nach einem Sieg in Wolfsburg in der 1. Liga auf Platz 10. Ärgern Sie sich immer noch, dass Sie diese gute Ausgangsposition seinerzeit leichtfertig hergegeben haben – und jetzt in der 2. Liga spielen?
Das Thema hat uns lange beschäftigt, mittlerweile aber ist der Prozess des Sich-Ärgerns abgeschlossen. Das war auch wichtig nach dem Verlauf der Rückrunde und den Umständen in der Relegation, denn wir mussten schnell den Fokus auf die neue Spielzeit legen.
Am Samstag kommt es zu einem Wiedersehen mit Ihrem ehemaligen Mitspieler Marc Arnold. Verraten Sie uns doch mal, was das für ein Typ war.
Marc war ein technisch sehr begabter und beschlagener Mittelfeldspieler; ein klassischer Spielmacher, wie es ihn heute eigentlich nicht mehr gibt. Wir haben hier in Berlin zwei schöne gemeinsame Jahre verlebt. Und obendrein eine sehr erfolgreiche Zeit, schließlich sind wir zusammen aufgestiegen.
Vorletzte Saison kam es in der 3. Liga zu Spitzenspielen zwischen Braunschweig und Rostock. Marc Arnold und der damalige Hansa-Manager Stefan Beinlich haben seinerzeit in einer Meister-Wette eine Kiste Wein gesetzt. Würden Sie sich da auch drauf einlassen?
Ich erinnere mich dunkel, dass ich das gelesen habe. Aber ich wette grundsätzlich nicht. Am Ende sind damals doch Braunschweig und Rostock aufgestiegen, oder?
Stimmt. Braunschweig als Erster, Rostock als Zweiter.
Gegen einen ähnlichen Ausgang hätte ich diesmal nichts einzuwenden. Das würde ich sofort unterschreiben.

