Gänsehaut-Atmosphäre im Eintracht-Stadion
Braunschweig Das war großes Kino, so muss Fußball sein. 21200 Fans erlebten beim 4:3-Sieg gegen Union Berlin einen Abend, über den man noch lange sprechen wird.
.Mit einem hoch intensiven, atemberaubenden Spiel, sieben Toren und leidenschaftlichem Einsatz hat sich Eintracht Braunschweig in die Winterpause verabschiedet. Und zwar auf der Position, auf der die Löwen seit dem zweiten Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga sitzen: Platz eins.
Nach dem 4:3 (2:2)-Erfolg am Montagabend gegen Union Berlin vor restlos zufriedenen 21 200 Zuschauern haben die Löwen jetzt – man kann es nicht oft genug schreiben – zwölf Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Aufstiegsplatz.
„Bei Hertha haben bestimmt viele darauf gewartet, dass wir heute patzen. War nichts“, sagte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht lächelnd in Richtung Hauptstadt.
„Wir können auch rechnen“, ergänzte Marc Arnold, der sportliche Leiter der Eintracht. Er hatte zum Thema Aufstieg aber gleich ein warnendes Beispiel parat. „Düsseldorf hatte vorige Saison auch einen riesigen Vorsprung und hat sich dann gerade noch auf den Relegationsplatz gerettet.“ Und ist bekanntlich aufgestiegen.
Der Mann des Abends hält, wie er sagte, gar nichts vom Blick auf die Tabelle. „Wir bleiben auf dem Boden, denken nur von Spiel zu Spiel“, erzählte Torjäger Domi Kumbela, der mit seinen Saisontoren zehn bis zwölf Union fast im Alleingang erledigte. „Über die Feiertage werden wir alle jetzt ein wenig die Beine hochlegen. Und am 3. Januar starten wir in die Vorbereitung.“
Für den Elfmeter, mit dem er das 2:2 noch vor dem Pausenpfiff erzielte, war Kumbela eigentlich gar nicht vorgesehen. „Ich habe mich gut gefühlt, habe mir den Ball genommen und wollte Verantwortung übernehmen“, erzählte der Deutsch-Kongolese, der für den erkrankten Dennis Kruppke die Kapitänsbinde getragen hatte. „Belastet hat mich das Amt nicht. Es hat mich stolz gemacht, als Kapitän aufzulaufen.“
Die ersten sechs Partien der Saison hatte Kumbela überhaupt nicht getroffen und jetzt hämmert er einen Ball nach dem anderen ins Netz. „Domi hatte keine so gute Saisonvorbereitung, ihm fehlte die Frische“, sagte Arnold. Jetzt ist der Knoten längst geplatzt und mit jedem Treffer dürfte Kumbela teurer werden in den anstehenden Vertragsverlängerungs-Gesprächen.
„Es war so schön auf Platz eins. Wir wollten da halt unbedingt wieder hin“, sagte Mirko Boland schmunzelnd, der in der Mittelfeldraute zentral hinter den Spitzen für ordentlich Dampf sorgte. „Wir haben heute unglaubliche Moral gezeigt, sind zweimal zurückgekommen“, sagte der Dribbler, der den Fans ein Riesenlob zollte. „Nur so, nur zusammen geht es. Diese phantastische Stimmung hat sich aufs Feld übertragen und uns immer wieder nach vorn getragen.“
Trainer Lieberknecht sprach nach der Partie von Gänsehaut-Atmosphäre. „Das war heute auch ein Sieg der tollen Eintracht-Fans. Diese Unterstützung habe ich mir gewünscht.“
Sind die Akkus nach so einer kraftraubenden Partie nicht völlig leer? Außenverteidiger Ken Reichel winkte ab. „Sonst habe ich in den letzten Minuten einer Partie schon mal Krämpfe. Heute nicht.“ Die Eintracht läuft und läuft und läuft. Und sie überwintert als Spitzenreiter, der weit enteilt ist auf dem Weg in die Bundesliga.

