Für Benjamin Fuchs steht fest: Eintracht steigt auf
Braunschweig Der ehemalige Braunschweiger ist nach seinem Wechsel zum türkischen Zweitligisten Manisaspor immer noch der größte Fan seines Ex-Klubs.
Wenn Eintracht Braunschweig spielt, darf man Benjamin Fuchs nicht stören. Im Internet-Livestream verfolgt der 29-Jährige jeden Auftritt seiner alten Teamkollegen.
„Es fühlt sich für mich immer noch so an, als wäre es meine eigene Mannschaft“, erzählt Fuchs im Telefonat mit unserer Zeitung. Fünf Jahre lang trug der Abwehrspieler das Trikot des Braunschweiger Traditionsklubs, ehe sein Vertrag im Sommer nicht verlängert wurde. Zwar hatte er aus Deutschland diverse Angebote, „aber nach all den Jahren bei Eintracht wäre das alles ein Schritt zurück gewesen“, sagt Fuchs. „Und das wollte ich nicht.“
Stattdessen entschied er sich für einen Wechsel in die Türkei, dem Heimatland seiner Mutter. Über seinen Berater, erzählt Fuchs, sei der Kontakt zum Zweitligisten Manisaspor entstanden, wo er schließlich nach langem Warten einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieb. „Das war der blanke Horror. Ich habe noch nie in meiner Karriere so lange ohne Verein dagestanden“, berichtet er von der quälenden Ungewissheit im Sommer. „Zwischendurch habe ich schon gezweifelt, wie es mit mir weitergeht.“
In einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“, so Fuchs, „mit nur einem Koffer“, sei er dann Ende Juli in Nürnberg in den Flieger gestiegen und direkt ins Trainingslager seines neuen Klubs in die Nähe von Ankara geflogen. Bei Außentemperaturen von knapp 35 Grad bereitete sich das Team dort vier (!) Wochen lang auf die neue Spielzeit vor. „Für mich war das natürlich Hochsommer“, sagt Fuchs. Seine Mitspieler hingegen genossen die Abkühlung, schließlich steigt die Quecksilbersäule in Manisa, eine halbe Autostunde von Izmir entfernt, zu dieser Jahreszeit locker auf über 40 Grad.
Im Winter fällt das Thermometer nur selten unter den Gefrierpunkt. Dementsprechend „dumm geguckt“ hätten seine neuen Teamkollegen, als er ihnen ein Foto von seinem Autothermometer zeigte, das er vergangenen Winter in Braunschweig auf dem Weg zum Training aufgenommen hatte – und das zweistellige Minusgrade zeigte. „Das konnten die kaum glauben.“
Vom Wetter einmal abgesehen fiel Fuchs die Eingewöhnung in seine neue Heimat nicht schwer. Was einerseits damit zu tun hat, dass er fließend Türkisch spricht, andererseits damit, dass ein Teil seiner Mitspieler ebenfalls schon in Deutschland gelebt und gespielt hat. Unlängst erst habe er zufällig erfahren, dass Stürmer Murat Tosun früher in Berlin von Ken Reichels Vater trainiert wurde. „So klein ist die Welt.“
Fuchs’ Befürchtungen, es ginge in der Türkei nicht professionell genug zu, haben sich längst zerstreut. „Der Klub macht wirklich alles für uns“, sagt der 29-Jährige. Und ebenfalls nicht ganz unwichtig: „Das Geld kam bisher immer pünktlich.“ Und das, obwohl man es sonst mit der Pünktlichkeit nicht ganz so ernst nehme, zu Verabredungen gerne mal eine Stunde später käme. „Hier ist alles etwas gechillter“, hat der Fußball-Profi festgestellt. „Da muss man sich erstmal dran gewöhnen.“
Anders als in Braunschweig, wo er zuletzt nur noch eine Reservistenrolle bekleidete, ist Fuchs bei Manisaspor Stammspieler. In den ersten acht Meisterschaftspartien stand er jeweils 90 Minuten auf dem Feld, die türkische Presse bezeichnete ihn wegen seines kompromisslosen Zweikampfverhaltens bereits als „deutschen Panzer“. Mit zwei Siegen, fünf Unentschieden und einer Niederlage belegt der Erstliga-Absteiger momentan den siebten Tabellenplatz in der zweithöchsten Spielklasse, die sich laut Fuchs vom Niveau mit der dritten Liga in Deutschland vergleichen lässt. Ziel sei es, am Ende der Saison unter den ersten Sechs zu landen. „Dann sind wir in den Play-offs.“
Auch abseits des Rasens ist der ehemalige Braunschweiger ein gefragter Mann, immer wieder müsse er seinem Coach Details zur Eintracht-Taktik der vergangenen Jahre verraten. „Ich hoffe“, sagt Fuchs lachend, „dass Torsten [Lieberknecht; d. Red.] mir nicht böse ist.“
Über Handy und Computer hat er noch regelmäßig Kontakt zu seinen ehemaligen Mitspielern in Braunschweig. „Sobald ich hier in der Türkei mal zwei oder drei Tage am Stück frei habe, werde ich nach Braunschweig kommen“, kündigt er an; einige der Ex-Kollegen hätten für die Winterpause auch schon ihren Besuch in der Türkei angemeldet.
Bis dahin wird Fuchs die Spiele der Blau-Gelben weiter per Livestream verfolgen. Bei der Frage, ob er dem Zweitliga-Spitzenreiter den Aufstieg zutraue, muss er nicht lange überlegen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Jungs das packen – und dabei jeden Rekord knacken.“
