Eintracht wieder im Blickfeld der großen Fußballbühne
Braunschweig Durchschnittlich 22.000 Zuschauer kamen in der abgelaufenen Saison zu den Eintracht-Heimspielen. Einige von ihnen zogen eine ganz persönliche Bilanz.
Daniel Kleist (47), Vorsitzender der Eintracht-Freunde Stöckheim:
Der Höhepunkt: „Meine persönlichen Highlights der Saison waren der gute Saisonauftakt und der damit verbundene erste Platz in der 2. Bundesliga an den ersten Spieltagen. Damit hatte keiner gerechnet. Spitze war auch das 4:0 gegen den VfL Bochum.“
Der Tiefpunkt: „Der Pokalknaller gegen die Bayern. Zwei Elfmeter verursacht in einem Spiel – das gibt es in der ganzen Saison nicht. Das war sehr enttäuschend. Aber wir haben uns berappelt und eine sehr ansprechende Hinrunde gespielt und damit die Basis für den Nichtabstieg geschaffen.“
Die größte Überraschung: „Viel Spaß hat mir die Auswärtsfahrt nach Düsseldorf gemacht. Eine tolle Altstadt, ein Super-Stadion und ein gelungenes Fußball-Event. Fußball-Seele, was willst du mehr?“
Die größte Enttäuschung: Nicht alle Spiele waren schön anzusehen, gerade in der Rückrunde, als sich die Gegner auf unser Spielsystem eingestellt hatten. Aber das Schöne an Eintracht ist eben nicht nur das Fußballspiel, sondern auch die Krakauer und das Wolters. Die machen das dann wett. Die Matjes-Brötchen nicht zu vergessen.“
Robin Koppelmann (22), Mitglied des Fan-Rats:
Der Höhepunkt: „Der kommt hoffentlich noch! Unsere A-Junioren kämpfen nach einer eher durchwachsenen Hinrunde und einer umso furioseren Rückrunde noch um den Aufstieg in die Bundesliga. Am letzten Spieltag ist also Daumen drücken angesagt.“
Der Tiefpunkt: „Eine schwere Frage, bedenkt man die positive Kontinuität, mit der Eintracht durch das erste Zweitliga-Jahr gegangen ist. Und weil wirklich niemand aus unserem Verein ernsthaft für einen Tiefpunkt gesorgt hat, wird der mal ein paar Kilometer weiter gesucht: Dass sich Hannover wieder für die Europa League qualifizieren konnte, hätte echt nicht sein müssen.“
Die größte Überraschung: „Na hätte jemand vor der Saison gesagt, dass Eintracht in der Rückrunde zehn Remis holt, dann hätte man das wohl kaum geglaubt, oder? Umso schöner, dass auch dann die Zuschauerzahlen noch weiter über den Erwartungen blieben. Ein richtiges Zeichen!“
.Die größte Enttäuschung: „Der Part geht in diesem Jahr mal wieder an den Deutschen Fußball-Bund. Man kann zum Thema Pyrotechnik und Fankultur durchaus unterschiedliche Meinungen besitzen, das Krisenmanagement des DFB war aber schlichtweg unprofessionell und hat eine ohnehin schon aufgehitzte Debatte nur noch weiter hochgekocht.“
Thomas Heller (46), Mitarbeiter im Ordnungsdienst
Der Höhepunkt: „Der Sieg in Fürth am 13. Spieltag. Nach dem Montagsspiel erzeugte der Blick auf die Tabelle ein schönes Gefühl. Eintracht war wieder im Blickfeld der großen deutschen Fußballbühne. Auch die Reise zum Auswärtsspiel nach München war wieder ein Erlebnis. Zum dritten Mal in der Allianzarena. Leider noch nie mit Punkten dort abgereist. Aber wir dürfen ja mindestens noch ein weiteres Mal dort antreten.“
Der Tiefpunkt: „Das Spiel in Duisburg. Nichts zu spüren von einem gewissen Schub durch den Erfolg beim Aufstiegsaspiranten in Fürth. Weiter haben die verletzten Akteure Bohl, Henn und Kessel mein Mitgefühl. Ich erinnere mich noch an das Spiel gegen Bochum, wie ich mich persönlich für Bohli gefreut habe, dass er wieder in der Startelf stand. Und dann nach ner knappen halben Stunde diese schlimme Verletzung.“
Die größte Überraschung: „Im Kader überraschte auf Anhieb Marcel Correia als Innenverteidiger. Auch die Wachablösung im Tor war eine Überraschung und die Verpflichtung von Ermin Bicakcic war ein echter Glücksgriff. Der Typ ist Hammer! Und natürlich der furiose Saisonstart mit drei Siegen aus vier Spielen. Da ging mit dem einen oder anderen Anhänger schon mal die Euphorie durch.“
.Die größte Enttäuschung: „Es gibt im Großen und Ganzen keine große Enttäuschung. Die Saison ist zielgemäß abgeschlossen. Wir sind weiterhin zweitklassig. Das ist schön! Schade ist nur, dass die Jungs für ihre teilweisen besseren Auftritte nicht belohnt worden sind. Spiele, von denen nur die gefälligen Auftritte blieben, jedoch keine Punkte. In der Rückrunde hätte das Publikum hier zu Hause einige Tore mehr zu bejubeln verdient gehabt.“
Philipp Lehmann (32), Vorsitzender der Braunschweiger Jungs `95
Der Höhepunkt: „Die unfassbar hohen Zuschauerzahlen, die tolle Hinrunde, der Baubeginn für die Stadionmodernisierung und das Fan-Haus, die weitere wirtschaftliche Gesundung der Eintracht, der Sieg unserer Fan-Club-Mannschaft beim Hallenturnier der Neuen Oberschule und vor allem die Art und Weise, wie alle Beteiligten weiterhin gemeinsam als eingeschworene Einheit die Eintracht voranbringen.“
Der Tiefpunkt: „Nicht nach Berlin zum Auswärtsspiel bei Union fahren zu können.“
Die größte Überraschung: „Dass es rein praktisch überhaupt möglich ist, vier Heimspiele in Folge 0:0 zu spielen. Dass etliche junge Spieler sich spielerisch auf Basis der Unterstützung durch ihren Trainer weiter stark verbessert haben.“
.Die größte Enttäuschung: „Dass in diesem Winter aus beruflichen und organisatorischen Gründen die Zeit gefehlt hat, mit unserer Fan-Club-Mannschaft in der Eintracht-Fan-Club-Hallenliga mitzuspielen.“
Marc Wittfeld (44), Vorsitzender der Jägi-Jungs
Der Höhepunkt: „Fußballerisch betrachtet das Union-Spiel, bei dem Eintracht- und Union-Anhänger bewiesen haben, dass Fußballfans aus verschiedenen Lagern bei aller sportlicher Konkurrenz das friedliche Beisammensein zelebrieren können. Ein weiterer Höhepunkt war die Zehn-Jahre-Feier der Jägi-Jungs, auf der uns Walter Schmidt, Manfred Wuttich, Torsten Liebeknecht und Bussi die Ehre gaben.“
Der Tiefpunkt: „Am schlimmsten war, dass ich mich wochenlang auf die Spiele in Düsseldorf und Berlin gefreut habe, aufgrund unglücklicher Schicksalswendungen aber beide Spiele kurzfristig absagen musste, obwohl ich schon Karten hatte. Ganz besonders trifft es mich aber, dass ich erstmals in der Geschichte meines fast 40-jährigen Fan-Seins das letzte Heimspiel nicht schaffe, aber leider ließ sich der Urlaub nicht anders legen.“
Die größte Überraschung: „Wie die unglaubliche Verletztenmisere kompensiert wurde und die Mannschaft weiterhin unglaublichen Fußball gespielt hat. Überhaupt war die ganze Saison grandios, die Hinrunde ein Traum und auch die Rückrunde, allen Unkenrufen zum Trotz, spielerisch zum Teil sehr gut, wenn auch das ein oder andere Tor gefehlt hat. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie mithalten kann und sich vor keinem Gegner verstecken muss.“
.Die größte Enttäuschung: „Die Leserbriefe zum Ende der Saison, in denen schon wieder versucht wurde, alles mieszumachen und das Konzept infrage wurde. Manche begreifen es anscheinend nie. Aber so ist es halt in Braunschweig. Ebenso enttäuschend so manche Zwischenrufe und Unmutsbekundungen von Teilen der Haupttribüne. Das ein oder andere Mal war ich da zugegen und für manche Ausrufe muss man sich einfach nur schämen.“



