Eintracht-Torwart Davari: Ich bin kein Show-Typ
Braunschweig Nach seiner Pause im Pokal kehrt der 24-Jährige am Freitag gegen Paderborn ins Gehäuse des Fußball-Zweitligisten zurück.
Die Rückennummer hat nicht viel zu bedeuten. Obwohl auf dem Trikot von Eintracht-Torwart Daniel Davari die „26“ prangt, ist er beim Fußball-Zweitligisten als Nummer 1 in die neue Saison gegangen – und hat damit wohl endgültig Marjan Petkovic zwischen den Pfosten abgelöst.
Vor etwas mehr als einem Jahr war diese Entwicklung nicht abzusehen. Damals war Davaris Stammplatz die Ersatzbank, an Konkurrent und Aufstiegsheld Petkovic schien kein Weg vorbeizuführen. Angesprochen auf das, was in den vergangenen zwölf Monaten passiert ist, klingt Davari immer noch so, als könne er es nicht ganz glauben: „Wahnsinn, oder?“
Mehr als zwei Spielzeiten lang hatte sich der 24-Jährige mit seiner Reservistenrolle abfinden müssen, zwei Jahre, „in denen fast nix passiert ist“. Zumindest nichts, was Trainer Torsten Lieberknecht zu einem Torwartwechsel bewegt hätte. Das änderte sich, als Routinier Petkovic am dritten Spieltag der vergangenen Saison einen Muskelfaserriss erlitt.
Eine Woche später, im Auswärtsspiel beim Karlsruher SC („Da hatte ich die Hosen voll“), feierte Davari seine Zweitliga-Premiere. „Ich freue mich, dass meine Geduld belohnt wurde“, sagt der gebürtige Gießener, der den Platz zwischen den Pfosten nicht zuletzt dank seiner starken Strafraumbeherrschung bis heute nicht mehr hergegeben hat. „Auf der Linie muss jeder Torwart halten können. Auf dem hohen Niveau machen Kleinigkeiten den Unterschied“, betont Davari, der darauf Wert legt, dass er sich in den zurückliegenden Monaten trotz Stammplatz nicht groß verändert habe. „Ich bin immer noch der selbe Typ.“
In der Vorbereitung auf die laufende Spielzeit ließ Trainer Torsten Lieberknecht lange offen, wer als Nummer 1 in die Saison gehen würde. Obwohl Petkovic „extrem darum gekämpft“ habe, sich seinen Stammplatz zurückzuerobern, schenkte der Eintracht-Coach am Ende erneut Davari das Vertrauen. „Er hatte einen kleinen Bonus aus der Vorsaison. Da war er Garant für viele Punkte“, begründet Lieberknecht seine Entscheidung. Diese sei ihm umso schwerer gefallen, als dass es sich um zwei „komplett verschiedene Torhüter“ handelt. Aufgrund der unterschiedlichen Stärken und Schwächen seiner beiden Schlussleute sei er fast schon geneigt gewesen, sich von Spieltag zu Spieltag zu entscheiden, abhängig vom jeweiligen Gegner,. „Das habe ich mich dann aber doch noch nicht getraut.“
Zumal er mit seiner Entscheidung pro Davari bislang nicht viel falsch gemacht hat. Schließlich blieb dieser sowohl gegen Köln als auch in Berlin ohne Gegentor, Freitagabend im Spitzenspiel gegen Paderborn soll nach Möglichkeit das dritte Zu-Null-Spiel in Serie folgen. Damit dieses Unterfangen gelingt, wird sich der ehemalige Mainzer einmal mehr akribisch auf die Partie vorbereiten. Die meisten Stürmer hätten schließlich eine bevorzugte Ecke, in die sie schießen, hat er beobachtet. „Deshalb gucke ich mir vorher immer ein paar Spiele von den Gegnern an.“ Von den Freistoßspezialisten studiere er Anlauf und Schusstechnik, so auch von Paderborns Alba Meha.
Dass er bei seinen 31 Zweitliga-Einsätzen erst 29 mal hinter sich greifen musste, sei jedoch nicht allein sein Verdienst, betont Davari, sondern habe auch mit der Abwehr vor ihm zu tun. „Die Jungs verteidigen mit sehr viel Herz. In der 2. Liga gibt es nicht viele Teams, die so stark verteidigen wie wir.“
Sich selbst beschreibt der 1,92 Meter große Basketball-Fan als sachlichen Torhüter. „Ich bin kein Show-Typ. Warum sollte ich einen Ball spektakulär zur Ecke boxen, wenn ich ihn doch fangen kann?“ Darüber hinaus ist Davari extrem selbstkritisch. Von daher verwundert es kaum, wenn er sagt: „Ich hatte noch nie ein Spiel, mit dem ich zu 100 Prozent zufrieden war.“
