Eintracht-Manager Arnold: Wir haben Hertha zum Leben erweckt
Braunschweig Eintrachts sportlicher Leiter trug drei Jahre lang das Trikot von Hertha BSC. Drei Jahre, in denen er in der Hauptstadt viel erlebt hat.
Marc Arnold muss nicht lange überlegen, die Erinnerungen werden sofort wieder wach. „Das hier war bei unserem 2:1-Sieg gegen die Bayern“, sagt Eintrachts sportlicher Leiter und deutet auf das Foto, das ihn, den ehemaligen Profi von Hertha BSC, beim Kopfball-Duell mit Lothar Matthäus zeigt. „Diesen Flickflack habe ich im Spiel gegen Leverkusen gemacht“, erinnert sich der 42-Jährige an den akrobatischen Jubel nach seinem ersten Erstliga-Treffer.
Zu fast jedem Foto, das ihm unsere Redaktion am Dienstag zeigte, kann Arnold eine Geschichte erzählen. Es sprudelt aus ihm heraus, als sei es gestern gewesen. Dabei liegt seine Zeit im Hertha-Trikot mittlerweile fast 14 Jahre zurück.
Im Januar 1996 war der Mittelfeldakteur von Borussia Dortmund in die Hauptstadt gewechselt, um dort endlich wieder Spielpraxis zu sammeln. Beim BVB, mit dem er im Jahr zuvor deutscher Meister geworden war, hatte er nämlich nur noch auf der Tribüne gesessen, am portugiesischen Millionen-Neuzugang Paulo Sousa führte kein Weg vorbei.
„Trainer Jürgen Röber wollte mich vorher schon mal zum VfB Stuttgart holen“, erzählt Arnold, wie der Transfer zum Zweitligisten nach Berlin zustande kam. „Mit Profi-Fußball hatte das damals bei Hertha noch nicht viel zu tun“, erinnert sich der gebürtige Südafrikaner an Heimspiele gegen Zwickau, Jena oder Gütersloh, bei denen sich gerade einmal 3500 Zuschauer im weiten Rund des Olympiastadions verirrten. „Das hat echt keinen Spaß gemacht.“ Zumal Hertha am Ende der Saison auch nur knapp dem Absturz in die Drittklassigkeit entging.
Hier ein Video-Mitschnitt mit dem damaligen Hertha-Spieler Marc Arnold vom Spiel Hertha BSC gegen Bayern München im Februar 1998:
Als Folge dessen wurde im Sommer noch einmal kräftig in die Mannschaft investiert, verpflichtet wurden unter anderem Axel Kruse und Michael Preetz. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, am Ende der Saison 1996/1997 kehrte der Klub nach 14 Jahren Abstinenz wieder in die 1. Liga zurück. „Wir haben Hertha damals wieder zum Leben erweckt“, sagt Arnold, der in dem Aufstiegsjahr 24 Begegnungen bestritt. Mit dem Finger zeigt er auf ein Foto, auf dem er – damals noch mit schulterlangen Haaren – im Zweikampf mit Kaiserslauterns Andreas Brehme zu sehen ist. „Bei diesem Spiel waren an einem Montagabend 75.000 Zuschauer im Olympiastadion – das war ein neuer Zweitliga-Rekord.“
Und auch die Berliner Presse interessierte sich plötzlich wieder für die „Alte Dame“, bei jedem noch so stinknormalen Training sei eine Handvoll Journalisten zugegen gewesen, sagt Eintrachts sportlicher Leiter. Überhaupt sei es „eine wahnsinnig spannende Zeit“ gewesen“; die Hauptstadt war im Umbruch, „alleine am Potsdamer Platz standen gefühlt 200 Kräne“.
Nach Anlaufschwierigkeiten erkämpfte sich Arnold auch in der 1. Liga einen Stammplatz beim Aufsteiger. Sein vielleicht bestes Spiel machte der Mittelfeld-Stratege im Februar 1998 beim 2:1-Sieg gegen den FC Bayern München – vom Fußball-Fachmagazin Kicker wurde er damals sogar zum Mann des Spiels ernannt.
In Januar 1999 endete Arnolds Zeit bei Hertha, nach einer Leisten-OP kam er nicht mehr an Neuzugang Dariusz Wosz vorbei. Es folgte der Wechsel zum Karlsruher SC. „Berlin war schon eine besondere Station in meiner Karriere“, sagt der heutige Eintracht-Manager rückblickend. Und zwar nicht nur sportlich, sondern auch privat. So lernte er in der Hauptstadt seine spätere Ehefrau Steffi kennen. „Und auch sonst habe ich aus der Zeit noch richtig gute Freunde.“

