Eintracht-Coach hat ein Händchen für junge Spieler
Braunschweig Ob Karim Bellarabi, Oliver Kragl oder Jonas Erwig-Drüppel: Immer wieder verhilft Torsten Lieberknecht jungen Akteuren zum Profi-Debüt.
Wenn man junge Eintracht-Neuzugänge fragt, weshalb sie sich ausgerechnet für einen Wechsel nach Braunschweig entschieden haben, dann bekommt man meist folgende Antwort zu hören: „Weil der Trainer auf junge Spieler setzt.“ Gemeint ist damit stets Torsten Lieberknecht.
Und der wurde dem Ruf, der ihm vorauseilt, am Samstag wieder einmal gerecht. Im Heimspiel gegen Jahn Regensburg warf der Eintracht-Coach zum ersten Mal Jonas Erwig-Drüppel ins kalte Zweitliga-Wasser. Was umso überraschender war, da der 21-Jährige zuvor noch kein einziges Mal im Spieltags-Kader gestanden hatte. „Ich wollte ihm einfach mal die Möglichkeit geben, reinzuschnuppern“, erklärte Lieberknecht anschließend seinen für viele Beobachter unerwarteten Schachzug.
Es war nicht das erste Mal, dass der 39-Jährige in Sachen Aufstellung für eine Überraschung sorgte. Mangelnde Risikobereitschaft kann man dem Braunschweiger Fußball-Lehrer nun wirklich nicht vorwerfen. In der Vergangenheit hat er schon mehrfach Akteuren zum Pflichtspiel-Debüt verholfen, die bis dato niemand auf der Rechnung hatte.
Bestes Beispiel ist vielleicht Karim Bellarabi. Im Mai 2009 durfte der damals 19 Jahre alte A-Jugendliche das erste Mal Drittliga-Luft schnuppern, als er am letzten Spieltag in Regensburg eine Viertelstunde vor dem Ende eingewechselt wurde. Der Name des Deutsch-Marokkaners war damals nur ganz eingefleischten Eintracht-Anhängern ein Begriff.
Es war der Startschuss einer steilen Karriere: Neun Monate später, im Februar 2010, lief das Mittelfeld-Talent im Heimspiel gegen Burghausen erstmalig von Beginn an auf, in der Saison 2010/11 war er schließlich unverzichtbarer Bestandteil der Aufstiegsmannschaft. Seit Sommer vergangenen Jahres steht Bellarabi bei Bayer Leverkusen unter Vertrag. Und der 23-Jährige hat offenbar nicht vergessen, wo er herkommt: Erst vor kurzem ließ er seinem Entdecker Lieberknecht ein Paket mit zwei Trikots und Autogrammkarten von sich zukommen.
Für die 1. Bundesliga hat es bei Oliver Kragl nicht gereicht, aber immerhin für einen Stammplatz beim Drittligisten SV Babelsberg. Im September 2009 hatte Lieberknecht den Akteur aus dem U-23-Team völlig unerwartet in die Startelf der Profi-Mannschaft berufen. Kragl dankte ihm das Vertrauen beim 2:1-Sieg gegen Ingolstadt mit dem zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer.
Ähnlich überraschend kamen in der Vorsaison die Korte-Zwillinge zu ihrem Profi-Debüt. Gianluca fand sich am vierten Spieltag beim Sieg in Karlsruhe in der Startelf wieder, obwohl er zuvor, ähnlich wie Erwig-Drüppel, nicht einmal im Kader gestanden hatte. Bruder Raffael durfte wenige Wochen später in Ingolstadt zum ersten Mal von Beginn an ran.
