Die Region hat vier Kultstätten des Fußballs
Braunschweig Unsere Region bietet nicht nur Autos, sie steht auch für Fußball-Tradition. Das Magazin „11 Freunde“ kürte 99 Orte, die Fußballfans gesehen haben müssen. Gleich vier davon befinden sich in der Region.
Die Allianz-Arena in München, der Borsigplatz in Dortmund, der Betzenberg in Kaiserslautern, Sepp Herbergers Geburtshaus in Mannheim oder die Bäckerei Klinsmann in Stuttgart. Fußballfans mit einem leichten Hang zur Nostalgik und einer Lust am Reisen werden an vielen Orten in Deutschland fündig. In die Liste des selbsternannten Magazins für Fußball-Kultur haben es drei Orte aus Braunschweig geschafft: das Restaurant Elvan, der Unfallort des Ex-Eintracht-Profis Lutz Eigendorf in Braunschweig-Querum und Braunschweig als Wiege des deutschen Fußballs, die Heimatstadt des Fußball-Pioniers Konrad Koch. Nur in den Metropolen Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Leipzig werden Fans laut „11 Freunde“ mehr Orte mit einer besonderen Bedeutung für den Fußball finden.
Außerdem weckt der „Mount Magath“ in Wolfsburg das Interesse: Er schaffte es als Wolfsburger Schauplatz in die Liste der 99 Orte, die Fußballfans gesehen haben müssen.
Restaurant Elvan
Für eine Recherche kehrten Journalisten des Fußball-Magazins bereits vor ein paar Jahren ins Elvan ein und waren offenbar beeindruckt. Zu Recht. Gastwirt Ahmet Öztürk bedankt sich artig für die kostenlose Werbung. „Die Erwähnung in der Hitliste ist die beste Werbung für die Fußball-Stadt Braunschweig und natürlich auch für mein Lokal“, sagt er. „Das macht mich stolz.“
Im Elvan an der Helmstedter Straße hat Ötztürk Eintracht-Legenden wie Danilo Popivoda, Bernd Franke und Uwe Hain üppige Tellergerichte gewidmet. Wie der aktuelle „Lieberknecht-Teller“ und der „Boland-Teller“ bestehen sie aus Fleischbergen. „Da muss man guten Hunger haben“, sagt Ötztürk und lacht.
Die Kneipe ist komplett in den Eintracht-Farben blau und gelb gehalten. Selbst das Klopapier und die Plastikblumen auf den Tischen sind blau-gelb. Die Männer im Restaurant tragen ebenfalls blau-gelb. Mit rotem Löwen auf der Brust. Im Herzen sowieso.
Die ARD war schon hier, der NDR auch. Die „Sport-Bild“ und der „Kicker“ berichteten ebenfalls aus der urigen Eintracht-Kneipe. Ötztürk und sein Elvan haben es so schon zu einem gewissen Ruhm gebracht. „Viele Neugierige kommen vorbei und machen Fotos“, sagt der Gastwirt. Darunter natürlich vor allem Auswärtige. Ötztürk: „Erst gestern war ein Mann aus Flensburg da“.
Unfallort von Lutz Eigendorf
Das Fußball-Magazin bezeichnet die Schnellstraßenkurve in Braunschweig-Querum als „Schauplatz des düstersten Kapitels in der deutsch-deutschen Fußballhistorie“. Hier verunglückte am 5. März 1983 der Eintracht-Profi Lutz Eigendorf mit seinem Alfa Romeo auf mysteriöse Art und Weise.
Zuvor hatte Eigendorf im Flughafenrestaurant „Cockpit“ zwei Bier getrunken. Eigendorf, der 1978 in den Westen flüchtete, galt als das hoffnungsvollste Talent im DDR-Fußball. Im Westen stand er unter Beobachtung von bis zu 50 Stasi-Agenten. Ein Stoff, der auch Jahre später immer wieder zu Spekulationen anregt. Journalisten aus der ganzen Republik sind immer wieder mal auf Spurensuche. Bis heute ist ungeklärt, ob der Unfall ein Mord war oder nicht.
Wiege des deutschen Fußballs, Braunschweig
Der Fußball-Pionier Konrad Koch brachte die „Fußlümmelei“ mit aus England nach Braunschweig. Schnell verbreitete sich der Sport in ganz Deutschland. Koch wohnte in der Schleinitzstraße 18. Das Haus steht leider nicht mehr. Er lehrte am Gymnasium Martino-Katharineum.
Mit Schülern veranstaltete Koch 1874 am „Kleinen Exerzierplatz“ das erste Spiel auf deutschem Boden. An der Pockelsstraße steht dort heute das Haus der Wissenschaft. Eine Gedenktafel erinnert an den Fußball-Pionier.
Kochs Leben wurde aufwendig an Originalschauplätzen in Braunschweig verfilmt. In der Hauptrolle spielte Daniel Brühl den Fußball-Pionier.
Mount Magath, Wolfsburg
Hier formte „Quälix“, auch Felix Magath genannt, den Meisterkader in der Saison 2008/2009. Die VfL-Spieler verfluchen den „Hügel der Leiden“, wie er auch genannt wird, mittlerweile. Immer wieder bittet Magath, der sonst für seine ausgeprägte Liebe zum Medizinball bekannt ist, seine Jungs zum Galopp.
Die 65 Meter lange Rampe bietet drei Steigerungsstufen: zwei, fünf und zehn Prozent. Auf der anderen Seite gibt es einen 18 Meter langen Anstieg mit bis zu 24 Prozent Steigung in der Spitze. Von vorn führen ein Dutzend Treppenstufen auf den aus der Ferne so unscheinbar wirkenden Hügel. Man mag von Magaths Trainingsmethoden halten, was man will. Seine Teams waren immer fit bis in die Haarspitzen. Beim VfL liegt das vor allem an besagtem Hügel.
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