Der Arzt, dem die Spieler vertrauen
Dr. Frank Maier hatte seinen Koffer am Samstag in Spanien noch nicht ganz ausgepackt, da standen schon die ersten Patienten vor seiner Tür:
Nico Zimmermann schmerzte der Rücken, Oliver Petersch zwickte der Oberschenkel, Emre Turan hatte Probleme mit dem Wadenbein, Dennis Kruppke mit seinem Knie. Nein, über zu wenig Arbeit kann sich Eintrachts Mannschaftsarzt seit seiner Ankunft im Trainingslager nun wirklich nicht beschweren.
Dass das Lazarett bei den Blau-Gelben momentan so voll ist wie schon lange nicht mehr, kommt für Maier allerdings alles andere als überraschend. Die Beanspruchung des „Materials“ – Maier meint damit die Körper der Spieler – sei in der 2. Liga eine ganz andere als sie es noch in der 3. Liga war. „Jetzt ist die Belastung der Spieler öfter im roten Bereich, alles einen Ticken schneller und härter.“ Nuancen, die einem in der 3. Liga „noch nicht das Genick gebrochen haben“ – nun aber zu Verletzungen führen können.
Deren Diagnose, betont Maier, sei gar nicht seine Hauptaufgabe, auch wenn Außenstehende ihn oft darauf reduzieren würden. „Das wird der eigentlichen Aufgabe als Mannschaftsarzt nicht gerecht.“ Vielmehr würde sein Hauptaugenmerk auf der Optimierung von Trainingsinhalten liegen. Man müsse mit bestimmten Übungen, sei es Kraft oder Koordination, die Voraussetzung dafür schaffen, dass die Körper der erhöhten Belastung standhalten. Motto: Prävention statt Rehabilitation.
Nicht nur fachlich, auch menschlich wird Maier von den Eintracht-Profis voll akzeptiert, was vor allem an seiner offenen Art liegt. Der gebürtige Schwabe, der früher selbst einmal Leichtathlet war, ist für jeden Spaß zu haben, hat immer einen dummen Spruch auf Lager und ist sich bei den meisten Übungen auch nicht zu schade mitzumachen –ob es nun Sprints, Treppenläufe oder Ausdauereinheiten sind.
Nur wenn es darum geht, verletzte Spieler zu operieren, hält sich der Mediziner aus Salzgitter zurück. Nicht etwa, weil er es nicht könnte. Sondern vielmehr, um außen vor zu sein, falls – was immer mal vorkommen kann – bei der OP nicht alles rund läuft. „Wenn man selbst dafür verantwortlich ist, hat man als Teamarzt hinterher ein Problem.“
Seit 2005 ist Maier nun schon bei Eintracht – und hat in all den Jahren nahezu jede Verletzung miterlebt. Ein ausgerenkter Ellenbogen, wie es diese Saison bei Matthias Henn der Fall war, sehe zwar spektakulär aus, „kann mich aber nicht mehr schocken“. Den Atem würde er nur anhalten, wenn Akteure auf den Kopf oder Rücken landen, so wie mit Damir Vrancic in Duisburg geschehen.
Zu Maiers Aufgabe gehört es auch, Spielern niederschmetternde Diagnosen zu überbringen. „Auf so etwas könnte ich gut verzichten. Ich weiß doch, dass für die Jungs in diesem Moment eine Welt zusammenbricht. Das ist leider die Kehrseite meines Jobs.“

