Boland: Egal, Hauptsache gewonnen

Braunschweig  Eintracht Braunschweig tat sich schwer - gegen St. Pauli, aber auch gegen den tiefen Holper-Rasen. In den ersten 12 Spielminuten schwiegen die Fans.

Mirko Boland (Mitte) führt den Ball. Der Wirbelwind kam gegen St. Pauli gleich auf drei Positionen zum Einsatz.

Foto: regios24/Joachim Mottl

Mirko Boland (Mitte) führt den Ball. Der Wirbelwind kam gegen St. Pauli gleich auf drei Positionen zum Einsatz. Foto: regios24/Joachim Mottl

Stille und Gemurmel statt Gesänge und Anfeuerungsrufe. 21.400 Zuschauer im Eintracht-Stadion, der Schiedsrichter pfeift an, das Spiel läuft, aber es ist nur ein Grundrauschen zu vernehmen. Selbst die Zurufe der Spieler untereinander sind bis hoch auf die Tribüne zu hören.

Unter dem Motto „Ohne Stimme keine Stimmung“ will die Szene an diesem und zwei weiteren Spieltagen der Bundesligen gegen das geplante Sicherheitskonzept protestieren.

Nach zwölf Minuten und zwölf Sekunden – das Konzept soll am 12.12. beschlossen werden – ist die Stille beendet. Gerade rechtzeitig, um sich für das Tor der Tages durch Domi Kumbela warmzusingen.

„Diese ersten zwölf Minuten waren für uns für die Katz, die waren für uns beschissen“, sagte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht, dessen Mannschaft am Ende jede Stimme von den Rängen brauchte, um das 1:0 über die Zeit zu zittern.

„Wir wussten ja, was auf uns zukommt. Es war aber schon ein wenig komisch auf dem Platz“, sagte Eintrachts Bester an diesem Abend, Mirko Boland. „Es macht keinen Spaß, Fußball zu spielen, wenn es so still ist“, ergänzte St. Paulis Sebastian Schachten.

Der Tabellenführer tat sich schwer, obwohl – oder gerade weil – schon nach 22 Minuten Hamburgs Fin Bartels nach einem Foul an Benjamin Kessel sofort die rote Karte erhielt durch den Berliner Schiedsrichter Felix Zwayer. „Wir hätten den Ball schneller laufen lassen, die freien Räume besser nutzen müssen“, sagte Boland. Aber es ist ja oft so, dass Mannschaften in Überzahl ihre Probleme haben. „Aber ehrlich gesagt: Das alles ist mir heute völlig egal. Wichtig ist einzig und allein, dass wir gewonnen haben.“ Da Kaiserslautern am Dienstag nur unentschieden gespielt hatte, beträgt Eintrachts Vorsprung auf den Drittplatzierten nun wieder satte fünf Punkte. Hertha BSC spielt erst heute gegen Köln. Boland, der in der 72. Minute bei einem Luftduell den Ellbogen von Dennis Daube ans Ohr gerammt bekam, klagte über leichte Sehstörungen. Aber auch das war ihm wurscht. „Hauptsache, wir haben gewonnen.“

Alle klagten nach der Partie über den schwer bespielbaren Platz. „Als ich den Acker sah, wusste ich, dass es ein Kampfspiel wird“, sagte St. Paulis Schachten. Und Lieberknecht sprach von einer Wiese, auf der sich sein Hamburger Kollege Michael Frontzeck und sein Team zurechtfinden mussten. Wer andere Stadien in Deutschland kennt, weiß wie Rasenspielfelder als Arbeitsunterlage für Profis der 1. und 2. Liga aussehen können und sollten.

Egal. Beide Teams mussten damit zurechtkommen. „Erst kriegen wir eine unberechtigte rote Karte, dann wird uns ein Tor nicht gegeben. Das ist so brutal“, grummelte Hamburgs Markus Thorandt. Und Frontzeck fasste die Schiedsrichter-Leistung mit vier Worten zusammen: „Das war ein Witz.“

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