Eintrachts neue Qualität bei den Standardsituationen

Braunschweig  Fünf der bisherigen neun Saisontore resultierten aus ruhenden Bällen. Ein Spieler war fast immer beteiligt.

Drei Tore hat Kevin Kratz in dieser Saison bereits vorbereitet.

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Drei Tore hat Kevin Kratz in dieser Saison bereits vorbereitet. Foto: dpa

Zweitliga-Spitzenreiter Eintracht Braunschweig ist besser als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft – zumindest, was die Effektivität bei Standardsituationen betrifft. Der letzte direkte Freistoßtreffer der DFB-Auswahl liegt bereits über vier Jahre zurück, Michael Ballack traf bei der EM 2008 im entscheidenden Gruppenspiel gegen Österreich. Und auch bei Ecken geht vom Löw-Team so gut wie keine Gefahr aus. Letztmalig erfolgreich war Simon Rolfes im November 2011 beim 3:3 gegen die Ukraine. Seitdem folgten 78 Ecken ohne Torerfolg.

Vielleicht sollten sich Özil, Khedira und Co. mal ein Beispiel an Eintracht Braunschweig nehmen. Der Zweitliga-Primus ist in dieser Saison bei Standardsituationen nämlich brandgefährlich. Fünf der bisherigen neun Tore resultierten aus einem ruhenden Ball, zuletzt am Sonntag beim 1:1 gegen 1860 München. Und wie so oft war Kevin Kratz an der Situation beteiligt: Seinen Freistoß aus halblinker Position köpfte Domi Kumbela nach 20 Minuten zur 1:0-Führung ins Münchner Netz.

Für den Neuzugang aus Aachen war es in dieser Saison bereits die dritte Torvorlage, gegen Paderborn und Regensburg hatte jeweils eine Ecke von ihm zum Erfolg geführt. Und auch an der Vorbereitung des Siegtreffers gegen Köln war der 25-Jährige maßgeblich beteiligt: Seinen Freistoß köpfte Deniz Dogan an die Latte, im Nachschuss war Orhan Ademi erfolgreich. Per Freistoß hätte Kratz beinahe auch sein erstes Saisontor erzielt: Gegen Regensburg klatsche sein Schuss an den Querbalken.

„Kevin schlägt die Standards sehr gut“, lobt Trainer Torsten Lieberknecht und betont: „Es ist wichtig, so eine Qualität in der Mannschaft zu haben.“ Der 39-Jährige weiß, das Standards nicht selten spielentscheidend sind, wie das letzte Champions-League-Finale wieder einmal gezeigt hat: Der FC Chelsea erzielte gegen die Bayern aus seinem einzigen Eckball sein einziges Tor.

Dass Kratz bei Eintracht für einen Großteil der ruhenden Bälle zuständig ist, kommt nicht von ungefähr, schließlich ist er einer der besten Techniker im Team. Deshalb trat er schon zu seiner Aachener Zeit die meisten Ecken und Freistöße. Allerdings mit mäßigem Erfolg, wie sich der Mittelfeld-Akteur erinnert. „Da hat es aber nicht so gut geklappt wie hier in Braunschweig.“ Einerseits, so Kratz, gehöre immer ein wenig Glück dazu, anderseits der entsprechende „Wille der Mitspieler im Strafraum“.

Eben jener Wille sei bei Eintracht extrem ausgeprägt, hat der Neuzugang beobachtet. „Es ist schon beeindruckend, wie viele kopfballstarke Spieler wir in unserer Mannschaft haben.“ So geht bei den Blau-Gelben nicht nur von den Angreifern, sondern auch von den beiden Innenverteidigern Deniz Dogan und Ermin Bicakcic Tor-Gefahr aus.

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