Eintracht-Profis auf Herz und Nieren geprüft

Braunschweig  Für die Fußballer von Eintracht Braunschweig stand diese Woche die medizinische Untersuchung auf dem Programm.

Auf dem Monitor im Hintergrund ist das Herz von Benjamin Kessel zu erkennen, das Kardiologe Volkmar Nerreter per Ultraschall untersucht.

Auf dem Monitor im Hintergrund ist das Herz von Benjamin Kessel zu erkennen, das Kardiologe Volkmar Nerreter per Ultraschall untersucht.

Benjamin Kessel zuckt kurz zusammen, als Christine Grossert auf dem EKG-Ausdruck eine sogenannte Extrasystole, also einen Herzschlag außerhalb des normalen Herzrhythmus, feststellt. „Ist das schlimm?“, fragt der Eintracht-Profi mit besorgtem Blick, während er auf dem Ergometer unbeirrt in die Pedale tritt.

„Nein, keine Angst, das kommt bei Leistungssportlern öfter vor und ist völlig normal“, beruhigt ihn Dr. Volkmar Nerreter. Gemeinsam mit Grossert, der medizinisch-technische Radiologieassistentin (MTRA), überwacht der leitende Oberarzt das Belastungs-EKG.

Kessels Oberkörper ist mit zehn Elektronen bestückt, die während des Radfahrens die Tätigkeit seines Herzens aufzeichnen. Dabei wird die Belastung alle drei Minuten um 50 Watt gesteigert – und zwar so lange, bis der Sportler nicht mehr kann. Für Kessel ist das Prozedere nichts Neues, „seit der A-Jugend“, erzählt er, müsse er da jedes Jahr durch.

„Mit Hilfe des EKG können wir feststellen, ob während der Belastung irgendwelche Auffälligkeiten am Herz auftreten“, erklärt Volkmar Nerreter. Er ist Internist und Kardiologe im Braunschweiger Herzogin-Elisabeth-Hospital, wo in dieser Woche alle Eintracht-Profis im Rahmen des von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorgeschriebenen Saison-Check-ups auf Herz und Niere geprüft wurden.

Nach knapp 20 Minuten, bei 300 Watt, verlassen Kessel die Kräfte. Sein Puls hat sich in dieser Zeit mehr als verdreifacht – von 50 auf knapp 170, das Herz arbeitet auf Hochtouren. Der Rechtsverteidiger hat sich völlig verausgabt, der Schweiß rinnt ihm in Strömen über das Gesicht. Auf dem Boden unter ihm hat sich eine kleine Pfütze gebildet. „Dein Blutdruck und deine Herzfrequenz verhalten sich genauso unaufgeregt wie du auf dem Fußballfeld“, lobt Nerreter den Rechtsverteidiger. Mit anderen Worten: Kessel hat den Check-up ohne Beanstandungen gemeistert, der Saison steht nichts im Wege.

Für die Eintracht-Profis ist die medizinische Untersuchung zu Beginn der Vorbereitung zwar ein Pflichttermin – für die meisten von ihnen allerdings kein lästiger, wie Nerreter beobachtet hat. „Die Jungs sind zum Teil richtig interessiert daran, was wir hier mit ihnen machen“, berichtet der 44 Jahre alte Mediziner. „Viele wissen, dass sie ihr Geld nur verdienen, wenn sie körperlich fit sind.“

Zudem seien die Profis sensibilisiert durch diverse Todesfälle, die es in jüngster Vergangenheit gab. Nerreter erinnert in diesem Zusammenhang an den Braunschweiger 800-Meter-Läufer René Harms, der 2009 an den Folgen einer virusbedingten Herzmuskelentzündung starb. Das Risiko, eines Tages selbst auf dem Spielfeld tot zusammenzubrechen, kann durch die Untersuchungen im HEH zwar nicht ausgeschlossen, aber zumindest minimiert werden.

Zusätzlich zum Belastungs-EKG führten Nerreter und seine Kollegen bei den Eintracht-Profis Ultraschall des Herzens durch. Dieses wird dabei vermessen, außerdem die Funktion der Herzklappen kontrolliert.

Im Gegensatz zum Otto-Normal-Verbraucher sei das Herz von Leistungssportlern wie Kessel größer und leistungsstärker, erklärt Nerreter ohne den Blick vom Monitor zu wenden. Was sich auch am niedrigen Ruhepuls bemerkbar macht. Der von Kessel liegt bei 47. Bei einem untrainierten Patienten, sagt der Mann mit dem weißen Kittel und lacht, „würde da jeder Arzt hellhörig werden“. Kessel hingegen darf das Krankenhaus kerngesund verlassen.

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