Happy Birthday: Eintracht-Legende „Luffe“ Wolter wird 70

Braunschweig  Wolter war Stammtorhüter der 67er-Meister-Mannschaft von Eintracht Braunschweig. Am Freitag feierte er 70. Geburtstag.

Im engsten Familienkreis wird in Bad Harzburg, seit einigen Jahren Wohnsitz der Wolters, gefeiert, mit Kindern und Enkeln.

Die Fußball-EM wird der ehemalige Schlussmann, der für Eintracht in neun Jahren Bundesliga 195 Partien und zehn Europacup-Spiele bestritt und anschließend für Hertha BSC 48 Begegnungen absolvierte, „intensiv“ verfolgen. 13 Mal trug Wolter das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Bei der WM 1970 in Mexiko, im Spiel um Platz drei gegen Uruguay (1:0), stand er für Deutschland letztmals zwischen den Pfosten. „Ich habe 13 Mal gespielt und zig Mal gesessen“, erzählt er. Gegen den damaligen Bayern-Block unter anderem mit Beckenbauer, Schwarzenbeck, Müller und Torwartkonkurrent Sepp Maier blieb dem Eintracht-Schlussmann zumeist nur der Platz auf der Bank. Gram ist Horst Wolter dennoch nicht. „Wenn ich heute noch mal die Chance bekäme, würde ich alles wieder so machen“, sagt Wolter, der nach seiner sportlichen Karriere erfolgreich als selbständiger Versicherungsmakler war und noch immer ist.

Europameisterschaften. „Da kochen Erinnerungen wieder hoch“, sagt Wolter. Erinnerungen an die verpasste EM 1968 in Italien. Da hätte er mit der deutschen Nationalmannschaft spielen wollen. Doch ein 0:0 in Albanien bedeutete das Aus für die hoch überlegenen Deutschen und steht zugleich als eine der größten Blamagen des DFB in den Geschichtsbüchern. Ein 1:0-Erfolg hätte gereicht damals im Vergleich mit Jugoslawien, doch es sollte nicht sein. Die Albaner hatten alles unternommen, um den Deutschen die EM-Teilnahme in der Dreier-Qualifikationsgruppe zu vermiesen – vor und während des Spiele. „Wir hatten einen Koch und Fleisch mitgenommen, weil die Kölner Spieler um Wolfgang Overath nach ihren Erfahrungen von einem Europacupspiel in Tirana gewarnt hatten“, erinnert sich Wolter. Nur Weißbrot und Rührei hatten die Kölner in ihrem Hotel auf dem Speiseplan gefunden.

Die böse Überraschung für die vorbereitete Nationalmannschaft folgte an der Grenze. Die Lebensmittel durften nicht nach Albanien eingeführt werden. „Drei Tage Weißbrot und Rührei“, beschreibt Wolter die Speisenfolge.

„Das war schon alles sehr skurril. Der Platz im Stadion war unmöglich. Knochenhart und kaum ein Halm drauf“, beschreibt er. Ein Einpeitscher sorgte für die lautstarke, frenetische Anfeuerung der Heimmannschaft. Ein anderes Spiel für Deutschland ist Horst Wolter neben unzähligen für Eintracht besonders in Erinnerung. Das WM-Qualifikationsspiel im April 1969 im Hampden Park in Glasgow gegen Schottland vor 110 000 Zuschauern. „Das war wohl mein bestes Länderspiel.“

Mit Glanzparaden quasi im Minutentakt hielt Wolter bis zur Pause die Null für Deutschland fest. Nach einem Ellenbogenschlag des baumlangen Gilzean musste Wolter in der Pause verletzt ausgewechselt werden. Die Partie endete 1:1.

Erinnerungen – wie die an die Meistersaison oder Europacupschlachten gegen Juventus Turin. Und der Fußball heute? „Er hat sich total gewandelt. Die Bälle sind anders geworden, alles geht einen Tuck schneller. Für die Torhüter wird das Rauslaufen bei Flanken immer schwerer und sie müssen noch mehr mitspielen“, zählt der Jubilar auf, der selbst erst mit 18 Jahren vom Feldspieler zum Torhüter wechselte. Eine sensationelle Karriere, alles Gute zum 70.

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