Pferde haben den Fußball verdrängt

Eintrachts früherer Verteidiger schwärmt für die Springreiterei und seinen ehemaligen Trainer Branco Zebec

Eintracht-Rekordspieler: Franz Merkhoffer.    

Foto: Archiv

Eintracht-Rekordspieler: Franz Merkhoffer.     Foto: Archiv

BRAUNSCHWEIG. Die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft hat er interessiert verfolgt, ebenso beobachtet er den Weg der Braunschweiger Eintracht in der zweiten Bundesliga – jeweils aus der Distanz, vor dem Fernseher.

Franz Merkhoffer, von 1968 bis 1984 Profi bei Eintracht und nach wie vor der Mann mit den meisten Einsätzen für die Braunschweiger, hat mit dem Fußball nicht mehr viel am Hut. "Ich gehe nicht ins Stadion. Als Rekordspieler des Vereins bettele ich nicht um eine Karte. Eintracht sollte sich ein Beispiel an anderen großen Vereinen nehmen, wie die ihre ehemaligen Spieler behandeln", sagt Merkhoffer knapp.

"Ich bin zudem durch meine Pferde ganz vom Fußball weg", erzählt der 59-Jährige. "Pferde-Franz", so sein Spitzname schon als Fußballer, hat früh seine Leidenschaft für die Vierbeiner entdeckt. "Ich reite noch immer täglich", sagt er. Bis vor zwei Jahren startete er als Springreiter noch regelmäßig bei Turnieren. Drei Pferde stehen derzeit in den Boxen am eigenen Haus in Rothemühle, wo Merkhoffer einen Reitplatz sein Eigen nennt und Pferde züchtet.

Kontakte zu ehemaligen Mitspielern sind selten geworden. Rainer Hollmann trifft er gelegentlich, ebenso Bernd Gersdorff oder Dietmar Erler. Mit Hasse Borg, heute Manager des schwedischen Spitzenklubs Malmö FF, telefoniert Merkhoffer regelmäßig. "Seine Frau reitet auch", erklärt der frühere Außenverteidiger. Ins Schwärmen gerät er regelrecht, wenn die Sprache auf Branco Zebec kommt.

"Ich habe einige Trainer erlebt. Zebec war der einzige, der uns fachlich und auch menschlich viel gegeben hat. Der Mann hat ein unwahrscheinliches Wissen gehabt, hat neue Wege beschritten. Er hat uns hart rangenommen, aber nie einen Spieler in die Pfanne gehauen", schwärmt er. "Er hat bei uns die Raumdeckung eingeführt, als noch keiner in Deutschland sie kannte", erinnert sich Merkhoffer.

Und was zeichnet einen Guten Trainer noch aus? "Er muss die guten Spieler kritisieren, nicht die kleinen, die sind dann von selbst ruhig."

Seine Pferde in Rothemühle wird Merkhoffer demnächst vermissen. In den nächsten Tagen fliegt er mit seiner Frau in die USA, besucht dort seine Tochter Franziska, die mit ihrem Ehemann, dem ehemaligen Eintracht-Stürmer Jacob Thomas und ihren zwei Kindern in Columbus/Ohio lebt. Sohn Timo wohnt in Berlin und ist derzeit als Schauspieler in der Serie "Schmetterlinge im Bauch" zu sehen.

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