„Zeichen stehen auf weitere Zusammenarbeit mit Fliegauf“
Wolfsburg Detlef Wittig ist als Aufsichtsratsvorsitzender der mächtige Mann des EHC Wolfsburg. Im WN-Interview spricht er über die heißesten Personalien.
Detlef Wittig (69) ist beim EHC Wolfsburg die graue Eminenz. Im Hintergrund hält er als Aufsichtsratsvorsitzender des Eishockey-Erstligisten die Zügel fest in der Hand. Fürs Interview mit unserer Zeitung tritt der ehemalige VW-Top-Manager in den Vordergrund.
Herr Wittig, wie bewerten Sie die aktuelle Saison. Der EHC ist nach 41 von 52Spielen Vierter?
Wir hatten vor der Saison einen Schnitt machen müssen und haben die halbe Mannschaft erneuert. Damit hatten wir unser Prinzip der Kontinuität zunächst einmal aufgegeben. Das hat sich im ersten Viertel der Saison auch gezeigt. Da musste sich die Mannschaft erst finden. Aber wenn man nun die Tendenz im zweiten und dritten Viertel sieht, sind wir sehr gut unterwegs. Wir haben wieder Stabilität und sind gut im Club der Top 4 vertreten. Unser Ziel war Platz 6. Also fällt meine Bewertung positiv aus.
Der Aufsichtsrat gab kürzlich noch einmal finanzielle Mittel für die Verpflichtung Adrian Fosters frei. Kamen die obendrauf auf den aktuellen Etat, oder war es ein Vorgriff auf die neue Saison, den man als Bürde 2012/2013 mitschleppt?
Nein, das sind Mittel, die wir aus dieser Saison nehmen. Wie immer wir das dann finanzieren. Wir haben vier Langzeitverletzte, das war kritisch. Deshalb haben wir gesagt, dass wir nachverpflichten müssen. Aber auch wieder nicht um jeden Preis, sondern es muss auch passen. Deshalb haben wir Adrian Foster verpflichtet. Das ist richtig und gut. Wir werden es finanziell verkraften.
Sie haben den personellen Umbruch angesprochen. Wie beurteilen Sie die Personalpolitik insgesamt?
Wir haben wieder ein gutes Händchen bewiesen beim Zusammenstellen der Mannschaft. Charaktere und Chemie müssen passen. Trainer Pavel Gross hatte eine Riesenarbeit, das hinzubekommen. Der Blumenstrauß passt schon wieder. Das kann man vergleichen mit dem, was wir vor zwei Jahren hatten.
Wie gut ist die Mannschaft aufgestellt fürs letzte Saisonviertel?
Die Langzeitverletzten sind ein Handicap. Armin Wurm fällt aus. Ich rechne auch nicht damit, dass Tyler Haskins zurückkommt. Blake Sloan und Stephen Werner fehlen ebenfalls noch. Die Mannschaft hat aber in den jüngsten Spielen gezeigt, dass sie auch ohne diese Leistungsträger ganz gut zurechtkommt. Wir haben gute Chancen, Platz 4 zu halten oder vielleicht mehr zu schaffen.
Und in den Play-offs?
Dafür ist es wichtig, dass wir unter den Top 4 bleiben, um den Heimvorteil im Viertelfinale zu haben. Ich glaube, dass wir da trotz des Schnitts wieder eine gute Rolle spielen können.
Sie sind bei VW ausgeschieden. Können und werden Sie nun noch mehr Zeit in die Arbeit als EHC-Aufsichtsratsvorsitzender investieren?
Auf jeden Fall. Ich habe zuletzt schon fast alle Spiele gesehen. Das war mir früher nicht so gelungen. Meine Engagement für den EHC kann noch intensiver werden und ist es auch schon.
Worin sehen Sie die Hauptaufgaben des Aufsichtsrats in den nächsten Wochen?
Es gibt die sportliche Seite, für die wir unseren Sportdirektor und unseren Trainerstab haben. Und es gibt sehr viel auf der wirtschaftlichen Seite. Auch dafür haben wir eine interne Aufgabenverteilung. Aber eine wesentliche Aufgabe ist es, die Kontakte zu unseren beiden Hauptsponsoren Skoda und VW zu halten und zu pflegen. Dafür stehe ich. Und auch dafür, die Ausrichtung des Eishockeys in Wolfsburg für die nächsten Jahre vorzunehmen.
Wie sieht die mittelfristige Planung bis 2014 aus? Für den Zeitraum werden schon die Verträge gemacht.
Wir sind zu diesem Zeitpunkt weiter als im Vorjahr. Zwei Drittel der Mannschaft ist für die nächste Saison unter Vertrag, oder wir sind dabei, die Spieler zu verpflichten. Ganz wichtig: Insbesondere bei den deutschen Spielern haben wir den Kader fast komplett. Einiges befindet sich noch im Gespräch oder in Endverhandlungen, sodass wir nach dem Schnitt wieder in eine Zwei-/Drei-Jahres-Kontinuität kommen.
Im Kader stehen einige deutsche Leistungsträger wie Kai Hospelt, Christopher Fischer oder Daniar Dshunussow, die zwar bis 2013 noch Vertrag haben, aber schon jetzt von der Konkurrenz heiß umworben sind. Sprechen Sie mit diesen Spielern auch bereits?
Wir haben mit allen noch Verträge für die nächste Saison. Aber selbstverständlich ist es unsere Absicht, unsere Leistungsträger zu halten. Wir haben mittlerweile fünf Nationalspieler, sind einer der wesentlichen Leistungsträger der deutschen Nationalmannschaft. Die Gespräche werden geführt. Wenn man erfolgreich ist, werden eigene Spieler umworben. Aber wir werden alles dafür tun, sie bei uns zu halten.
Auch um jeden Preis?
Natürlich nicht um jeden Preis. Wir sind auch ein wirtschaftlich vernünftig handelnder Klub. Aber für einen Spieler ist im Eishockey-Leben nicht nur das Gehalt entscheidend. Es gibt schließlich auch weiche Faktoren, die für die Spieler in unserem Klub attraktiv sind. Wir haben eine stabile Sponsoren-Struktur, ein gutes Klima in der Mannschaft und Klubführung. Das sind alles Faktoren, die den Spielern über das Thema Gehalt hinaus Sicherheit geben.
Eine wesentliche Personalie ist die des Sportdirektors. Auch Charly Fliegauf hat nur bis 2013 Vertrag und könnte für andere Standorte oder für Verbände interessant sein. Wann gibt es mit ihm Gespräche?
Erst einmal machen wir alle gemeinsam und für Charly Fliegauf als Hauptherausforderung die Kaderplanung für 2012/2013 komplett. Dann werden wir die Gespräche mit ihm führen. Aber es ist auch nicht so, dass wir überhaupt nicht miteinander sprechen. Beide Parteien wissen, dass sie sich gegenseitig schätzen und die Zeichen auf weitere Zusammenarbeit stehen.
Neben Charly Fliegauf sind auch Sie oft für die Deutsche Eishockey-Liga als Verhandlungsführer im Einsatz. Werden Sie das Engagement weiterführen?
Ja. Unser Wort ist mittlerweile gefragt und hat Gewicht. Wir sind ja mal von der DEL-Gesellschafterversammlung ausgeschlossen worden, als wir kein taugliches Stadion nachweisen konnten. Aber inzwischen sind wir in der Liga hoch geschätzt und als stabiler, vernünftiger und erfolgreicher Klub angesehen.
Stichwort Erfolg: Wie sehr wünschen Sie sich den im nächsten Punktspiel in Berlin, wo der EHC zuletzt elfmal in Folge nicht gewinnen konnte?
(Lacht) Es ist nicht überlebenswichtig, aber es täte mal richtig gut. Der Fluch muss irgendwann mal enden. Aber an solch einer Sache muss man – wie auch anderswo im Berufsleben – hart arbeiten.
