Vier für ein EHC-Halleluja in Stockholm
WOLFSBURG Das WM-Casting beginnt – und vier Eishockey-Profis des EHC Wolfsburg sind mittendrin. So läuft es für sie vor dem ersten Test gegen Russland.
Trotz des bitteren Play-off-Aus’ mit dem EHC Wolfsburg in der DEL haben vier Grizzly-Profis noch die Chance, die Eishockey-Saison zu einem guten Ende zu führen. Kai Hospelt, Benedikt Kohl, Christopher Fischer und Sebastian Furchner starten am Samstag mit der deutschen Nationalmannschaft in die heiße Phase der WM-Vorbereitung.
Zum Auftakt der acht Partien umfassenden Testspiel-Wochen trifft das EHC-Quartett von 14.30 Uhr an (live bei Sport 1) in Freiburg auf Rekord-Weltmeister Russland. Am Freitagabend gingen alle vier EHC-Cracks davon aus, im Spieltagskader zu stehen. Fit sind sie jedenfalls und haben auch schon ihren vorläufigen Platz in der Aufstellung von Bundestrainer Jakob Kölliker zugewiesen bekommen. „Ich spiele mit Kai und dem Kölner John Tripp in einer Angriffsreihe“, berichtet Furchner. Der 29-Jährige freut sich auf sein Comeback in der DEB-Auswahl. „Zuletzt hatte ich in der Saison 2008/2009 noch mal gespielt, seitdem nicht mehr“, erinnert er sich.
Furchner könnte sich selbst in diesem Jahr ein schönes Geburtstagsgeschenk bereiten. Am 3. Mai wird er 30 Jahre alt. Einen Tag später beginnt die Weltmeisterschaft in Schweden und Finnland (4. bis 20. Mai). Doch der Außenstürmer hält den Puck flach. „Ich denke nicht an die WM, lasse alles locker auf mich zukommen. Dass ich gern dabei wäre, ist doch klar. Aber außerdem ist meine Frau hochschwanger. Geburtstermin soll am 10.Juni sein. Aber wann genau das Kind kommt, kann ich eh nicht beeinflussen.“
Seine Leistung schon – und das tat er 2011/2012 eindrucksvoll. In der Liga spielte „Furchi“ nach einem zuvor schwächeren Jahr stark auf und erarbeitete sich die Nominierung. „Als ich Köllikers Anruf bekam, dachte ich erst, jemand will mich auf den Arm nehmen.“ Schon im Februar sollte Furchner bei den Tests dabei sein, musste aber wegen einer Erkrankung absagen. Nun hat das Warten ein Ende, und er stürmt wie im Klub neben Center Hospelt.
Dahinter verteidigt Benedikt Kohl zusammen mit dem Kölner Moritz Müller. Nur Fischer gliederte der Bundestrainer aus dem Wolfsburg-Block aus. Das offensivstarke Abwehr-Ass spielt an der Seite des jungen Tim Schüle aus Nürnberg. Fischers Ziel fürs Russland-Match, aber auch für die weiteren Testspiele: „Ich möchte ein zuverlässiger Verteidiger sein.“ Er klingt ein bisschen geläutert, wohl, weil er beim EHC im Play-off-Viertelfinale gegen Straubing eine Matchstrafe kassiert hatte und sein ohnehin dezimiertes Team weiter schwächte. „Ich möchte Fehler vermeiden. Die werden international eiskalt bestraft.“
Der Einstieg in die WM-Vorbereitung fiel ihm nach der Trainingspause „körperlich schwerer als mental“. Vom Kopf her will er frei sein, um den Traum von der WM-Teilnahme endlich zu verwirklichen. Zwei Jahre nacheinander fiel er dem letzten Cut zum Opfer. Schwirrt ihm das nicht mehr im Hinterkopf herum? „Doch, aber nur als zusätzliche Motivation.“
Der Weg nach Stockholm und Helsinki führt Fischer und Co. über acht Testspiele. Sonntag folgt in Ravensburg sofort das zweite Duell mit Russland (Beginn 15.30 Uhr, live auf Sport 1). Die weiteren Termine: 13. und 14. April in Budweis gegen Tschechien, 21. und 22. April in Kassel und Hannover gegen Dänemark sowie beim Slovakia-Cup am 27. April gegen Weißrussland und am 28. April gegen die Slowakei. „Das hat schon Casting-Charakter“, gibt Fischer zu. Und bis auf EHC-Star Hospelt, der seinen Platz im WM-Kader sicher haben sollte, müssen sich die Grizzlys bewähren, wenn sie am 4. Mai zum Auftakt der WM in Stockholm gegen Italien dabeisein wollen.
