Nun stellt sich Pavel Gross vor seine Jungs
Trainer des Eishockey-Erstligisten EHCWolfsburg nimmt sein Team vor Kritik in Schutz und will an seinem "Plan" festhalten
Pavel Gross ist unzufrieden. Für den holprigen Start mit aktuell Platz10 hatte der Trainer des Eishockey-Erstligisten EHC Wolfsburg seine Spieler heftig kritisiert. Vor dem Spiel in München (Freitag, 19.30 Uhr) stellt er sich aber nun schützend vor sein Team.
Während der wöchentlichen Presserunde am Mittwoch sagte Gross: "Wir haben einen Plan, die Mannschaft zu entwickeln. Dass man bei einer Entwicklung Rückschläge erleidet, ist ganz klar." Offenbar haben kritische Medienberichte über das bislang schwache Powerplay (Erfolgsquote unter 10Prozent), die Torflaute unter den Verteidigern (1Treffer) und die bisher zumeist mäßigen Auftritte einiger der zwölf Neuzugänge den Trainer zu dem Schritt bewogen, in der Öffentlichkeit eine Lanze für seine Schützlinge zu brechen.
Rückblickend auf die jüngsten beiden Auftritte mit den Niederlagen gegen Hamburg und in Düsseldorf sagte Gross weiter: "Solche Tage und Wochenenden kommen auch bei anderen Teams vor." Rückschläge seien zumindest dafür gut, aus seinen Fehlern lernen zu können. "Wir wissen, dass wir an unserem Powerplay und unserem Unterzahlspiel arbeiten müssen."
Und an der Disziplin. Weil die in Düsseldorf fehlte, verlor der EHC wegen dummer Strafen nach 3:1-Führung im letzten Drittel noch mit 3:5. Aus dem Grund gab es auch in dieser Woche einigen Gesprächsbedarf bei den Trainern. Gross legt jedoch Wert auf folgende Darstellung: "Wir kommunizieren auf einer guten Basis mit den Jungs. Wir haben alles in ganz lockerer Atmosphäre angesprochen, um die Sachen abzustellen."
Dass das vergangene Null-Punkte-Wochenende auch personelle Konsequenzen hat, schloss Gross nicht aus. Es könne kleinere Umstellungen innerhalb der Formationen geben. Aber: "An unserem Plan wird sich nicht so viel ändern." Gross denkt nicht daran, zuletzt schwache Leistungen mit einem Dauersitzplatz auf der Bank zu sanktionieren, sondern will weiter mit vier Sturmreihen spielen. "Nach einem schlechten Spiel bekommt jeder Spieler die Chance, seinen Fehler zu korrigieren."
Nathan Paetsch hätten die Änderungen voraussichtlich eh nicht betroffen. Der als Top-Verteidiger geholte Kanadier gehört allerdings auch zu den Sorgenkindern, obwohl er die Plus-Minus-Statistik der DEL mit dem Wert +9 anführt. Diese Tabelle stellt das Verhältnis dar, bei wie vielen Toren des eigenen Teams im Verhältnis zu den Treffern des Gegners ein Akteur bei gleicher Spielerzahl auf dem Eis war.
Paetschs Problem: Der EHC erwartet von ihm auch Offensivakzente für das im internen Vergleich hohe Gehalt. Der 28-Jährige brachte es in zehn Spielen jedoch erst auf eine Torvorlage. "Nathan ist mit sich selbst unzufrieden. Aber ich werde ihn nicht in die Ecke stellen. Wir glauben an ihn und wollen ihm helfen", sagte Gross und forderte Geduld. "Nathan war vergangene Saison verletzt, ist noch nicht bei 100Prozent." Hinzu komme das Umgewöhnen an die in Europa größere Eisfläche. "Manche Spieler brauchen halt länger. Wir geben ihm die Zeit." Und mit Nachdruck sagte Gross: "Wir werden nicht auf einzelnen Spielern herumhacken. Ich habe immer gesagt, dass es ein schwieriger Neuaufbau wird."
Der geht mit der München-Partie weiter. Bis auf den in der Reha befindlichen Stürmer Patrick Davis treten am Donnerstag nach dem Mittagessen alle EHC-Profis die Busfahrt nach Bayern an.



