Hospelt: Nicht mit Fingern auf andere zeigen
Wolfsburg Es läuft nicht rund beim EHC Wolfsburg. Gründe dafür und Wege aus der Krise zeigt Kapitän Kai Hospelt auf.
Als Tabellenletzter geht der EHC Wolfsburg in die Länderspielpause der Deutschen Eishockey-Liga. Der Vizemeister von 2011 verzeichnete den schlechtesten Saisonstart seiner Erstliga-Geschichte. Dazu bezieht Kapitän Kai Hospelt Stellung.
Kai Hospelt über …
… den völlig verkorksten Saisonstart: „Wir sind in einer Situation, die nicht gerade vorteilhaft ist. Man kennt das auch von anderen Mannschaften und aus anderen Sportarten: Wenn du unten drin stehst, hast du das Glück auch nicht auf deiner Seite. Das kann keine Entschuldigung sein. Wir müssen weiterarbeiten. Wenn du immer weitermachst, schwingt es um. Wir dürfen nicht verzagen. Wenn man unten steht, fehlt auch das Selbstvertrauen. Aber nichtsdestotrotz: Wir sind alle gute Eishockeyspieler. Wir sind nicht aus Jux und Dollerei in der DEL. Jeder, der hier ist, kann es auch. Da muss man sich gegenseitig helfen. Ich denke, das werden wir machen.“
… ein mögliches Kraftproblem des zurzeit kleinen Kaders angesichts der vielen Verletzten seit Saisonbeginn: „Natürlich ist es anstrengend. Aber es gibt andere Mannschaften, die spielen jedes Jahr so. Wir trainieren deutlich weniger, als wenn wir vier Reihen zur Verfügung hätten. Wir tun viel für die Regeneration. Am Schluss der Spiele konnten wir immer noch hoch- und runterlaufen.“
… die Länderspielpause in der DEL, in der bis auf die zur Nationalmannschaft berufenen Benedikt, Kohl, Benedikt Schopper und er selbst sowie Norm Milley (für Kanada) die EHC-Profis etwas durchatmen können: „Die Pause nehmen wir als Regenerationsphase. Vielleicht kommen ein paar Jungs zurück. Und dann geht es weiter. So lang ist die Pause auch nicht. In den paar freien Tagen reden wir nur begrenzt miteinander. Da muss man auch mal abschalten. Egal, ob es positiv oder negativ läuft. Das braucht man einfach in der Saison. Für uns vier Jungs, die wir zum Deutschland-Cup fahren, ist es auch eine Art von Abschalten. Natürlich sind wir immer noch beim Eishockey, aber in einer anderen Umgebung. Dann kommen wir zurück und müssen mit neuem Saft zur Sache gehen.“
… seine Hoffnung auf eine Wende zum Guten: „Wir haben in der vergangenen Woche nicht gegen Laufkundschaft gespielt. Trotz der Niederlagen gegen Ingolstadt und Berlin habe ich auch da gute Ansätze gesehen. Das müssen wir über 60 Minuten durchziehen, dann wird die Wende auch gelingen.“
… seine bislang eher unbefriedigende persönliche Leistung mit erst 5 Toren und 9 Assists aus 17 Spielen (Plus-Minus-Bilanz: -2): „Die vergangenen fünf, sechs Spiele habe ich mich körperlich gut gefühlt. So, wie ich mich körperlich fühlen muss, damit ich der Mannschaft helfen kann. Ich werde alles dafür tun, dass es so weitergeht. Natürlich ist es schön, wenn mal einer reingeht. Aber lieber wäre mir, dass wir gewinnen würden.
… die Formkrise, die vor allem seinen Sturmpartner Norm Milley (3 Tore, 7 Assists aus 17 Spielen/Plus-Minus-Bilanz: -11) erwischt hat: „Wir spielen schon das fünfte Jahr zusammen. Zwar nicht immer in einer Reihe, aber oft. Wir kennen uns gut. Auch wenn es mal nicht so läuft, reden wir viel miteinander. Es ist nicht einfach, wenn es für die Mannschaft und einen selbst nicht so läuft. Ich denke, ich kann für ,Normi‘ und mich sprechen: Wir wollen der Mannschaft helfen. Wenn es bei uns nicht läuft, ist es dann doppelt bitter. Wir sind keine, die sich aus der Verantwortung rausnehmen, sondern wir wollen vorneweggehen. Das müssen wir noch mehr machen. Wenn ein Tor nicht reicht, müssen wir halt noch mehr schießen.“
… die von Aufsichtsrat und Manager geäußerte Kritik an den Neuzugängen: „Bei uns wird nicht mit Fingern auf andere gezeigt. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen. Wenn Fehler gemacht werden, zeigt es der Trainer auf. Das wissen die Jungs auch selbst. Wir haben schon November. Da gibt es nicht mehr Neuzugänge und Spieler vom alten Kader. Wir sind eine Mannschaft. Wer die Fehler macht, ist egal. Wir müssen sie abstellen.“
… den Vorwurf des fehlenden Teamgeists: „Na gut: Es ist ja klar, dass es leichter ist, einen guten Teamgeist zu haben, wenn du Dritter bist als wenn du Letzter bist. Aber ich denke, man sieht, dass die Spieler sich gegenseitig auf die Schienbeinschoner klopfen und auf der Bank miteinander sprechen. Wir versuchen, nicht auseinanderzufallen. Nur so wird es auch rausgehen aus der Krise. Es wäre das Falsche, nun mit gegenseitigen Schuldzuweisungen anzufangen. Das hat noch keinem geholfen.“
… den Zwiespalt, als Kapitän des EHC in der Krise zum Nationalteam fahren zu müssen: „Auf der einen Seite möchte ich in Wolfsburg sein und mir Gedanken machen, damit wir aus der Scheiße – auf gut deutsch gesagt – rauskommen. Aber auf der anderen Seite ist es auch gar nicht so schlecht, mal ein anderes Umfeld zu haben und sich andere Gedanken machen zu können. Wir vier Jungs werden nun zum Deutschland-Cup fahren und hoffentlich ein gutes Turnier spielen.“
