Gross: Wenn alle zurück sind, wird es besser
Wolfsburg Verletzten-Misere und Heimschwäche begünstigen die Talfahrt – das zeigt Teil 1 der WN-Analyse zur sportlichen Krise des EHC Wolfsburg.
Weniger Punkte hatte der EHC Wolfsburg nach 20 Saisonspielen noch nie in der Deutschen Eishockey-Liga. Magere 20 sind es. Die Grizzlys sind Tabellenvorletzter und stecken in der Krise.
Die Talfahrt des erfolgsverwöhnten jungen DEL-Klubs (7. Erstliga-Saison) hat Gründe. Welche, das zeigt die große, vierteilige WN-Analyse. Heute in Teil 1: die erklärliche Heimschwäche und die unglaubliche Verletzten-Misere.
„Wenn endlich alle zurück sind, wird es besser laufen. Das weiß ich.“ Cheftrainer Pavel Gross kann es kaum erwarten, dass das Jahr 2012 zu Ende geht. Bereits in der abgelaufenen Spielzeit häuften sich die schweren Verletzungen. Die Top-Stürmer Matt Dzieduszycki (Gehirnerschütterung) und Tyler Haskins (Leisten-OP) brauchten zum Beispiel den ganzen Sommer, um fit zu werden. Mittlerweile waren sie schon wieder wochenlang raus.
Aber nicht als Einzige. Vier fehlten schon zum Saisonstart. Armin Wurm (Sprunggelenksbruch) fiel seit Januar aus. Es gab Komplikationen, eine zweite Operation. Nationalspieler Christopher Fischer hatte sich bei der WM eine anfangs unterschätzte Knieverletzung zugezogen, die sich während der Vorbereitung als Knorpelschaden entpuppte. Rückkehr ungewiss. Adäquaten Ersatz gab der Markt um die Zeit nicht mehr her. Zu allem Überfluss verletzten sich auch gleich noch die Neuzugänge Rainer Köttstorfer und Adrian Grygiel.
Nach acht Siegen in den neun Testspielen waren die Erwartungen hoch. Gross warnte damals schon hinter vorgehaltener Hand, dass der schöne Schein ein bisschen trügt. Denn: So manchen EHC-Fehler hatten die Sparringspartner noch unbestraft gelassen. Euphorie herrschte. Das böse Erwachen kam zum Start, der mit vier Pleiten völlig in die Hose ging.
Bis zum 6. Spieltag erhöhte sich die EHC-Ausfall-Liste stetig auf acht Spieler. Prompt folgte eine bittere 0:2-Heimschlappe gegen Augsburg. Zwölf unterschiedliche verletzte Spieler plus zwei Sperren notierten die Grizzlys bis heute. Zudem suspendierten sie Niko Dimitrakos aus Leistungsgründen. Immerhin verpflichteten sie Justin Mercier nach. Ob Fischer und Köttstorfer (Armsehne durchtrennt) in dieser Saison noch spielen, ist ungewiss. Auch Simon Danners (Gehirnerschütterung) Comeback-Termin bleibt offen. Es ist richtig, dass kein anderes DEL-Team solch große Verletzungsprobleme hatte wie der EHC. Gross betont aber auch immer wieder: „Das soll keine Ausrede sein.“ Aber der Fakt ist – wohl – einer der Hauptgründe für den Absturz des Vizemeisters von 2011.
Ein anderer ist die Heimschwäche. Aus dem besten Heimteam der vergangenen Saison (im Schnitt 2,23 Punkte pro Spiel) ist das aktuell schlechteste (0,7) geworden. Nur 3 Siege aus 10 Partien, zweimal in Overtime errungen, stehen zu Buche. Auswärts ist der Schnitt sogar besser geworden (1,30:1,27 Punkte). „Da spielen wir einfacher“, sagt Gross. Stürmer Sebastian Furchner bestätigt das: „Zu Hause wollen wir zu schön spielen. Zuletzt gegen Nürnberg beim 2:1 haben wir es erstmals besser hingekriegt und gleich drei Punkte geholt.“ Das war wichtig, findet Sportdirektor Charly Fliegauf: „Denn je öfter man verliert, desto mehr gehen die Köpfe runter.“
• Lesen Sie morgen im 2. Teil: Ein Kreativitäts- oder Motivationsproblem? Warum es beim zuvor treffsichersten DEL-Team in der Offensive nicht läuft.

