Fliegauf: Ich habe den Job schon besser gemacht
Wolfsburg Mit der unglücklichen Kaderplanung beschäftigt sich der 4. und letzte Teil der WN-Analyse der EHC-Krise. Manager und Trainer sind selbstkritisch.
Der EHC Wolfsburg will am Freitag in München den nächsten Schritt raus aus der Krise machen. Noch aber steckt der Eishockey-Erstligist mittendrin. Platz 13 nach 20 Spielen ist indiskutabel für die Grizzlys, aber auch eine Folge der Kaderplanung. So selbstkritisch sind die Verantwortlichen, wie sie im vierten und letzten Teil unserer Krisen-Analyse einräumen.
13 Spieler verpflichtete der EHC vor dieser Saison und wollte verstärkt auf deutsche Spieler setzen. Im Vorgriff auf die weitergehende Reduzierung der Ausländerplätze. Pech, dass sich mit Adrian Grygiel und dem seit dem 4. Spieltag fehlenden Simon Danner zwei hoffnungsvolle Neuzugänge gleich verletzten. Nur Alexander Polaczek (20 Spiele, 4 Tore, 8 Assists/-2) erfüllte bisher die Erwartungen weitgehend. Auch Torwart Sebastian Vogl ist eine Verstärkung im Vergleich zur Saison 2011/12, als Lukas Lang (8 Einsätze) fast nur Sparringspartner war.
Die ausländischen Neuzugänge indes konnten die abgewanderten Importspieler noch nicht gleichwertig ersetzen. Allenfalls Verteidiger Aaron Brocklehurst deutete sein Offensiv-Potenzial (4 Tore, 11 Assists) bereits an. Dafür offenbarte er nach hinten Schwächen. Besonders vermisst wird Rechtsaußen John Laliberte (0,92 Scorerpunkte pro Spiel/Plus-Minus-Bilanz +29 nach 52 Spielen). Die Lücke konnte Greg Moore (0,55/-3) noch nicht schließen. Verteidiger Sean Blanchard ist allenfalls Mittelmaß. Und Center Niko Dimitrakos hat der EHC aus Leistungsgründen suspendiert und nach Hause geschickt. Die Transferpolitik ging bisher nicht auf.
„Ich habe den Job schon besser gemacht. Ich habe nicht das Optimale rausgeholt. Dazu stehe ich auch“, sagt Geschäftsführer Sport, Charly Fliegauf. Zugegeben: Aufgrund von vielen Verletzungen hinkt der Vergleich zur Vorsaison etwas. Aber offenbar verfügen einige Profis nicht ausreichend über die fürs EHC-System nötigen Tugenden Kampf, Einsatz und Disziplin. Jedenfalls sagen das die Verantwortlichen. „Einige sind etwas anfällig für den ,Easy-going-Weg’“, wie es Fliegauf ausdrückt. Dimitrakos musste deswegen gehen. Auch, „weil sich einige davon leicht beeinflussen ließen“.
Nach der Suspendierung lobten Manager und Trainer die Einsatzbereitschaft wieder mehrfach. War Dimitrakos ein Problem fürs Team? „Nein“, sagt Stürmer Sebastian Furchner, „in der Kabine hat es immer gestimmt. Aber wenn die Verantwortlichen so etwas ausmachen, müssen sie reagieren.“
Das haben sie, und zwar gemeinsam. Trotz der sportlichen Misere stimmt die Chemie zwischen Manager Fliegauf, Chefcoach Pavel Gross und Co-Trainer Mike Pellegrims. Fliegauf möchte mit dem Duo verlängern, aber die Tabellensituation ist derzeit ungeeignet dafür. Er hofft inständig auf die Wende und stärkt den Trainern den Rücken: „Ich sehe es nach wie vor so, dass wir die richtigen Leute haben.“
Künftig soll beim EHC die Arbeiter-Mentalität noch mehr zählen als eh schon. Zu Lasten der individuellen Klasse der Spieler. Denn: „In der DEL geht es nur noch über den Kampf“, sagt Fliegauf. „Wer glaubt, dass Meister Berlin nur Eishockey spielt, der irrt. Da wird auch hart gearbeitet“, ergänzt Gross und gibt sich ebenfalls selbstkritisch: „Es ist kein Zufall, wo wir in der Tabelle stehen. Dafür übernehme ich die Verantwortung. Wir reden nichts schön, sondern arbeiten an Lösungen.“
Die Geschlossenheit der Klub-Führung ist aktuell die größte Stärke des EHC. Fliegauf, Gross, Pellegrims und über allen Aufsichtsratschef Detlef Wittig treten nach außen geschlossen und unaufgeregt auf. Davon profitieren auch die Spieler, wie Furchner bestätigt: „Konstruktive Kritik muss sein. Aber wenn wir uns selbst zerfleischen, ist das der Anfang vom Ende.“ Stattdessen gilt: Gemeinsam raus aus der Krise!
