Fischer möchte Alavaara beerben
EHC-Nationalspieler will Verantwortung an blauer Linie übernehmen und Verteidiger-Torflaute beenden
Christopher Fischer ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Der Verteidiger des EHC Wolfsburg spricht über die aktuellen Probleme.
Christopher Fischer kam vor zwei Jahren als Rohdiamant nach Wolfsburg. Hier schliffen ihn die Trainer zum National- und Führungsspieler des Eishockey-Erstligisten EHC. Nun kündigt er an, die Verteidiger-Torflaute beenden zu wollen.
Nach Jan-Axel Alavaaras Weggang im Sommer fehlt dem EHC bislang ein knallhart und präzise schießender Blueliner. Folge: In den ersten acht Saisonspielen gingen die Abwehrspieler der Grizzlys leer aus. Im Powerplay fehlt der Druck von der blauen Linie. Alavaara war vergangene Spielzeit für elf Tore gut. Vermissen Sie den "alten Schweden", Herr Fischer?
"Axel war bei uns ein überragender Spieler, und ich vermisse ihn schon. Aber ich würde gern seine Rolle übernehmen", sagt Fischer. Zwei Jahre verteidigte der 23-Jährige an der Seite des 13Jahre älteren Alavaara. Nun möchte Fischer den nächsten Schritt setzen. "Deshalb bin ich froh, dass Axel nicht mehr da ist. Vergangene Saison habe ich öfters gedacht: Seine Rolle hätte ich gern."
Mit sechs Torvorlagen avancierte Fischer zum bislang mit Abstand gefährlichsten EHC-Verteidiger. Was fehlt denn noch zum ersten Saisontor? "Chancen sind da. Es ist nicht so, dass wir keine Tore schießen wollen. Wir müssen häufiger schießen. Im letzten Spiel bin ich im Powerplay nur einmal zum Schuss gekommen", berichtet Fischer.
Aber die Abwehrspieler können es nicht allein schaffen. "Es soll keine Ausrede und auch kein Vorwurf an die Stürmer sein – aber sie müssen auch vors Tor gehen und dem Torwart die Sicht nehmen. Dann gehen die Dinger bald auch wieder rein oder wir bekommen nach Abprallern Nachschüsse."
Dass es der EHC im Powerplay (3Tore aus 27Situationen) noch nicht krachen lässt, liege auch an mangelhaftem Zweikampf-Verhalten. "Wenn wir die Scheibe tief in die gegnerische Zone bringen, gewinnen wir zu selten die Zweikämpfe. Wir müssen nicht nur besser, sondern auch härter spielen."
Die bisher schwankenden Leistungen der Grizzlys sorgten für ungewöhnlich harsche und laute Töne im Allerpark. Cheftrainer Pavel Gross haute in den ersten vier Wochen schon mehrfach donnernd auf den Tisch. Zu recht? "Es liegt viel an der Einstellung. Das will er uns einflößen. Wir haben schon bewiesen, dass wir gut spielen können. Aber wir spielen noch nicht konstant. Weder von Spiel zu Spiel, noch von Drittel zu Drittel", zeigt sich Fischer einsichtig.
Die Team-Stimmung habe trotz der Trainer-Schelte nicht gelitten. "Wir unternehmen auch abseits des Eises viel mit der Mannschaft. Das passt", versichert Fischer. Ist es dann vielleicht ein Mangel an Erfahrung, der die Leistungen der stark verjüngten Mannschaft schwanken lässt? "Das denke ich nicht. Wir haben mit Colin Beardsmore und Matt Dzieduszycki zwei sehr erfahrene Spieler dazubekommen. Auch jemand wie Benedikt Kohl, der mit Augsburg Vizemeister war, besitzt viel Erfahrung."
Am Freitag (19.05Uhr, Eis-Arena) im Heimspiel gegen Hamburg können sich die Grizzlys fürs jüngste 0:4 in Krefeld rehabilitieren. Und wer schießt endlich das erste Verteidiger-Tor? "Am liebsten ich, aber im Prinzip ist es egal. Hauptsache, wir fangen langsam an damit."
