Ein Kandidat „für 20 Scorerpunkte“
Wolfsburg Eishockey-Profi Adrian Grygiel versucht nach der Nürnberger Pleitensaison einen Neuanfang beim EHC Wolfsburg
Nur zwei Klubs in zwölf DEL-Jahren – das ist besonders. Im schnelllebigen Eishockey-Geschäft ist Adrian Grygiel eine wohltuende Ausnahme. Der EHC Wolfsburg ist nach Krefeld und Nürnberg erst seine dritte Station.
Der 28-Jährige bezeichnet sich als Familienmensch. Klar, dass Ehefrau Steffi und die zweijährige Tochter Lilly zur Stippvisite in die neue Wahlheimat mitkamen. Während der Papa im VfL-Leistungszentrum auf dem Fahrrad-Ergometer saß, tollte die Kleine in der benachbarten Ringer-Halle auf den Weichboden-Matten umher. Unter den wachsamen Augen der Mama.
Grygiel ist froh, dass er in Wolfsburg eine neue Chance erhält. Die abgelaufene Spielzeit mit Nürnberg verlief frustrierend. Nach nur wenigen Wochen verloren die Ice Tigers den Anschluss ans Mittelfeld, landeten im Tabellenkeller. Schnell war klar, die Play-offs sind unerreichbar. „Wenn man gleich zu Beginn zu viele Punkte liegen lässt, kommt man unten nicht mehr raus“, sagt er. „Das war die schwerste Saison meiner Profi-Karriere.“ Die Franken wurden abgeschlagen Vorletzter.
Auch persönlich lief es nicht für den in Polen geborenen Rechtsaußen. 3 Tore und 8 Assists waren eine seiner schwächsten Saisonbilanzen in der DEL. Allerdings konnte er auch nur 38 von 52 Saisonspielen absolvieren. Grund: eine Verletzung. „Ich hatte mir im Knie einen Teilabriss des Innenbandes zugezogen, musste sieben Wochen pausieren.“
Dass es zum Schluss in Nürnberg kriselte, erleichterte Grygiel den Schritt zu den Grizzlys. „Wenn wir erfolgreich gewesen wären, wäre es mir deutlich schwerer gefallen. Aber so hielt mich nicht mehr viel.“ Von seiner neuen Herausforderung hat er klare Vorstellungen: „Ich möchte auf jeden Fall Play-offs spielen. Schließlich ist das die schönste Eishockey-Zeit. Mit Wolfsburg habe ich dazu gute Möglichkeiten. Der EHC ist nun schon über einige Jahre eine Top-Mannschaft.“
Zweimal stand Grygiel schon im Finale, einmal hielt er den Pott bereits in Händen. 2002/2003 avancierte er mit den Krefeld Pinguinen zum Überraschungsmeister. Im Finale bezwangen sie die favorisierten Kölner Haie mit 3:2 Siegen. Vier Jahre später war Grygiel mit Nürnberg gegen die Adler Mannheim beim 0:3 so gut wie chancenlos. Seitdem war für ihn immer spätestens im Viertelfinale Schluss.
Das sollte beim Rechtsschützen im neuen Team neue Motivation auslösen, hofft jedenfalls Pavel Gross. Der Cheftrainer des EHC sieht bei Grygiel Potenzial für 10 Tore oder insgesamt 20 Scorerpunkte pro Saison. Aber auch, oder vor allem, die Unterzahl-Fähigkeiten seines neuen Schützlings schätzt Gross. „Adrian ist ein Rollenspieler“, lobt er. Was im Eishockey-Jargon bedeutet, dass Grygiel die ihm zugeteilten Aufgaben klaglos annimmt und im Sinne und zum Wohle der Mannschaft löst. Zudem ist er schnell unterwegs. Gross: „Ein guter Skater.“ Der sich vielleicht auch wieder ins Blickfeld des Bundestrainers spielt. 2010/2011 schoss er in drei Länderspielen immerhin noch drei Tore.
