EHC denkt über Mentalcoach nach
Wolfsburg Alles nur Kopfsache? Der EHC Wolfsburg erwägt die Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer, aber noch nicht jetzt.
Brauchen die Profis des Eishockey-Erstligisten EHC Wolfsburg einen Mentaltrainer, um die sportliche Krise zu beenden? Jein, sagt Pavel Gross. Der Trainer des DEL-Schlusslichtes hält eine solche Maßnahme für gut, den Zeitpunkt aber für ungeeignet.
„Ich habe es als Co-Trainer von Frankfurt zweimal miterlebt, wie der Einsatz eines Mentaltrainers in der laufenden Saison voll nach hinten losging“, erklärt Gross seine aktuelle Zurückhaltung. Prinzipiell steht er der Sache aber positiv gegenüber. „22 Prozent aller Krankheiten sind psychisch bedingt, wie die Krankenkassen-Statistiken belegen. Heutzutage herrscht in allen Berufen viel Druck, alles geht schneller.“ Burnouts und andere psychische Erkrankungen seien keine Seltenheit.
Für die neue Saison kann sich Gross eine Zusammenarbeit offenbar vorstellen. „So etwas muss man am Saisonanfang starten, sodass der Mentaltrainer gleich drei, vier Tage bei der Mannschaft ist, um alle kennen zu lernen. Auch uns Trainer, schließlich muss er auch mit uns zusammenarbeiten“, sagt Gross. Aktuell rät er davon ab. Grund: Das Auftauchen eines Mentaltrainers könne bei den Spielern falsch ankommen und sie erst recht verunsichern.
Vorerst also müssen die Grizzlys ohne einen „Kopf-Doktor“ auskommen. Das heißt, nicht ganz. „Ich weiß, dass fünf, sechs Spieler aus der Mannschaft auf die Dienste eines eigenen Mentaltrainers zurückgreifen“, berichtet Gross. Von zwei Liga-Konkurrenten weiß der Chefcoach auch, dass dort Mentaltrainer zum Betreuerstab gehören. „Mannheim und Berlin haben einen. Bei den Eisbären ist das Markus Flemming.“ Mit dem ehemaligen Eishockey-Torwart haben Gross und sein Co-Trainer Mike Pellegrimms Mitte der 90er-Jahre in Mannheim zusammengespielt.
Möglich, dass Flemming in der neuen Saison auch Klienten in Wolfsburg bekommt. Aber unabhängig von der Person: „Man kann keinen Spieler dazu zwingen. Das muss alles freiwillig sein. Einige Spieler nutzen einen Mentaltrainer, andere eben nicht.“
In der laufenden Spielzeit wollen und müssen die Grizzlys allein sportlich aus der Krise kommen, um die Play-offs doch noch zu erreichen. Und vom Gelingen ist Gross überzeugt. „Ich habe bereits gelesen, dass von ,Durchhalteparolen’ und ,Hoffnung’ geschrieben wird, wenn wir uns dazu äußern. Wir hoffen aber nicht auf die Wende, sondern wir glauben fest daran. Das sind nicht bloß Parolen.“
Personell sieht es vor den Spielen in Augsburg (Freitag, 19.30 Uhr) und gegen Iserlohn (Sonntag, 16.30 Uhr, Eis-Arena) gut aus. Wie zuletzt stehen Gross 19 Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung. Erneute Änderungen im Angriff schließt der Trainer nicht aus. Denn: „Wir müssen endlich eine Sturmreihe finden, die funktioniert.“



