Dshunussow oder Vogl? Alles spricht für Beide
Wolfsburg EHC-Trainer Pavel Gross avanciert in der Torwartfrage zum Gralshüter. Sein Prinzip ist aber klar, mit Ausnahme der Ausnahmen…
Alle personellen Fragen fürs Heimspiel des Eishockey-Erstligisten EHC Wolfsburg gegen Köln (Freitag, 19.30 Uhr) sind beantwortet, nur eine erneut nicht: Wer spielt im Tor? Trainer Pavel Gross’ neue Taktik: Der Torwart ist geheime Kommandosache.
Seit dem EHC-Wiederaufstieg in die DEL 2007 war es üblich, dass die Trainer spätestens Donnerstag ihre Entscheidung öffentlich machten. Vor dieser Saison gab es bei Gross offenbar ein Umdenken. Er teilt seine Entscheidung zwar noch den Torhütern einen Tag vor dem Match mit. Ansonsten aber vergattert er alle Spieler zur Verschwiegenheit gegenüber Medien und Dritten.
Grund: Er möchte der Konkurrenz keine Möglichkeit geben, sich im Vorfeld im Training gezielt auf den jeweiligen Keeper einzustellen. Spätestens 45 Minuten vor Spielbeginn erhalten die Gegner die Mannschaftsaufstellung ausgehändigt, in manchen DEL-Stadien auch schon mal früher. Dann läuft das Warmmachen der Teams noch.
„Platzhirsch“ Daniar Dshunussow oder Neuzugang Sebastian Vogl? Gross blieb gestern hart, setzte das Pokerface auf: „Kein Kommentar.“ Sein Hauptkriterium: „Leistung wird belohnt.“ Ein Aspekt, der nach dem Auftakt-Wochenende für Vogl spricht. Der kassierte am Freitag in Hamburg beim 2:4 drei Gegentore (ein „empy-net-goal“), erhielt hinterher Lob von Gross. Sonntag saß er im Heimspiel gegen Krefeld trotzdem nur auf der Bank, Dshunussow spielte und kassierte fünf Gegentore beim 4:5. Bisweilen machte er keine glückliche Figur. Logische Schlussfolgerung nach dem Grossschen Leistungsprinzip: Vogl spielt.
Wenn der Trainer nicht noch ein paar Ausnahmen definiert hätte… „Manchmal hat es auch etwas mit den Gegnern, Stadien oder der Vergangenheit des Torwarts zu tun“, schränkt Gross sein Prinzip ein. Freitag-Gegner Köln zählte zuletzt zu Dshunussows Lieblingsgegnern. 10 von 12 möglichen Punkten holten die Grizzlys vergangene Saison mit ihm im Tor gegen die Haie. Den ersten seiner sieben Shut-outs (Spiel ohne Gegentor) feierte „Dshuni“ markanterweise am dritten Spieltag zu Hause beim 3:0-Sieg gegen Köln. Wenn das mal nicht am dritten Spieltag dieser Spielzeit zu Hause gegen Köln ein gewichtiges Argument für Dshunussows Einsatz ist…
Die Torwartfrage muss korrekterweise lauten: Gegenwart oder Vergangenheit – was wiegt diesmal mehr?



