„Budget bleibt in oberer Mittelklasse“
Wolfsburg Wie ist der EHC Wolfsburg für die nahe Zukunft wirtschaftlich aufgestellt? Diese Frage beantwortet Aufsichtsratsboss Detlef Wittig im WN-Interview.
Nicht nur sportlich hat Detlef Wittig klare Vorstellungen für den Eishockey-Erstligisten EHC Wolfsburg, wie er jüngst darlegte. Im zweiten Teil des Interviews sprach WN-Sportredakteur Christian Buchler mit dem 69-jährigen Aufsichtsratsboss der Grizzlys übers Sponsoring und Marketing des Klubs.
Herr Wittig, Sie haben in der Vergangenheit immer angemerkt, dass auch die wirtschaftliche Seite stimmen muss. Sie haben die Unternehmen der Region auch regelmäßig zu Unterstützung aufgefordert. Wie ist die aktuelle Lage beim EHC?
Auf der einen Seite haben wir nach wie vor eine einseitige Sponsorenstruktur mit VW und Skoda. Auf der anderen Seite hatten wir auch befürchtet, dass im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise vielen unserer weiteren lokalen Sponsoren der Atem ausgehen könnte. Das hat sich nicht bestätigt. Wir haben die Anzahl und Wertigkeit, auch wenn es ein paar Veränderungen gab, halten und sogar ein bisschen ausbauen können. Das ist positiv. Nur wir müssen immer wieder sagen, wir haben keine breite Sponsorenschaft wie andere Klubs in der Liga. Damit dürfen wir uns nicht abfinden, aber erst einmal müssen wir sehen, dass wir unsere vorhandene Sponsorenschaft halten und dann sukzessive ausbauen. Die beiden Hauptsponsoren Skoda und VW werden jedoch weiter den Großteil des Budgets beisteuern.
Wie ist bei den beiden Hauptsponsoren die Einstellung zum Eishockey? Welche Signale haben Sie für die nächsten Jahre empfangen?
Ich denke, dass wir weiter positiv zusammen sind. Für Skoda ist es ein Thema, als Eishockey-Generalsponsor überall erstklassig dabeizusein. Wenn der EHC in Deutschland weiter so erfolgreich ist, wie er sich derzeit zeigt, dann ist das für Skoda unter dem wirtschaftlichen Sponsoren-Aspekt sowie für die Bekanntheits- und Imagebildung positiv. Deswegen wird Skoda weitermachen. Wir sind auch gut aufeinander abgestimmt. Auf der Volkswagen-Seite ist es ebenfalls so, dass man die Leistung sieht und dass wir Volkswagen alle Ehre machen. Wichtig ist auch, dass wir zum einen für uns hier in Wolfsburg und die weitere Region nicht nur Fußball, sondern noch eine weitere Sportart haben, die erstklassigen und erfolgreichen Sport bietet. Und das ist zum anderen auch positiv für Volkswagen.
Gehen Sie davon aus, dass das Budget konstant bleibt? Oder ist mit Veränderungen nach unten oder sogar nach oben zu rechnen?
Wir müssen sehen, wohin im Eishockeysport die Reise in der Liga, aber auch in Europa geht. Wir sind nicht ganz frei von den Einflüssen, die in Europa herrschen. Wenn andere Eishockey-Ligen in der Schweiz, in Schweden oder in Russland viel höhere Gehälter zahlen, dann müssen wir in Deutschland ganz generell aufpassen, dass wir nicht abrutschen. Wir befinden uns in puncto Budget bekanntlich in der oberen Mittelklasse in der DEL. Aber Mittel-, nicht Spitzenklasse. Das werden wir so beibehalten. Wir haben das über die Jahre ganz gut halten können, haben den Etat etwas ausgebaut. Und nun schauen wir, welche Erfordernisse nötig sind, damit wir auch weiter für uns, für die Region und für unsere beiden Hauptsponsoren Erstklassigkeit gewährleisten können.
In der jüngeren Vergangenheit hat der EHC auch das Personal in der Geschäftsstelle aufgestockt. Im Bereich Medienbetreuung und allgemeine Organisation kam im Sommer eine Stelle hinzu. Wie ist der EHC in dem Bereich aufgestellt? Ist mit einem weiteren Ausbau zu rechnen?
Wir sind sicherlich auch in der Administration ein sparsamer Klub. Aber besonders wenn die Ressourcen knapp sind, ist die Effizienz besser und höher als im umgekehrten Fall. Trotzdem haben wir uns auf einigen Gebieten verbessert. Das hat sich vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit sehr gut entwickelt. Wir sind im administrativen Bereich auch sehr gut unterwegs. Wir haben noch den einen oder anderen Bereich, den wir ausbauen wollen und werden. Das hat mit der Öffentlichkeitsarbeit und dem Vermarkten zu tun. Denn: Wir müssen sehen, dass wir stärker in den an Wolfsburg grenzenden südlichen Raum mit Braunschweig und Wolfenbüttel hineinkommen müssen. Die Attraktivität und Leistung, die wir bringen, müssen wir auch dort vermarkten können. Und wir müssen die Nachwuchsförderung – auch aus Verpflichtung zur DEL – voranbringen.
Für die Nachwuchsförderung soll zum 1.August ein zusätzlicher hauptamtlicher Trainer eingestellt werden. Ist auch im Marketing mit einer Personalaufstockung zu rechnen?
Bei der Nachwuchsförderung müssen wir bedenken, dass wir die nicht selbst machen, sondern dass sie beim Gesamtverein EHC angesiedelt ist. Dort werden wir sicher unterstützen und helfen, um mit lizenzierten Trainern noch besser aufgestellt zu sein. Aber auch in der internen Struktur werden wir uns anschauen, wie wir uns verstärken können.
