Spaß ja, Druck manchmal, Stress nein

Wolfsburg  Er soll die Grizzly-Bärchen zu Bären formen: Roland Flöss, der neue Nachwuchskoordinator des EHC Wolfsburg.

EHC-Nachwuchskoordinator Roland Flöss.

Foto: Mottl/regios24

EHC-Nachwuchskoordinator Roland Flöss. Foto: Mottl/regios24

Den Rückstand auf die etablierten Eishockey-Talentschmieden Deutschlands verkürzen – so lautet Roland Flöss’ Vorgabe beim EHC Wolfsburg. Der 42-jährige Bayer ist der erste hauptamtliche Grizzly-Nachwuchskoordinator.

Im Eishockey-Entwicklungsbundesland Niedersachsen erwartet den Ex-Profi eine schwierige Aufgabe. Im Vergleich zu seiner bayrischen Heimat fristet der Kufensport hier ein Nischen-Dasein. Wenn die besten Jugendteams der Republik um Titel kämpfen, spielen norddeutsche Vereine allenfalls eine Nebenrolle. Wie er den Vorsprung der Konkurrenz verkürzen und die Basis der Grizzlys für die Zukunft aufbauen will, verrät Flöss im WN-Gespräch.

Roland Flöss über ...

… seinen Wechsel nach Wolfsburg: „EHC-Torwarttrainer Siggi Harrer ist in Rosenheim mein Nachbar und Vermieter. Er machte mich darauf aufmerksam, dass die Grizzlys einen Nachwuchskoordinator suchten. Ich bewarb mich. In einem persönlichen Gespräch in Wolfsburg legte ich meine Vorstellungen dar. Dann bekam ich den Job.“

… seinen ersten Eindruck von Klub, EHC-Teams und Stadt: „Ich bin sehr nett aufgenommen worden. Der Verein ist gut aufgestellt, hat für jedes Team einen Trainer. Aber es ist – wie bei den meisten Klubs – noch viel Luft nach oben. Wolfsburg gefällt mir gut. Dass es keine Berge wie daheim gibt, ist nicht schlimm. Manchmal engen sie nur den Horizont ein.“

… seine neuen Aufgaben: „Ich trainiere das Schülerteam selbst und stehe bei den anderen Mannschaften als Co-Trainer mit auf dem Eis. Zusammen mit den anderen Trainern arbeite ich Jahreskonzepte aus. Und ich koordiniere Projekte mit Schulen und Kindergärten, um Kinder fürs Eishockey zu begeistern.“

… seine Arbeitsweise und seinen Führungsstil: „Ich bin hier, um die Linie vorzugeben. Es kann sein, dass nicht jeder gleich einverstanden mit meinen Vorgaben ist. Aber wir wollen doch alle das Gleiche: Gute Spieler hervorbringen. Ich versuche, alle von meinem Konzept zu überzeugen. Ich schaue mir die Trainings an und gebe ganz grob eine Richtung vor. Wenn die lautet 50 Prozent Laufen, 30 Prozent Stocktechnik und 20 Prozent Spiel, dann hat jeder Trainer viel Gestaltungsraum. Mit mir kann man über alles diskutieren. Nur weil ich hauptamtlich angestellt bin, heißt das nicht, dass ich alles besser kann als andere.“

… seine Ausbildungsphilosophie: „Jeden Spieler individuell stark machen, so trainieren, dass er Systeme flexibel spielen kann, und ihn lehren, Eishockey zu leben. Dazu gehören richtige Ernährung, zehn von zwölf Monaten im Jahr zu trainieren, auch im Sommer, und als Jugendlicher auch mal aufs Nachtleben zu verzichten. Ich will Spaß vermitteln, damit die Spieler dabeibleiben. Vor allem für die Jüngsten darf Eishockey kein Stress sein. Ganz ohne Druck geht es aber nicht. Wir sagen in Bayern: Koaner reißt si vo selber an Arsch auf.“

… seine Spielphilosophie: „Der erste Pass nach vorne, Druck aufs gegnerische Tor, jeder muss flexibel jede Position einnehmen können. Ich habe mir das Training von Profi-Trainer Pavel Gross angeschaut: Wir haben sehr ähnliche Vorstellungen.“

… die Ziele mit dem EHC: „Mit den Schülern wollen wir in die Bundesliga aufsteigen. Es muss aber nicht im ersten Jahr klappen. Mit der Forderung würden wir uns unnötig unter Druck setzen. Auch mit den Knaben wollen wir mittelfristig um die Meisterschaft spielen. Es wird jedoch vier bis sechs Jahre dauern, einen Spieler herauszubringen, der den Sprung in die DEL schafft. Das wissen die Verantwortlichen.“

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