„0:7 bitterster Moment der Saison“

Wolfsburg  Die Eishockey-Saison 2011/2012 aus der Sicht eines Profis: Verteidiger Benedikt Kohl vom EHC Wolfsburg lässt die Zeit Revue passieren.

Mäßig begonnen, stark entwickelt, aber in den Play-offs ganz schwach – die Eishockey-Saison 2011/12 war eine Achterbahnfahrt für den EHC Wolfsburg. Exklusiv in den WN blickt Grizzly-Verteidiger Benedikt Kohl auf die vergangenen neun Monate zurück.

Nach dem Play-off-Aus saß die ganze Mannschaft enttäuscht in der Kabine in Straubing. Obwohl wir nur 15 Feldspieler zur Verfügung hatten, hatten wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Alle kämpften noch einmal, gaben alles. Das war auch daran zu sehen, dass wir 1:0 in Führung gingen. Aber wieder gerieten wir in eine 3:5-Unterzahl und kassierten den Ausgleich. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf, und wir verloren noch 3:7. Ich weiß nicht, ob das Viertelfinale anders gelaufen wäre, wenn wir komplett gewesen wären und nicht so viele Verletzte gehabt hätten. Dass wir in nur vier Spielen ausgeschieden sind, haben wir uns selbst zuzuschreiben.

Eine Analyse der Gründe habe ich so kurz nach dem Ausscheiden noch nicht gemacht. Aber ich denke nicht, dass die 0:5-Niederlage in Hannover zum Hauptrunden-Abschluss etwas mit unserem schlechten Abschneiden im Viertelfinale zu tun hatte. Wir waren alle heiß auf die Play-offs. Allerdings haben alle von uns erwartet, dass wir das erste Spiel gegen Straubing gewinnen. Nach der 1:2-Heimniederlage war schon Enttäuschung da. Das machte es nicht leichter für uns. Vor zwei Jahren war ich mit Augsburg Vizemeister geworden. Da hatten wir im Viertelfinale sogar Hauptrunden-Meister Berlin ausgeschaltet. Aber das war anders. Damals hatte niemand Großes von uns erwartet.

Die Straubinger spielten wirklich sehr gut, das müssen wir anerkennen. Das 0:7 auswärts im zweiten Viertelfinal-Spiel war für mich der schlimmste Moment der Saison. Dabei hatten wir gewusst, dass es schwer ist, in Straubing zu spielen. Trotzdem gingen wir positiv in die folgenden beiden Begegnungen und glaubten bis zum Schluss an uns. Als es Mittwochabend vorbei war, kamen unsere Trainer Pavel Gross und Mike Pellegrims und Sportdirektor Charly Fliegauf in die Kabine und bedankten sich für die insgesamt geleistete Arbeit. Sie sagten uns, dass wir trotz der Play-off-Pleite eine gute Saison gespielt haben.

Nun müssen wir nach vorne schauen. Im August geht es von vorn los. Ich hoffe, dass ich eine Einladung zur Nationalmannschaft bekomme und im Mai mit zur Weltmeisterschaft nach Finnland und Schweden darf. Zuvor aber verabschieden wir uns am Sonntag bei der Saisonabschlussfeier von unseren Fans. Auch wir Spieler werden bestimmt noch zusammen mit unseren Frauen und Familien etwas unternehmen. Ich habe meinen Wechsel nach Wolfsburg nicht bereut.

Lesen Sie in Teil 2: Kohls Ankunft in Wolfsburg – wie sich der Bayer im Flachland einlebte.

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