Ein Leben mit Donald Duck

Region  Mein perfektes Wochenende: Donaldist Uwe Wackerhagen erforscht die berühmteste Ente der Welt - und bringt ein Stück Entenhausen in unsere Region.

Uwe Wackerhagen vor einem Teil seiner Comic-Sammlung von.

Foto: Thorsten Grunow

Uwe Wackerhagen vor einem Teil seiner Comic-Sammlung von. Foto: Thorsten Grunow

Wer den Braunschweiger Elektromeister Uwe Wackerhagen besucht, kommt an seinem Hobby nicht vorbei. Überall an den Wänden hängen Poster und Bilder mit dem Konterfei von Donald Duck, in einer Vitrine stapeln sich Figuren des Enterichs in allen Größen, und den Bettbezug schmücken dessen Neffen Tick, Trick und Track. „Donald ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden“, sagt der 58-Jährige.

Wackerhagen ist dabei nicht nur ein einfacher Comic-Liebhaber oder Sammler, sondern vielmehr bekennender Donaldist und damit auch Mitglied in der „D.O.N.A.L.D.“, der „Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus“, die 1977 in Hamburg gegründet wurde.

Donaldisten beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit der Erforschung der Familie Duck und des Entenhausener Universums, das wesentlich vom amerikanischen Zeichner Carl Barks geschaffen und beeinflusst wurde. Rund 850 Donaldisten gibt es in Deutschland. Wackerhagen ist seit 1994 dabei und gründete 2001 die Braunschweiger Sektion. „Ich habe ein Rundschreiben losgeschickt. Am ersten Abend waren wir zu viert. Drei von uns sind auch heute noch dabei.“

Bis zu 20 Leute finden sich zu den Braunschweiger Stammtischen ein. „Die Treffen machen diebisch viel Spaß. Alles ist locker und ungezwungen“, sagt Wackerhagen. Eine Anwesenheitspflicht gibt es nicht. Wer dabei ist, kann sich aber einem Ritual nicht entziehen. „Wir schmettern voller Inbrunst unsere Hymne. Da werden wir von den anderen Gästen schon mal etwas komisch angeguckt.“

An fragende Blicke sind Donaldisten aus ihrem Freundeskreis gewöhnt, wenn die Sprache auf ihr Hobby kommt. „Aber mittlerweile ist es etabliert und wird auch toleriert“, sagt Wackerhagen, der seine Frau und seine beiden Kinder mit seiner Leidenschaft aber nicht so ganz anstecken konnte. „Aber ich habe das Glück, dass meine Frau mich fast allen Quatsch machen lässt.“

Selbst wenn dafür die Wochenenden draufgehen. Neben den regionalen Stammtischen gibt es drei wichtige Termine für alle Donaldisten. Die Zwischenzeremonie im Herbst ist ein eher lockeres Zusammentreffen, beim Mai-Rennen sind die Mitglieder dagegen auch schon mal körperlich gefordert, etwa bei einer Fußgänger-Rallye. „Da müssen donaldistische Aufgaben gelöst werden, die sich an den Barks-Geschichten orientieren“, sagt Wackerhagen. Höhepunkt ist der jährliche Kongress Anfang April. Dort stellen die Donaldisten ihre neuesten Forschungsergebnisse vor. Dafür gibt es dann ganz im Comic-Stil keinen lauten Applaus, sondern „Klatsch, Klatsch, Klatsch“-Rufe.

Die Mitgliederstruktur der Donaldisten ist dabei so bunt wie die Geschichten aus dem Enten-Universum. „Vom einfachen Arbeiter, über den Steuerbeamten bis hin zum Professor ist bei uns alles dabei“, sagt der Elektromeister. Meist führt der Beruf auch zu den Forschungsgebieten, mit denen sich die Donaldisten beschäftigen, an den Wochenenden, an denen sie sich nicht mit Gleichgesinnten treffen. So hat etwa Wackerhagen in seiner ersten Forschungsarbeit, die auch im Zentralorgan „Der Donaldist“ veröffentlicht wurde, herausgefunden, welche Netzspannung in Entenhausen herrscht. Inspiriert wird er dabei vom Alltag: „Entenhausen ist überall. Man muss nur genau hinschauen.“

Grundlagen für die Forschungen sind die Barks-Geschichten, mit denen Wackerhagen erstmals als Kind in Berührung kam. „Das erste Heft von ‚Die tollsten Geschichten von Donald Duck‘ hat mir 1965 einen völlig verregneten Urlaub in den Alpen gerettet. Das war mein Schlüsselerlebnis.“ Die Leidenschaft für Donald war geboren, mit Micky Maus kann Wackerhagen dagegen gar nichts anfangen. „Die Maus ist langweilig. Donald ist der ewige Verlierer, steht aber immer wieder auf. Das tröstet mich manchmal.“

Sein Hobby möchte Wackerhagen, der nach einem Jahr als Präsidente der „D.O.N.A.L.D.“ sofort zur Ehrenpräsidente ernannt wurde, nicht mehr missen. „Ich bin Donaldist, und das ist auch gut so. Ich komme an Orte in Deutschland, die ich sonst nie kennengelernt hätte, und habe viele neue interessante Freunde gefunden. Ich ziehe daraus so viel Energie. Danach sind die Batterien wieder aufgeladen.“

Barks, Fuchs und die Donaldisten-Welt in Braunschweig

Die Helden der Donaldisten sind, neben Donald Duck natürlich, Carl Barks (links) und Erika Fuchs . Barks (1901-2000) ist der bekannteste Entenzeichner, erfand Figuren wie Dagobert Duck und gab der Stadt der Enten den Namen Duckburg.

Für den deutschsprachigen Raum machte die Kunsthistorikerin Fuchs (1906-2005) daraus Entenhausen. Sie übersetzte von 1951 bis 1988 die Disney-Comics und wurde vor allem wegen ihrer abgewandelten Zitate wie „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ und der lautmalerischen Einbindung von Verben wie „stöhn“ oder „ächz“ populär.

Die Barks-Geschichten erscheinen in den Publikationen des Ehapa-Verlags, von dessen Micky-Maus-Magazin im Juni die 3000. Ausgabe erschienen ist.

Die Braunschweiger Donaldisten treffen sich alle zwei Monate im Restaurant Apo in der Celler Straße. Weitere Informationen gibt es unter der Mailadresse uwe@wackerhagen.de .

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