Paare sollen sich in diesem Wohnzimmer das Ja-Wort geben

Baddeckenstedt  Mitglieder des Geschichts- und Kulturvereins im Innerstetal bauen ehrenamtlich Teil der Alten Schule Baddeckenstedt zu einer Heimatstube um.

Die Männer von das Baustelle Heimatstube (von links) Peter Zotzmann, Manfred Eisebitt, Hermann Mahnkop und Karl Heinz Scholz.

Foto: Thomas Saalfeld

Die Männer von das Baustelle Heimatstube (von links) Peter Zotzmann, Manfred Eisebitt, Hermann Mahnkop und Karl Heinz Scholz. Foto: Thomas Saalfeld

Nahezu jeden Samstag von 9 bis mindestens 12 Uhr sägen, stemmen, hämmern und bohren vier bis fünf unermüdliche Helfer in der Alten Schule, An der Kirchstraße 4. Hier soll die Baddeckenstedter Heimatstube entstehen.

Unweit der Kirche sind keineswegs Heinzelmännchen am Werk, sondern Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte und Kultur im Innerstetal. Seit knapp drei Jahren arbeiten Manfred Eisebitt, Peter Zotzmann, Hermann Mahnkop, Erich Schütz und Ortsheimatpfleger Karl Heinz Scholz, damit möglichst im April, aber zumindest im nächsten Sommer das kleine Heimatmuseum eröffnet werden kann.

260 Jahre alt werden das Nebengebäude und die frühere Schule, die beide am 11. Januar 1753 ein Opfer der Flammen wurden. Laut Kirchenschriften war im Kuhstall das Feuer ausgebrochen und hatte sich so schnell ausgebreitet, dass der Schulmeister nichts von seinen Habseligkeiten retten konnte. Die Freude der Kinder währte nicht lange. Wie die Jahreszahl im Holzbalken des künftigen Museums belegt, wurden die Fachwerkhäuser noch 1753 wieder aufgebaut.

Direkt vor den Festtagen erfüllten sich die Mitglieder des Heimatvereins einen Weihnachtswunsch. Zimmermeister Ole Trojak baute eine Eichenholztreppe vom Erd- zum Obergeschoss ein. „Eiche ist ein heimisches Holz und passt ideal in die Heimatstube“, sagt Peter Schaab. Der Bauingenieur unterstützt die Bauarbeiten auch, indem er jeden Samstag den ehrenamtlichen Handwerkern vom Heimatverein ein paar belegte Brötchen vorbeibringt. Und Karin Lampe versorgt die Bautruppe mit Kuchen.

„So wollen wir auch später gemütlich zusammensitzen und singen oder Lesungen veranstalten“, blickt Karl-Heinz Scholz in die Zukunft. Aber seine Vision sieht gar vor, dass in der künftig wie ein Wohnzimmer aus der wilhelminischen Zeit um 1900 eingerichteten Heimatstube die Standesbeamten der Samtgemeinde Trauungen vornehmen.

Scholz: „Wir wollen hier ein Klavier aufstellen und haben gerade ein altes, rotes Sofa erhalten, dass bestimmt 100 Jahre auf dem Federkern hat.“ Der Ortsheimatpfleger will einen alten Holztisch aus seinen Beständen spendieren, so dass die künftigen Tischrunden gesichert scheinen.

Grundstück und Haus gehören der Kirchengemeinde. Hier hat das Bau-Quintett rund 1250 ehrenamtliche Stunden geleistet und für rund 27 000 Euro, die dank Landkreis, der der Gemeindekasse sowie durch Spenden zusammenkamen, Material verbaut. Zusätzlich zu den 60 Quadratmetern im Erdgeschoss kommen noch rund 90 im Ober- und Dachgeschoss.

Zu dieser Heimatstube wurde Scholz inspiriert, als er das Pendant hierzu bei seinem Ortsheimatpflegerkollegen Sigurd Baltin in Burgdorf entdeckte. „Karl Heinz Scholz ist unser Motor, ohne ihn hätten wir die Bauarbeiten nicht begonnen“, versichert Hermann Mahnkop.

„Ich hoffe, dass aus unserer Heimatstube ein Trauzimmer und ein Treffpunkt wird. Obendrein wünschen wir uns, dass auch die jüngere Generation sich hierfür interessiert und durch Besuche zeigt, dass wir auch sie erreichen.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort