Zum Abschied gab es rohes Rindfleisch

Sehlde  Stammtischrunde „Die Montagsmaler“ liebte deftige Kost und löste sich nach 37 Jahren auf, auch weil der Gasthof schließt.

Stieß nach 37 Jahren zum letzten Male gemeinsam an: der Sehlder Stammtisch „Die Montagsmaler“ .

Foto: Thomas Saalfeld

Stieß nach 37 Jahren zum letzten Male gemeinsam an: der Sehlder Stammtisch „Die Montagsmaler“ . Foto: Thomas Saalfeld

Die sogenannten Sehlder Montagsmaler legten nach 37 Jahren Messer, Gabel und Bierglas aus der Hand. Diesen Namen hatte Albert Jahnsch dem Stammtisch seines Nachbarn Rolf Bollmeier gegeben. „Wer am Wochenende noch nicht genug gefeiert hat, der muss halt auch am Montag los“, erzählt Peter Spötter, der auch ohne offiziellen Posten den Hut in dieser Gruppe auf hatte.

Zum letzten Male traf sich am vorigen Montag diese Stammtischrunde an der Hubertusstraße. Hermann und Liesel Crome schließen ihr Gasthaus am 31. Dezember aus Altersgründen. Es hat sich, wie so oft, kein Nachfolger gefunden. „Damit endet leider auch ein Stück Tradition und Dorfgeschichte“, beklagt Wolfgang Sittig.

„Allerdings ist dieser Kreis auf einen festen Kern von nur noch fünf, sechs Mitgliedern geschrumpft“, sagt Reinhard Päsler. Mit 59 Jahren ist er der Benjamin der Runde, deren Senior Helmut Düerkop bereits seinen 85. Geburtstag gefeiert hat. Stammtischmitglied Frido Wolkenhauer erholt sich derzeit von einer Operation, Gustav Niemeyer und Bernd Nobel sind gestorben.

Hans-Hermann Meyer, der trotz seines Umzuges nach Nordfriesland und später Bad Bevensen dem Stammtisch die Treue hielt: „Es ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören, ehe uns das Alter dazu zwingt.“ Quasi als Henkersmahlzeit gab es ein gut angehangenes Stück rohes Rindfleisch auf Brot, „Schieres“genannt. Hierzu wurde wird Hermann Crome eingeladen.

Und zum Abschluss gegen 23 Uhr wurde das gemeinsame Sparschwein geschlachtet. Dessen Inhalte finanzierten in der Vergangenheit Wochenend-Reisen mit den jeweiligen Partnerinnen an den Müritzsee, in den Harz, nach Sylt, nach Brandenburg oder Prag.

„Wir haben Witze erzählt, stets gut gegessen, getrunken sowie über Gott und die Welt diskutiert“, erinnert sich Jürgen Schätzel an die Montage am Stammtisch. Da gab es meist Deftiges wie Schweinpfötchen, ein Lamm oder Schweineschwarten mit Mett . Allein vier Mitglieder der Gruppe saßen für unterschiedliche Parteien im Samtgemeinde- und Gemeinderat. Päsler versichert: „Es wurde aber nie gestritten.“

„Wir waren eine Institution im Ort“, sagt Spötter. Seine Runde habe so manche Flasche Schinkenhäger geleert und einige Gäste gehabt. Ungefragt hätte sich aber niemand an den runden Stammtisch mit dem Wimpel gesetzt. Spötter: „Der Abschied fällt uns schwer. Nach 37 Jahren ist reichlich Wehmut dabei, doch auch montags werde ich keine Langeweile haben.

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