Zeuge sollte zur nächtlichen Fahrt schweigen

Salzgitter  Beim Prozess zum Todesfall im Kleingartenverein in Salzgitter sieht der Angeklagte seine vier Töchter vor Gericht wieder. Doch die sagen nicht aus.

Dem Angeklagten werden im Gerichtssaal in Braunschweig am Dienstag die Handfesseln abgenommen.

Foto: Bernward Comes

Dem Angeklagten werden im Gerichtssaal in Braunschweig am Dienstag die Handfesseln abgenommen. Foto: Bernward Comes

Der 47-jährige Salzgitteraner, der im August seine Ex-Freundin in einer Gebhardshagener Kleingartenvereinslaube erschlagen haben soll, traf gestern vor dem Landgericht Braunschweig seine vier Töchter wieder. Er hat sie nicht angesehen.

Die Töchter, zwischen 16 und 25 Jahre alt, wollten sich indes nicht mehr zu den Geschehnissen am Wochenende 11. und 12. August äußern. Auch ihre bisherigen Aussagen sollen demnach nicht verwendet werden. Ebenso will seine geschiedene Frau, 53 Jahre alt, keine Angaben machen. Sie machen vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Doch die drei Freunde der Töchter gaben Auskunft. „Er war hilfsbereit, ich habe ihn nie gewalttätig erlebt“, sagte einer. In der fraglichen Nacht sollte er den Angeklagten und eine seiner Töchter (21) aus Gebhardshagen abholen, da kein Bus mehr fuhr.

Er startete etwa gegen halb eins, lud die beiden ein, und der Angeklagte kaufte in einem Schnellrestaurant noch mehrere Hamburger. „Er war ruhig“, schilderte der junge Mann die damalige Gemütslage des Angeklagten. Der Zeuge brachte die beiden zu der geschiedenen Frau und fuhr heim, um dort mit der Freundin einen Film um 1.50 Uhr zu schauen.

Der Angeklagte, der ihn zum ersten Mal um solch eine Hilfe gebeten hätte, habe ihn mehrfach aufgefordert, nicht über die nächtliche Fahrt zu sprechen. Auch am nächsten Tag noch, als der Zeuge ihn zunächst zu dessen Wohnung, wo er sich eine frische Hose besorgen wollte, und später, gegen halb zwölf, nach Gebhardshagen brachte. Nein, sagte er auf die Frage des Gerichts, er habe nicht gefragt, was der Angeklagte nachts in Gebhardshagen gewollt habe und auch nicht, warum er als Fahrer nicht darüber reden sollte. „Ich habe mir keine Gedanken gemacht“, sagte er, „aber es kam ein bisschen komisch rüber.“

Am Sonntag früh habe der Angeklagte dann seine Schuhe über der Badewanne gesäubert, schilderte er seine Beobachtung. Weiter habe der Angeklagte seiner Tochter 550 Euro gegeben, für die Stromrechnung, weil er kein Konto besaß. Es sollte sich dabei um seinen Arbeitslohn handeln. „Das hat er früher auch schon gemacht“, wusste der Zeuge zu berichten. Er widersprach heftig, als der Nebenklage-Anwalt ihm aus seiner ersten Vernehmung vorlas, in der er gesagt haben sollte, der Angeklagte habe „geprügelt“. „Ich mochte ihn“, sagte der Freund einer weiteren Tochter, der ebenfalls als Zeuge aussagte. Er beschrieb den Angeklagten als freundlich, hilfsbereit und nett.

Der Freund der Tochter, die mit dem Angeklagten Samstagacht in Gebhardshagen war, schilderte seine Beziehung zum Angeklagten dagegen als distanziert. Er hatte ihn in einer Vernehmung als „respektlos und beleidigend“ beschrieben, las der Vorsitzende Richter vor. Gegen 23 Uhr oder 23.30 Uhr sei der Angeklagte am Samstag gekommen, um 0.25 Uhr sei die Freundin mit dem Vater wieder losgefahren, sagte er.

Der Angeklagte habe „irgendwelche Sachen aus dem Garten“ holen wollen. Seine Freundin habe dann aber vor dem Tor warten müssen. Sie seien zwischen 2 und 3 Uhr zurückgekehrt. Mit Hamburgern.

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