„Stadt soll mit Tierheim kommunizieren“

Salzgitter  Wie wichtig ist eine Kastrationspflicht für frei lebende Katzen? Salzgitters Politiker sind sich nicht einig.

Eine Katze im Tierheim in Salzgitter-Bad. Sie sucht, wie viele andere Katzen auch, ein neues Zuhause.

Foto: Bernward Comes

Eine Katze im Tierheim in Salzgitter-Bad. Sie sucht, wie viele andere Katzen auch, ein neues Zuhause. Foto: Bernward Comes

Deutliche Worte findet Marcel Bürger in der Debatte um eine Kastrationspflicht für frei lebende Katzen und damit einhergehend eine Markierungspflicht für diese Tiere sowie für Hauskatzen, die sich draußen aufhalten. „Ich erwarte, dass die Verwaltung mit dem Tierheim kommuniziert“, lässt der Grünen-Politiker verlauten. „Vielleicht kann dann ja doch noch eine Lösung gefunden werden.“

Wie berichtet, hält die Stadt die Einführung einer Kastrationspflicht für wild lebende Katzen für unnötig. Salzgitter habe kein Katzenproblem, heißt es. Der Tierarzt des Tierheims, Dr. Thomas Laube, verweist dagegen auf etwa 1000 frei lebende Tiere. Die Katzen seien mit sieben Monaten geschlechtsreif und hätten zwei bis drei Würfe pro Jahr mit maximal sieben Welpen je Wurf. Im Schnitt sei mit 10 bis 20 Welpen pro Katze und Jahr zu rechnen. Daher fordert er, die frei lebenden Katzen zu kastrieren, solange die Population noch überschaubar sei. Je mehr Katzen es gebe, desto größer seien die Gefahren für Mensch und Tier, sagt Laube: angefangen beim erhöhten Risiko von Verkehrsunfällen, über die Gefährdung der Vogelwelt bis hin zur Übertragung von Parasiten, Pilzen, Katzenschnupfen-Viren oder dem sogenannten Katzen-Aids.

Einen erneuten Anlauf mit einem entsprechenden Ratsantrag sieht Berndt Roick (Linke) fürs nächste Jahr. Die Linken hatten das Thema ins Rollen gebracht, zunächst allein, dann mit den Grünen. Bisher sind alle Anträge gescheitert. Roick betont die Wichtigkeit der Kastrationspflicht. Die Katzenschutzgruppe des Tierschutzvereins fange bereits seit zehn Jahren wild lebende Katzen, um sie kastrieren zu lassen. Damit solle die Population klein gehalten werden. Allerdings sei dies fürs Tierheim weder personell noch finanziell zu bewerkstelligen.

Auch Peter Kozlik (MBS) ist überzeugt: „Wenn sich ein Tierarzt schon so äußert, dann unterstützen wir das.“ Er betont, es sei richtig, „dass das jetzt weiter durchgefochten wird“. Denn die Katzen hätten sich inzwischen erheblich vermehrt.

Noch nicht diskutiert habe die SPD die neue Lage, lässt Peter Ramacher verlauten. Nun stünden zwei konträre Meinungen im Raum: die der Verwaltung und die des Tierarztes. „Ich verstehe die Probleme des Tierschutzvereins“, sagt Ramacher. Der entscheidende Punkt sei aber: „Es ist klar geregelt, für was das Tierheim zuständig ist: Das sind die Fundtiere.“ Dennoch könne er den Tierschutzgedanken, der hinter dem Fangen und Kastrieren stehe, nachvollziehen. Ramacher gibt aber zu bedenken: Würden die Katzen alle kastriert, müsste die Stadt das Geld zur Verfügung stellen. „Wo soll das herkommen?“, fragt er. „Letztlich müsste das der Bürger über Steuergelder bezahlen. Und die Freigänger müssten zwangsgechipt werden, damit nicht die falsche Katze kastriert wird.“ Auf eine dann anfallende hohe fünfstellige Summe verweisen auch die CDU/FDP. „Unter diesen Umständen und angesichts der städtischen Kassenlage halten wir eine derartige Ausgabe zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für notwendig“, teilt Rolf Stratmann mit. Zudem habe die Verwaltung ja dargelegt, dass die Katzenpopulation „kein gravierendes Problem“ darstelle. Einwohnerbeschwerden seien ebenfalls nicht verzeichnet worden.

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