Wenn das Zuhause für Senioren wieder wohnbar wird

Lebenstedt  Elvira Brills konnte altersbedingt ihre Dusche nicht mehr richtig nutzen. Jetzt erhielt sie Hilfe von ihrem Vermieter und der Caritas.

Elvira Brills ist zufrieden. Ihr Vermieter hat ihr Bad auf ihre Bedürfnisse angepasst.

Foto: Bernward Comes

Elvira Brills ist zufrieden. Ihr Vermieter hat ihr Bad auf ihre Bedürfnisse angepasst. Foto: Bernward Comes

Elvira Brills ist jetzt glücklich, sagt sie. Endlich kann sich die 97-Jährige wieder richtig waschen. Ihr Vermieter hat ihr Badezimmer Seniorengerechter gestaltet. Ein entgegenkommen, welches nicht selbstverständlich sei.

„Sie glauben gar nicht, wie unangenehm es sein kann, wenn man sich nicht mehr richtig waschen kann“, erzählt sie. Die 97-Jährige wohnt bereits seit 62 Jahren in der Mietwohnung nahe der Lebenstedter Innenstadt. „Diese Häuser wurden damals schnell hochgezogen“, sagt sie. Inzwischen seien die Gebäude alt.

Wie viele andere ältere Mieter des Wohnungsunternehmens „meine-SZitty“, hatte Brills einen Brief erhalten. In diesem wurde ihr ein unverbindliches Beratungsgespräch angeboten. Das Unternehmen will, gemeinsam mit der Caritas, ermitteln, wie die Wohnungen der älteren Mieter besser auf deren Bedürfnisse angepasst werden könnten. „Wir haben bislang 660 Mieter über 79 Jahren angeschrieben“, sagt der Leiter des Immobilienmanagements des Unternehmens, Claudius Oleszak. Oft seien es nur Kleinigkeiten, die gemacht werden müssten. „Manchmal reicht es schon, eine Balkontürschwelle zu entfernen“, sagt er.

Oder der Einbau einer ebenerdigen Dusche, wie bei Brills. „Ich habe mich fast ein Jahr nicht mehr duschen können“, sagt die 97-Jährige. Sie habe ihr Bein einfach nicht mehr richtig über den hohen Rand der alten Duschwanne heben können. Auch das Waschbecken sei ihr zu hoch gewesen, meint sie.

Sie lebe gerne in ihrer Wohnung, sagt die 97-Jährige. Ein Umzug komme für sie vorerst nicht infrage und so habe sie das Angebot wahrgenommen. „Auch wenn ich erst einmal telefonieren musste, ging es doch schließlich schnell“, sagt die rüstige Frau. Nach Angaben des Unternehmens habe sie mit 28 weiteren Mietern zu den Ersten in diesem Projekt gehört. „Alle haben wir binnen drei Monaten abgearbeitet“, sagt „meineSZitty“-Sprecher Günter Ott.

Dass der Vermieter aktiv auf die älteren Mieter zu geht, sei in Deutschland bislang einzigartig, so der Sprecher. Zumal die Anpassung der Wohnung ohne Mieterhöhung erfolgen soll. „Viele wollen das nicht glauben“, sagt Stefanie Huke von der Caritas. Sie besucht die Mieter, um sich ein Bild von der Lebenssituation zu machen.

„Meist sind es einfach nette Gespräche“, sagt sie. Sie interessiere sich dabei für die Menschen, deren Wohnung und die Lebensumstände. Dabei würden die Möglichkeiten – Was kann der Person in ihrem Alltag helfen? – schnell deutlich. „Wir führen dann ein Beratungsgespräch und erläutern diese Möglichkeiten. „Betrifft es Baumaßnahmen, ist ‚meineSZitty‘ dafür verantwortlich“, sagt Huke. Für Haltegriffe und Toilettensitze sei dagegen die Krankenkasse zuständig. „Eine Einstufung in eine Pflegestufe ist aber nicht notwendig“, sagt sie. Diese ermögliche bei Bedarf jedoch weitere Anschaffungen, wie Rollatoren.

Bei Brills hat ihr Vermieter nicht nur die Dusche umgebaut, sondern auch das Waschbecken tiefer gehängt und einen Toilettensitz beschafft. „Der Sitz war ursprünglich nicht vorgesehen“, sagt Ott. Doch bei einer Begehung habe sich gezeigt, dass dieser doch notwendig gewesen sei, um ihr das Aufstehen zu erleichtern. Alles in allem habe der Umbau 6500 Euro gekostet, so Ott.

Elvira Brills ist zufrieden. „Endlich kann ich mich wieder richtig waschen“, sagt sie.

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