Django Asül kommt nach Salzgitter

Salzgitter-Bad  Der niederbayerische Kabarettist freut sich auf seinen Auftritt am Donnerstag in der ausverkauften Kniki.

Der niederbayerische Kabarettist Django Asül stellt sein Programm „Paradigma“ in der Kniki vor.

Foto: Veranstalter

Der niederbayerische Kabarettist Django Asül stellt sein Programm „Paradigma“ in der Kniki vor. Foto: Veranstalter

Bekannt geworden ist er durch seinen niederbayerischen Zungenschlag. Heute gastiert Kabarettist Django Asül auf Einladung der Kleinkunstbühne mit seinem aktuellen Programm „Paradigma“ in der Kniestedter Kirche. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Mit dem 40-jährigen gebürtigen Deggendorfer türkischer Abstammung sprach SZ-Redakteurin Alexandra Ritter.

Ihr neues Programm heißt „Paradigma“. Erklären Sie den Titel.

Im Prinzip heißt das bloß: Sicht auf die Dinge. Es geht darum, dass wir im Moment unsere Sicht auf sehr viele Dinge ändern müssen. Zum einen, was das Große betrifft: unsere Sicht auf Europa und diese ganze schöne Gaudi mit Euro und EU. Es geht darum, was das im Alltag bedeutet, wie die Leute das sehen. Und es geht um Solidarität und grenzenlose Solidarität, die großen Schlagwörter des dritten Jahrtausends. Zum anderen geht es um meine persönliche Perspektive: Ich bin ja jetzt Deutscher und musste damit meine Sicht auf die Dinge radikal ändern.

Das ist das Stichwort: 2011 haben Sie Ihren türkischen Pass zurückgegeben…

Das ist nicht ganz richtig: Um deutscher Staatsbürger zu werden, ist Bedingung, dass die türkische Seite zuerst die Staatsbürgerschaft auflöst.

Eine doppelte Staatsbürgerschaft dürfen Sie nicht haben?

Nicht als Türke. Die Türken, die sich einen deutschen Pass holen und einen türkischen haben, sind illegal. Wenn das auffliegt, riskieren sie, dass ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wird.

Hat Ihr Herz geblutet, als Sie die türkische Staatsbürgerschaft aufgegeben haben?

Nein! Für mich ist die Staatsbürgerschaft per se immer eine formale Geschichte. Und bei mir kommt hinzu, dass ich nicht nur in Niederbayern geboren bin, sondern zu mindestens 80 Prozent niederbayerisch sozialisiert wurde. Die naheliegendste Lösung wäre daher eigentlich ein bayerischer Pass gewesen. Aber es dauert ja noch bis zum Zusammenbruch des Euro und bis sich Bayern abnabelt. Und bis diese zwei Jahre rum sind … da habe ich mir gesagt, dann hole ich mir eben mal einen deutschen Pass.

Sie warten also tatsächlich auf einen bayerischen Pass…

Ja. Im Sommer kam schon von CSU-Präsidiumsmitglied Wilfried Scharnagl das Buch „Bayern kann es auch allein“ raus. Ein Seehofer treibt die Kanzlerin vor sich her … Also von daher … Es geht ja nur darum, bereits vollendete Tatsachen auch in formaler Hinsicht zu schaffen.

Sie sind als Botschafter Niederbayerns unterwegs, das Bayerische hat sehr starken Einfluss auf Ihre Programme. Haben Sie das gewählt, um sich von anderen Künstlern abzuheben, oder resultiert das aus dem Stolz, ein Niederbayer zu sein?

Nee, Stolz wäre sowieso nicht angebracht. Man kann sich ja nicht aussuchen, wo man auf die Welt kommt und was für ein Umfeld man hat. In dem Fall ist es eher freudige Dankbarkeit, weil vieles, was andere sogenannte Migrantenkinder erleben mussten, an mir völlig vorbeiging. Ich habe nie gemerkt, dass ich quasi ein Kind von Einwanderern bin. Drum würde ich sagen, die bayerische Prägung meiner Programme ist gar nicht so groß. Das kommt den Leuten aufgrund der Sprache nur so vor. Im jetzigen Programm rede ich nur mal kurz über Bayern. Allein der Umstand, dass ich seit meinen Anfängen, also seit gut 15 Jahren, schon immer von Österreich, Schweiz bis Kiel spiele, zeigt, dass ich großen Spaß daran habe, Land und Leute kennenzulernen. Es ist nicht so, dass ich mir wie ein Fremdkörper vorkomme, wenn ich in Niedersachsen bin.

Spüren Sie einen Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands, wenn Sie auf der Bühne stehen? Gerade auch, wenn man bedenkt, dass Ihre Sprache sehr vom bayerischen Dialekt geprägt ist…

Es hat im Norden immer hingehauen. Das mag auch damit zu tun haben, dass mir die Leute zu Recht oder zu Unrecht eine gewisse Qualität unterstellen. In Salzgitter trete ich nun das erste Mal auf. Ich dachte, da kommen ein paar Leute … Und dann war ich bass erstaunt, dass die Veranstaltung ausverkauft ist. Wobei mir mein Freund Wolfgang Dremmler*, der ja ein Aushängeschild Salzgitters ist, vor kurzem bei einer meiner Veranstaltungen in der Nähe von München prophezeit hat: Pass auf, Salzgitter, meine Heimatstadt, wird dich nicht im Stich lassen. Er hat recht behalten. Daran sieht man aber auch, wie stark Bayern von Salzgitteranern positiv beeinflusst wurde. Allein wenn man Dremmler als langjährigen FC-Bayern-Spieler nimmt, dann war er Chefscout, jetzt ist er Leiter der FC-Bayern-Nachwuchsabteilung. Oder – auch ein Bekannter von mir – Werner Widuckel, geboren in Salzgitter, erst Audi-Personalvorstand, jetzt Wirtschaftsexperte von Christian Ude im Wahlkampf. Man sieht also, dass es eine sehr starke Achse Salzgitter-Bayern gibt.

Und – bezogen auf Sie – Salzgitter hat einen sehr hohen Anteil von Bürgern mit türkischen Wurzeln…

Von denen werde ich in meinem Publikum keinen sehen … Übers Jahr gerechnet, wenn ich mal türkischen Hintergrund zugrunde legen dürfte, dürfte sich das bei 0,7 Prozent einpegeln. Aber ich will ja eh, dass die Leute kommen, die sich dafür interessieren. Egal, welche Wurzeln sie haben. Ich sehe Salzgitter als persönlichen Ausflug und eine besondere Erfahrung für mich. Salzgitter ist ja nicht irgendeine Stadt. Wenn man bedenkt, dass Salzgitter schon in der Eiszeit ein Naherholungsgebiet für Mammutjäger war … Heinrich der Löwe hat sich sein Wochenendhaus gebaut … Gut, das wurde dann gleich eine Burg, aber damals war die Eigenheimzulage auch noch ein bissel höher. Dann kommt hinzu, dass ich eine sehr starke Verbindung zu VW habe. Konzernchef Winterkorn ist ein guter Freund von mir. Deshalb weiß ich, dass Salzgitter auch für VW eine große Rolle spielt. Ich habe auch einen sehr guten Draht zu MAN. Und, das muss man in der aktuellen Diskussion unbedingt erwähnen, Salzgitter ist ja eine der wenigen Städte mit mehr als 110 Einwohnern, wo es noch einen CDU-Oberbürgermeister gibt …

Woher wissen Sie, dass Salzgitter einen CDU-Oberbürgermeister hat?

Das ist Grundwissen. Wer sowas nicht weiß, der läuft im Leben blind auf dem Holzweg dahin.

Sonst fragen die Leute: Wo liegt Salzgitter…

Viele meinen vor allem, es gibt da nur die Salzgitter AG. Dabei ist Salzgitter ein Hort deutscher Ingenieurskunst. Blaupunkt sei da auch noch erwähnt.

Jetzt punkten Sie in unserer Stadt aber richtig…

Schauen Sie, es macht ja keinen Sinn, irgendwohin zu gehen, wo es einem egal ist. Wenn ich irgendwo hingehe, dann als Überzeugungstäter. Ich hatte damit gerechnet, dass maximal 100 Zuschauer kommen, jetzt sind wir ausverkauft. Und ich gehe davon aus, dass wir bald auch einen Zusatztermin verkünden werden, vielleicht für nächstes Jahr. Es scheint für mich in Salzgitter auf Anhieb prächtig anzulaufen. Wenn Salzgitter schon im Vorfeld auf mich so reagiert, dann wäre es ja Banausentum und eine Ignoranz höchsten Grades, wenn ich denken würde, mir ist egal, was Salzgitter ist und was da so los ist.

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* Wolfgang Dremmler war Fußball-Nationalspieler und nahm an der WM 1982 teil.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Salzgitter-Zeitung am Donnerstag.

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