„Für diese Hunde ist das eine Sache auf Leben und Tod“

Lengede  Eine tierische Salamitaktik wenden die ungarischen Hunde an. Einer nach dem anderen macht sich beliebt. Man möchte am liebsten alle mitnehmen.

Bei einigen der Tiere, oft Mischungen aus diversen Rassen, wäre das auch erwünscht. Hof und Haus von Cornelia Wienhold sind eine offizielle Pflegestelle des Vereins Fantelgarten. Der kümmert sich um die Rettung von Hunden in Ungarn. Die sollen an neue Besitzer in Deutschland vermittelt werden.

Ähnliche Organisationen gibt es beispielsweise für Hunde in Griechenland oder Spanien. In diversen Ländern Europas gibt es das Problem herrenloser Hunde. Das Verhältnis der Menschen, die selbst Alltagssorgen haben, zu den Tieren ist ein anderes als in Deutschland. Manchmal greift der Staat ein und ordnet Tötungen der Hunde an.

„Den Hunden in Tierheimen in Deutschland geht es relativ gut“, stellt Cornelia Wienhold fest. Für viele, die einen Hund haben wollen, sei das Tierheim die erste Anlaufadresse. Das soll auch so bleiben, betont Frauke Heinze, die ihre Hündin Iwa über Fantelgarten vermittelt bekam. Anni, der kleine Wusel von Cornelia Wienhold, wurde einst in Spanien in einer Mülltonne gefunden – und gerettet.

Der Verein Fantelgarten mit Sitz in München sucht in Deutschland weitere Pflegestellen, die Hunde aus Ungarn zur Vermittlung aufnehmen. „Das ist auch eine gute Gelegenheit zu testen, ob man mit einem Hund klar kommt“, sagt Cornelia Wienhold. Sie berichtet mit einem Schmunzeln von „Pflegestellen-Versagern“. Das seien Menschen, die den zur Pflege aufgenommenen Hund am Ende selbst behalten.

Die Pflegestellenleiter bekämen eine Beratung und Unterstützung, zum Beispiel durch die Hundeschule Vechelde. Eine weitere Pflegestelle gebe es in Salzgitter-Lichtenberg.

In der Basis des Vereins vor Ort in Ungarn warten Tiere darauf, nach Deutschland in Pflegestellen oder gleich in ein Zuhause zu kommen. Dort wird es immer kälter, deswegen bittet Fantelgarten auch um Spenden alter Decken. Am 11. November soll der nächste Transport nach Deutschland starten – aber nur für die Hunde, auf die mindestens eine Pflegestelle zur Vermittlung wartet.

Stellt sich die Frage: Muss man noch Hunde aus Ungarn nach Deutschland holen? „Die sind ja schon auf der Welt, man gibt die ja nicht in Auftrag“, entgegnet Frauke Heinze. „Und für diese Hunde ist das eine Sache auf Leben und Tod“, ergänzt Cornelia Wienhold.

Der unkontrollierten Vermehrung in Ungarn oder anderen Ländern stehe in Deutschland teilweise die übertriebene Zucht von Rassehunden gegenüber – „nur, um damit Geld zu machen.“

Umsonst werden die Hunde von Fantelgarten auch nicht vermittelt. 300 Euro kostet es. Die Kosten des Vereins, der die tierärztlichen Untersuchungen und Behandlungen übernimmt, deckt das allerdings nicht. Für das Futter kommen in der Regel die Leiter der jeweiligen Pflegestellen auf.

„Man rettet nicht die Welt, aber einen Hund“, hat Frauke Heinze für sich festgelegt. Cornelia Wienhold räumt ein, dass sich ohne Aufklärung die Situation in Ungarn nicht ändert. „Aber entweder wir machen etwas, oder wir lassen es sein!“

Den schlimmsten Job hätten ohnehin die Vereinsvertreter, die vor Ort entscheiden müssten, welche Hunde vor der Tötung bewahrt werden können und welche nicht.

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