Salzgitter bekommt keine zweite Gesamtschule

Salzgitter  Elternbefragung: Nur 46,7 Prozent wollten die IGS. Der Oberbürgermeister sagt: Die gesetzlichen Vorgaben sind nicht erfüllt worden.

Schüler büffeln in der Realschule Salzgitter-Bad. Dort sahen Politiker bereits die zweite IGS.

Foto: Bernward Comes

Schüler büffeln in der Realschule Salzgitter-Bad. Dort sahen Politiker bereits die zweite IGS. Foto: Bernward Comes

Das Ergebnis der Elternbefragung zur zweiten Gesamtschule in Salzgitter liegt vor: Nur 46,7 Prozent haben sich für die Anmeldung ihres Kindes an einer IGS ausgesprochen. Folglich wird es keine Gesamtschule im Süden der Stadt geben. „Die gesetzlichen Vorgaben sind nicht erfüllt. Die Stadt ist damit rechtlich daran gehindert, eine zweite IGS einzurichten. Und daran werden wir uns halten“, sagt Oberbürgermeister Frank Klingebiel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Stadt hatte nach einem Ratsbeschluss die Eltern in Salzgitter und Baddeckenstedt im September und Oktober befragt, ob Bedarf nach einer zweiten IGS bestehe. 4074 Fragebögen gingen an die Eltern von Erst- bis Viertklässlern, dazu Info-Material auch in türkischer, russischer und polnischer Übersetzung. 2054 Fragebögen wurden zurückgesandt: Das ergibt eine Rücklaufquote von 50,4 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Elternbefragung zur ersten IGS lag diese bei 46 Prozent. 200 Fragebögen (9,7 Prozent) waren ungültig, meist deshalb, weil die Eltern mehr als nur eine Schulform angekreuzt hatten.

Laut Landesvorgaben müssen neue Gesamtschulen über mindestens zehn Jahre eine Mindestgröße von fünf Zügen erreichen. Mindestens 120 Schüler je Jahrgang werden benötigt. Für eine bereits bestehende fünfzügige IGS – wie die in Lebenstedt – gilt: 150 Schüler je Jahrgang. Langfristig müssten somit insgesamt 270 Schüler pro Jahrgang an den zwei Standorten zur Gesamtschule gehen. Allerdings haben sich in der Befragung nur 866 Eltern von Grundschülern dafür ausgesprochen. Das sind im Schnitt 217 Schüler je Grundschuljahrgang eins bis vier.

„Wir haben kein anderes Ergebnis erwartet“, sagt Rolf Stratmann für die CDU/FDP-Fraktion. „Die Eltern wollen erst eine funktionierende erste Gesamtschule, bevor eine zweite eingerichtet wird.“ Es müsse nun abgewartet werden, wie sich die IGS in Lebenstedt entwickle und ob dort auch eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet werden könne.

„Die Eltern hatten die Möglichkeit, sich für die IGS auszusprechen. Das haben sie nicht getan“, sagt Stefan Klein. „Wir akzeptieren die Entscheidung.“ Seine Fraktion hatte mit den Grünen maßgeblich die Einrichtung einer zweiten IGS am Standort der Realschule Salzgitter-Bad gefordert. Die größte Hürde sei – aufgrund der demografischen Entwicklung –, langfristig die hohe vorgegebene Schülerzahl zu halten, sagt Klein. Angesetzt werden müsse ohnehin an anderer Stelle: „Warum ist die IGS eine Angebots- und keine Regelschule?“, fragt er. Man könne dort alle Abschlüsse machen, und die Schullandschaft tendiere ohnehin zu Schulform-Zusammenschlüssen. Klein ist sich sicher: Die Nachfrage sei da, sie schlage sich nur nicht in der Befragung nieder. Er verweist auch auf die 200 ungültigen Stimmzettel. Die moniert ebenfalls ein enttäuschter Marcel Bürger (Grüne). Ungültige Fragebögen habe es vor allem an den Schulen gegeben, die in sozialen Brennpunkten lägen. „Dort wo Sprachbarrieren herrschen. Die Fragebögen waren zu kompliziert“, ärgert sich Bürger.

Dagegen wehrt sich der Oberbürgermeister: „Wir haben auch in anderen Sprachen informiert, und wir haben sogar statt der geforderten vier gleich sieben Info-Veranstaltungen gemacht.“ Die Anschreiben an die Eltern seien frühzeitig rausgegangen, die Fragebögen leicht gewesen:

Lesen Sie mehr zum Thema in der Salzgitter-Zeitung am Samstag.

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