Ehrenamtlich Nase an Nase mit einem abgerichteten Wachhund

Salzgitter-Bad  Reiner Grosche ist seit anderthalb Jahren Gassi-Geher im Tierheim Salzgitter. Aber nicht irgendeiner. Er kümmert sich um Kulle. Einen Wachhund.

Reiner Grosche engagiert sich als Gassi-Geher ehrenamtlich für den abgerichteten Schäferhund Kulle.

Foto: Bernward Comes

Reiner Grosche engagiert sich als Gassi-Geher ehrenamtlich für den abgerichteten Schäferhund Kulle. Foto: Bernward Comes

Freudig läuft Kulle in seinem Zwinger auf und ab. Der zehnjährige Wachhund hat Reiner Grosche gewittert. Seit gut anderthalb Jahren kümmert sich Grosche um den Rüden – ehrenamtlich.

Kulle lebt seit vier Jahren im Tierheim an der Warne. Ruhig und zutraulich wirkend, ist dem Schäferhund aber mit Vorsicht zu begegnen, wissen nicht nur die Tierheimmitarbeiter. Nicht jeden lässt Kulle in seine Nähe. Der Hund benötige Zeit, um sich auf fremde Personen einzulassen, berichten die Mitarbeiter.

Sich daher mit dem Schäferhund Nase an Nase auf eine Decke zu legen, ist für sie fast unvorstellbar. Anders für Grosche. „Kulle und ich sind inzwischen gute Freunde geworden“, sagt Rentner. Freunde, die manchmal auch Nase an Nase auf einer Decke liegen. „Kulle braucht viel Aufmerksamkeit. Aber dafür gibt er auch viel wieder zurück“, sagt er.

Das Verhältnis zwischen dem ehemaligen Wachhund und Grosche war nicht immer innig. „Kulle war von mir als Gassi-Geher zunächst gar nicht begeistert“, erinnert er sich. „Mit viel Geduld und Zuwendung haben wir uns angenähert“, sagt Grosche, der den Respekt vor Kulle nie verloren hat. „Er kann ganz schön eifersüchtig sein“, sagt er. Als der Lebenstedter einmal einen anderen Hund ausführen wollte, nahm ihm der Schäferhund dies übel. „Er hat mich fixiert und angeknurrt“, erinnert sich Grosche.

Dass Kulle abgerichtet ist, merke er, wenn ihnen auf den Spaziergängen andere Personen entgegenkämen, so Grosche. „Kulle will mich dann beschützen“, sagt er. Dabei fixiere der Hund die Person und achte darauf, dass sie sich ihnen nicht nähere. „Andere Tiere, bis auf Hunde, sind ihm dagegen weitgehend gleichgültig“, so Grosche. Doch wenn er los jagt, könne er sogar ihn noch von den Beinen ziehen, meint Grosche. Deshalb sei Kulle auch kein Hund für jedermann. „Gerade für Frauen kann Kulle deshalb gefährlich werden“, sagt er.

Der Lebenstedter verbringt fast jeden Tag mit Kulle. „Oft bin ich von morgens 10 Uhr bis zum Feierabend bei ihm“, sagt er. In dieser Zeit führt Grosche den Schäferhund mehrmals täglich aus. Etwa anderthalb Stunden seien sie dann jeweils unterwegs. „Kulle gibt dabei das Tempo vor“, sagt er. „Mir ist wichtig, dass der Hund beschäftigt wird“, sagt Grosche, der dem Schäferhund das Spielen mit dem Stock und das Wasser näher gebracht hat. „Früher wusste er gar nichts mit dem Stock anzufangen“, sagt Grosche.

Am Liebsten würde der Lebenstedter das Tier bei sich aufnehmen. „Leider ist unsere Wohnung dafür zu klein“, sagt er. So werde er weiterhin jeden Tag nach Salzgitter-Bad fahren, um seinen Schäferhund auszuführen. Seine Frau habe dafür Verständnis, meint Grosche.

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