Angeklagter hilft Zigarettenschmugglern

Salzgitteraner organisiert Versteck für sieben Millionen unversteuerte Glimmstängel – Bewährungsstrafe

Massenweise Zigaretten: Fahnder ertappen Schmuggler, die unverzollte Ware auf einem Kleinlaster transportierten.    

Foto: Archivfoto: Zoll

Massenweise Zigaretten: Fahnder ertappen Schmuggler, die unverzollte Ware auf einem Kleinlaster transportierten.     Foto: Archivfoto: Zoll

SALZGITTER. Weil ein 40-jähriger Salzgitteraner Zigarettenschmugglern dabei half, ein Versteck zu organisieren und selbst mit unverzollten Glimmstängeln handelte, verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

Die Geschichte war lange Zeit undurchsichtig, die Auflösung nach sechs Stunden überraschend einfach. Die Anklage präsentierte sich so riesig wie der Berg von Zigaretten, den Zollfahnder im Sommer auf einem Resthof in Salzgitter fanden: Rund sieben Millionen unverzollter Glimmstängel russischer Herkunft. In einer Scheune lagerten sie – Wand an Wand mit einem Raum, den der 40-Jährige dort gemietet hatte. Schwarzmarktwert etwa 632 862 Euro, hinterzogene Steuer rund 980 000 Euro.

Am 2. Juli dieses Jahres klickten die Handschellen. Nach einem anonymen Hinweis ertappten die Fahnder den Salzgitteraner, wie er auf dem Hof einem anderen Mann gerade drei Kisten Zigaretten verkaufte. 3 von 20 Kisten à 10 000 Kippen, die in seinem Scheunenraum gefunden wurden – der Käufer kassierte dafür bereits sechs Monate auf Bewährung.

Er handle mit Restposten aus Baumärkten, das hatte der 40-jährige nach seiner Festnahme der Untersuchungsrichterin gesagt. Die 20 Kisten habe er von zwei Männern bekommen, angeblich wollte er sie für das Duo verkaufen. Und das Lager nebenan mit den Unmengen von Zigaretten? Das habe den beiden Männern gehört, Zugang habe er dazu nicht gehabt. Das sagte der Angeklagte laut Protokoll im Juli, gestern schwieg er beharrlich.

Damit hatte der 40-Jährige damals schon fast die ganze Wahrheit gesagt – aber eben nur fast. Was hatte er nun mit dem im Nachbarraum liegenden Haufen von Zigaretten zu tun? Genau das versuchte die Vorsitzende Richterin Gerstin Dreyer herauszubekommen. Die Vertreterin des Hauptzollamtes Magdeburg, bei der Verhaftung dabei, brachte wenig Licht ins Dunkel. Das tat erst der Vermieter des Hofes dank seiner Ortskenntnis. Er erklärte im Detail, was die dem Gericht vorliegenden Lagepläne nicht unbedingt aussagten: Der Angeklagte hatte tatsächlich keinen Zugang zu dem Raum, in dem die sieben Millionen Zigaretten lagen.

Der 41-Jährige schilderte auch, an wen jener Scheunenteil vermietet wurde: Etwa 30 Jahre alt sei der Mann gewesen, vielleicht 70 Kilo schwer, seinen runden Schädel habe eine Glatze geziert. Einen Mietvertrag gab es noch nicht, dafür aber die Schlüssel. Tags darauf rollte ein Lkw an, mehrere Männer luden am Abend etwa drei Stunden etwas aus. Was, das hatte eine Zeugin, ebenfalls Mieterin auf dem Hof, nicht erkennen können. Es waren Zigaretten, 24 Stunden später liefen die Fahnder auf.

In einem Rechtsgespräch verständigten sich anschließend Gericht, Anklage und Verteidiger Werner Siebers über das Höchststrafmaß. Denn das Geständnis kam nun komplett: Es war der mehrfach vorbestrafte Angeklagte, der den Zigarettenlieferanten den Tipp mit der Scheune gegeben hatte. Dafür gab es eine Provision: 20 Kisten Kippen.

Der 40-Jährige trägt die Kosten des Verfahrens. Rund 17 000 Euro, die bei ihm gefunden wurden, werden ebenso angerechnet, wie jene 4800, zu denen er überdies verdonnert wurde. Der Salzgitteraner nahm das Urteil an. Es ist rechtskräftig.

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