Wirtschaft und Natur unter einem Hut
Bremen Die Weser ist eine wichtige Schifffahrtsstraße, aber auch wertvoller Lebensraum für bedrohte Tierarten.
Diese verschiedenen Interessen lassen sich zum Teil schwer vereinbaren. Das wollen Niedersachsen und Bremen mit einem Bewirtschaftungsplan künftig ändern.
Der 180 Seiten starke Maßnahmenkatalog markiere eine Trendwende, sagte Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) bei der Vorstellung am Mittwoch in Brake. In der Vergangenheit sei der Naturschutz oft zu kurz gekommen. Der Plan beweise jedoch, dass sich wirtschaftliche und ökologische Interessen in Einklang bringen ließen.
Seit 2008 haben Behörden, Umweltverbände, Landwirtschaft, Industrie, Tourismus und Fischerei den Bewirtschaftungsplan gemeinsam erarbeitet. Dieser soll die europäischen Naturschutzrichtlinien in dem 25 000 Hektar großen Areal umsetzen, das allein im niedersächsischen Teil drei Vogelschutzgebiete und fünf Fauna-Flora-Habitate umfasst.
Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) begrüßte die Einigung der verschiedenen Interessengruppen. „Das ist ein großer Erfolg, weil es die Grundlage für weitere Planungen und Maßnahmen an der Weser enthält.“ Der Katalog beinhalte 48 Ziele, die in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren bei allen Projekten und Bauvorhaben an der Weser berücksichtigt werden müssten.
Die vereinbarten Vorschläge sind eher allgemein gehalten. So sollen zum Beispiel die Ufer renaturiert, die Weser-Nebenarme in ihren Ursprungszustand zurückversetzt und die auf Restbestände dezimierten Weichholzwälder ausgeweitet werden. „Das ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines Prozesses“, sagte Birkner. Auf dieser Basis sollen nun konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht werden.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht in dem Plan einen Fortschritt für die ökologischen Belange rund um die Weser. Er kritisiert aber, dass es sich nur um eine Vorschlagsliste ohne verbindlichen Charakter handele. „Außerdem ist der ganze Plan unter der Vorgabe entstanden, dass Häfen und Schifffahrt in keiner Weise beschränkt werden dürfen“, sagte der Bremer BUND-Geschäftsführer Martin Rode der Nachrichtenagentur dpa. Auch die geplante Weservertiefung steht nach Ansicht von Rode dem Ziel entgegen, wirtschaftliche und ökologische Interessen zu vereinbaren.
Diese Kritik wies der Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest, Klaus Frerichs, zurück. Bei der Weservertiefung seien der Naturschutz berücksichtigt und die Ziele des Bewirtschaftungsplans bereits einbezogen.dpa
