In einem Land vor unserer Zeit

Taman-Negara-Nationalpark  Der Taman-Negara-Nationalpark in Malaysia ist der älteste Wald der Welt – und Besucher sind herzlich willkommen.

Viel zu sehen im Dschungel gibt es auch vom Wasser aus auf den traditionellen Langbooten.

Foto: Leetz

Viel zu sehen im Dschungel gibt es auch vom Wasser aus auf den traditionellen Langbooten. Foto: Leetz

Im Dschungel Malaysias auf eine Schlange zu stoßen, muss nicht unbedingt überraschen. Doch das Exemplar, das sich an diesem Tag im Taman-Negara-Nationalpark breit gemacht hat, ist riesig. 30 Meter mindestens. Und laut. Zahllose Touristen warten in Reih’ und Glied, um die Treppen eines Holzturms hinaufzusteigen, der an einem steilen Hang zwischen den mächtigen Bäumen steht.

Denn: In 40 Metern Höhe erwartet sie ein einmaliges Erlebnis. Der Canopy Walkway, ein Spaziergang über Hängebrücken durch die Baumkronen des 130 Millionen Jahre alten Regenwalds, dem ältesten Waldgebiet der Erde. Auch wenn die Wartezeit die Dauer des Wipfelgangs bei weitem übersteigt, ist er die Hauptattraktion des Nationalparks.

Der Start ist leicht vom kleinen Dorf Kuala Tahan über Kunststoffpanellen und Lehmpfade zu erreichen. Heute ist zudem auch noch Samstag. Viele malaysische Schulklassen bevölkern den Wald rund um das Dorf, an dem das braune Wasser des Sungai Tahan in den Sungai Tembeling fließt.

Die Flüsse waren lange Zeit die einzige Infrastruktur, auf die die Bewohner des Waldes zurückgreifen konnten. Vielleicht ein Grund dafür, warum sich die Orang Asli in der Abgeschiedenheit ihre Kultur und Lebensweise bewahrt haben. Sie dabei zu beobachten und mit ihnen Pfeile aus Blasrohren zu schießen, gehört zum Ausflugsprogramm, das Touristen-Führer und Agenturen in Kuala Tahan anbieten.

Erst vor wenigen Jahren wurde die Straße von Jerantut auch bis an den südlichen Eingang zum Nationalpark weitergebaut. Mittlerweile kommen Touristen so auch per Bus und Auto in den Park. Reizvoller und authentischer ist jedoch der Wasserweg. Dabei bleibt einem auch der Anblick der kilometerlangen Palmöl-Plantagen erspart, die sich immer dichter an das 434 Hektar große immergrüne Juwel herangefressen haben. Monokultur statt Millionen Jahre alter Vielfalt von Flora und Fauna. Malaysia ist größter Palmöl-Produzent der Welt.

Drei Stunden benötigen die Boote für den Weg von Kuala Tembeling nach Kuala Tahan. In der feucht-schwülen Hitze kühlt der Fahrtwind wohltuend. Mit Glück können die Passagiere bereits einen kleinen Ausriss der Tierwelt des Dschungels an den bewaldeten Ufern des Flusses entdecken. Affen und Rinder zeigen sich an den Lichtungen und Grashängen. Bis auf die Vögel in den Bäumen und den einen oder anderen Waran, der den Pfad kreuzt, bekommt man als Wanderer jedoch tagsüber kaum mehr zu sehen.

Für Reisende aus der Hauptstadt Kuala Lumpur ist Kuala Tahan die Basis, um den Nationalpark zu entdecken. Einen weiteren Zugang gibt es von der Ostküste aus. Das Örtchen ist reizlos: Am Ufer liegen mehrere Restaurantschiffe, dahinter stehen willkürlich ins Hinterland gebaute Häuser der Einheimischen sowie die Unterkünfte für Urlauber.

Zum einen ist da das noble Mutiara Resort, das auch als Eingang in den Park fungiert. Am anderen Ufer handelt es sich meist um Bungalows und Chalets, wahlweise mit und ohne Klimaanlage. Letztere ist übrigens unbedingt zu empfehlen, um angesichts der ganzjährig drückenden Tropen-Hitze nachts Ruhe zu finden.

Denn so langweilig das Örtchen auch ist, so aufregend ist der Dschungel. Neben dem Canopy Walkway bietet der Regenwald weitere Attraktionen. Wildwasserfahrten, Nachtsafaris inklusive Begegnungen mit zutraulichen Tapiren, Besuche bei den Orang Aslis und Trekking-Touren mit Übernachtungen auf Hochständen mitten im Urwald. Wer seinen Malaysia-Urlaub nicht nur im Taman Negara verbringen möchte, kann sich auch auf einer Wanderung einen Eindruck von der üppigen Natur verschaffen.

Für den Rundkurs zum Bukit Teresek, einem etwa 340 Meter hohen Hügel, knapp zwei Kilometer von Kuala Tahan entfernt, sollte man gut zu Fuß sein und mehrere Stunden einplanen. Schmal sind die Pfade, die durch den Dschungel führen – bergauf, bergab. Über Wurzeln und Felsen. Seile in den Bäumen sollen dem Wanderer Halt an besonders steilen Passagen geben. Insbesondere, wenn es am Tag zuvor geregnet hat. Eine rutschige und mühsame Angelegenheit. Gegen Blutegel helfen übrigens in die Socken gestopfte Hosenbeine.

Vom Aussichtspunkt bietet sich dann ein herrlicher Blick auf die sattgrüne Landschaft. Der Dschungel, über dem sich langsam der Morgennebel lichtet. Zeit innezuhalten und zu genießen. Ruhe. Kaum Touristen – also auch keine Schlangen.

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