Teures Taxen-Vergnügen

Deutschland  2012 werden in deutschen Bädern bis zu 3,40 Euro Kurtaxe täglich berechnet – Bad Kissingen ist Spitzenreiter.

Bad Kissingen führt die Taxen-Tabelle an.

Foto: TV

Bad Kissingen führt die Taxen-Tabelle an. Foto: TV

Mal heißt sie Ortstaxe, mal Tourismusabgabe und neuerdings auch gerne mal Bettensteuer. Die gute alte Kurtaxe ist seit ihrer Erfindung im Jahr 1893 bei Urlaubern und Vermietern Ärgernis Nummer eins und doch nicht tot zu kriegen.

Dieses Jahr hielten sich die meisten deutschen Ferienorte immerhin bei Erhöhungen zurück. Die nächsten Preisrunden sind aber bereits angekündigt worden, das Taxen-Theater geht also weiter.

Aktueller Spitzenreiter mit der höchsten Kurtaxe Deutschlands ist das Bayerische Staatsbad Kissingen. Dort werden dieses Jahr 3,40 Euro für die „Gastkarte“ verlangt – pro Tag versteht sich. Hart auf den Fersen folgt dem bayerischen Kontrahenten Baden-Baden, wo 2012 wie im vergangenen Jahr 3,20 Euro berechnet werden, ab 2013 sind jedoch bereits 3,50 Euro beschlossen. Die Bronzemedaille unter den Orten mit der höchsten Kurtaxe Deutschlands geht an Bad Homburg, wo täglich 3,07 Euro „Kurbeitrag“ abgeführt werden müssen.

Lebhaften Debatten zum Trotz wird die Kurtaxe auch an fast allen Seebädern an der Nordsee sowie in den bayerischen Gebirgsorten kassiert, auch wenn die Kur dort längst nicht mehr einen so hohen Stellenwert genießt. Ein Nord-Süd-Quintett aus den Ferienorten Kampen auf Sylt, Norderney, St.-Peter-Ording, Büsum und Bad Reichenhall berechnet diesen Sommer jeweils 3 Euro Kurtaxe täglich – und besetzt damit gemeinsam Rang vier der Hitparade.

Wer in Kampen ohne Kurkarte an den Strand will, zahlt übrigens noch mehr: 3,50 Euro täglich. Im Schnitt ein paar Cent günstiger geben sich die Ostseebäder. Grömitz mit 2,80 Euro und Binz mit 2,60 Euro markieren die Spitzenwerte auf der holsteinischen bzw. mecklenburgischen Seite von Deutschlands größter Badewanne. Knapp dahinter positionieren sich die drei Usedomer Kaiserbäder mit 2,50 Euro „Kurabgabe“.

Vergleichsweise günstig geht es in Garmisch-Partenkirchen und dem größten Bayernwald-Ferienort Bodenmais zu, die beide in diesem Sommer 2 Euro täglich berechnen. Dazwischen schiebt sich noch die Schwarzwälder Gourmethochburg Baiersbronn mit 2,20 Euro. Und der feine Tegernsee begnügt sich gar mit 1,60 Euro (abgefragt in Rottach- Egern).

2 Euro täglich berechnet auch Konstanz seinen Gästen für den Bodensee-Gästepass, wie die Kurtaxe an Deutschlands größtem Binnensee heißt. Immerhin ist in diesem Preis auch die kostenlose Busbenutzung in der gesamten Region enthalten. Das ist ebenfalls in Kissingen, Reichenhall und in St.-Peter-Ording der Fall. Sonst wird meist – wie etwa in Bad Homburg – die „Pflege des Kurparks und aller Kureinrichtungen“ als Begründung für den Zwangs-Obolus herangezogen.

Ähnliches gilt auch für Helgoland. Auf Deutschlands einziger Hochseeinsel wurde gerade erst die bisherige Kurkarte durch eine elektronische Helgoland-Gästekarte ersetzt. Die kostet allerdings wie bisher 2,75 Euro, und an den Leistungen ändert sich vorläufig auch nichts. Die beschränken sich im Wesentlichen auf die Möglichkeit für Vermieter, länger bleibende Gäste künftig mit einem Gratiseintritt ins Hallenbad anzulocken.

Derlei magere Gegenleistungen sind es auch, die die Kurtaxe immer wieder zum Stein des Anstoßes und zur Ursache langer und leidlicher Debatten machen. In der Europapark-Gemeinde Rust prozessierten Gemeinde und Verkehrsverein deshalb sogar gegeneinander. Vor gut einem Jahr gab das Verwaltungsgericht der Gemeinde Recht: Sie darf 1,75 Euro Kurtaxe verlangen, von denen aktuell allerdings nur 1,50 Euro kassiert werden.

Noch ärgerlicher: Die Kurtaxe ist die einzige kommunale Zwangsabgabe, die trotz Endpreisverordnung dank einer Ausnahmegenehmigung nie in die Reisepreise eingerechnet werden muss.

Selbst wer bei Neckermann oder Tui eine Pauschalreise gebucht hat, muss für die Kurtaxe noch einmal das Portemonnaie öffnen. Allerdings müssen Veranstalter und Vermieter im Prospekt auf die zusätzlichen Kosten hinweisen.

Dass es auch ganz gut ohne geht, beweist nicht nur fast das gesamte Ausland, sondern seit Jahrzehnten auch das Ostseebad Damp. Dort hält man die verkappte Steuer schlicht für unzeitgemäß. Denn dass Kuranlagen und Strände eines Orts, der Gäste haben will, gepflegt werden, verstehe sich doch von selbst. Trotzdem ist der Damper Tourismusdirektor auf die Kurtaxe nicht schlecht zu sprechen: Schließlich ist ihr Fehlen für ihn ein gewichtiges Werbeargument.

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