Tessa - ein Luchs mit Telefonnummer

Vor mehr als 150 Jahren haben die Menschen sie ausgerottet, jetzt sind sie Tourismus-Attraktionen: Die Luchse sind wieder heimisch in Deutschland – die größte Population lebt im Grenzgebiet zwischen Bayern, Tschechien und Österreich.

Kirsten Weingarth, zuständig für Fotofallen im Nationalpark Bayerischer Wald, mit einem Luchs-Bild. 16 Raubkatzen leben derzeit im Bayerischen Wald und im angrenzenden tschechischen Park Sumava.

Foto: Armin Weigel/dpa 

Kirsten Weingarth, zuständig für Fotofallen im Nationalpark Bayerischer Wald, mit einem Luchs-Bild. 16 Raubkatzen leben derzeit im Bayerischen Wald und im angrenzenden tschechischen Park Sumava. Foto: Armin Weigel/dpa 

Tessa ist ganz nah. Über dem Bach, keine 100 Meter entfernt, streift das Luchs-Weibchen durch das dichte Grün des Nationalparks Bayerischer Wald. Horst Burghart hat sie mit seiner mobilen Antenne geortet. Tessa trägt ein mit GPS und Minisender ausgerüstetes Halsband, von dem der Luchsforscher jetzt die Daten herunterlädt. Sehen wird er Tessa auch diesmal nicht: Sie lebt im Verborgenen, genau wie die anderen Luchse.

Meist finden die Mitarbeiter des Luchsforschungsprojekts nur Spuren, Kot oder Überreste von Mahlzeiten: Gerissene Rehe, Hasen und Rothirsche. Insgesamt 16 Raubkatzen leben derzeit im Nationalpark Bayerischer Wald und im angrenzenden tschechischen Park Sumava. Es ist neben dem Harz die größte Luchs-Population Deutschlands.

Wie ihre Schützlinge aussehen, wissen die Mitarbeiter der beiden Nationalparke und des WWF Deutschland, der das Forschungsprojekt unterstützt, nur durch Fotofallen im Wald. Informationen über ihre Streifzüge erhalten sie zudem teils über SMS – Tessa hat dafür ebenso wie vier weitere besenderte Luchse sogar eine eigene Telefonnummer bei der Deutschen Telekom.

Zusätzliche Daten können die Forscher direkt vom Halsband herunterladen, wenn sie nahe genug an die Tiere herankommen – wie gerade eben Burghart an Tessa.

Anders als in Oberbayern, wo ein eingewanderter Wolf Eltern in Angst um ihre Kinder versetzte und Bauern wegen der gerissenen Schafe in Rage brachte, sind die Anwohner im Bayerischen Wald stolz auf "ihre" Luchse.

"Bei uns hört man ab und zu mal einen Luchs schreien. Trotzdem fürchtet sich keiner", berichtet Heidi Kraus-Mühlbauer aus Bayrisch Eisenstein, Mutter eines 8-jährigen Sohnes und einer 14-jährigen Tochter. Gemeinsam mit Schule und Gemeinde haben Eltern einen Luchsparcours eingerichtet, auf dem Kinder spielerisch Einzelheiten über die Raubkatzen erfahren.

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