Zum 90. wurde der Jubilar auf Schienen getauft
WOLFSBURG In Fallersleben steht auf einem Restgleis ein historischer Eisenbahnwaggon
FALLERSLEBEN. Großer Bahnhof im Hinterhof der Bahnhofstraße 38. Am Samstagvormittag stand dort - auf einem Reststück Gleis - ein Jubilar im Mittelpunkt. Der von Hans-Erich Kopischke und seinen Helfern Walter Kopischke und Peter Holl in zeitaufwändiger (Klein-)Arbeit sanierte Eisenbahnwaggon 340-282 Fallersleben aus Reichsbahnzeiten wurde 90 Jahre alt.
Ein Grund, fröhlich zu feiern. Nicht nur für die Restauratoren, sondern auch für rund 50 weitere Fallersleber. Dabei flog sogar eine Flasche durch die Luft. Kein Grund zur Sorge, es gab keine Randale. Die Flasche, gefüllt mit Fallersleber Schwefelwasser - „das soll schön machen“ (Kopischke)-, hing an einem Faden. Leonard, vierjähriger Enkel von Hans-Erich Kopischke warf sie gegen die Waggonwand, wo sie beim zweiten Versuch zersplitterte. Der symbolische Akt einer Neu-Taufe war vollzogen, der betagte Täufling heißt „Donnerbüchse 22 Fallersleben“.
Und Leonard erhielt den ersten Pflasterstein auf dem Weg zum Waggon, eine Art „Stein of Fame“ mit Namen, sowie Hand und Fußabdruck. Leonard hatte zuvor gemeinsam mit anderen Jungen und Mädchen aus der Städtischen Kindertagesstätte Schlosspark den Gästen und dem Jubilar Ständchen gebracht. Bei „Leise rieselt der Schnee“ prasselten allerdings Regentropfen auf Schirme und Köpfe der Festgesellschaft. Was die nicht davon abhielt (leise) mitzusingen.
Zum Einsatz kamen auch die Herolde der Theatergruppe des Kultur- und Denkmalvereins. Manfred Wegner, Karl-Heinz Trunk und Dieter Hepe kündeten in einem selbstgetexteten Lied von „Der vieles schon erlebt hat.“
Ortsbürgermeisterin Bärbel Weist würdigte das geschichtsträchtige Exponat und dessen Restauratoren-Trio. Für den „Kopf“ der Gruppe, Hans-Erich Kopischke, gab’s eine Urkunde. Und dazu von vielen Seiten Geschenke, unter anderm ein Foto des einstigen Fallersleber Bahnhofsgebäudes, an dem just im Moment der Aufnahme eine Lok vorbeidampfte. Brigitte Blankenburg von der Hoffmanngesellschaft überbrachte die Kopie eines Protokolls aus dem Jahr 1922. Damals hatten sich die Fallersleber Mitglieder des Eisenbahnervereins zu einer Versammlung eingefunden. Der Sülfelder Hermann Sprenger hatte auch eine Besonderheit für Kopischke und seine Mitstreiter dabei. Eine Eisenbahnerlampe aus den 1930er Jahren, dekorativ umwickelt mit einer roten Geschenkschleife.
