„Das war wohl die größte Arbeit aller Zeiten“
Wolfsburg Christian Grundmann und sein Vater Traugott fanden in Litauen den Käfer-Prototyp Nummer 6 und restaurierten das Auto.
„Der größte Fund aller Zeiten“, titelten die WN im Januar 2010. Die Grundmanns hatten das Auto damals in ihrer Garage in Hessisch-Oldendorf abgestellt und mit den Arbeiten begonnen. Dem Vater-Sohn-Gespann gehört die größte und exklusivste, private VW-Sammlung Deutschlands. Aber dieser Prototyp Nummer 6 war dann doch etwas ganz Besonderes.
Das Auto stammte aus der Käfer-Vorserie, die 1938 bei Porsche in Handarbeit gefertigt wurde. Der Großteil dieser Modelle ist bis heute verschwunden. Im Zeithaus in der Autostadt steht noch der 38/03, die Stiftung Automuseum besitzt den 38/31. Der 38/06 wurde einst an Nazi-Führer Robert Ley ausgeliefert. Nach 1945 landete das Auto als Kriegsbeute im Osten und wurde schlichtweg verschandelt. Über ein amerikanisches VW-Sammlerforum im Internet wurde der Fund 2009 publik. Christian Grundmann reiste damals sofort in den Osten. Im Tausch gegen einen top-restaurierten Käfer Baujahr 1942 – plus einer Extrasumme – erhielt er den Zuschlag für den Klassiker.
Während des Telefongesprächs gestern Abend stand er in seiner Werkstatt und schraubte schon wieder an einem 52er VW-Cabrio, mit dem die Polizei im österreichischen Linz einst Streife fuhr. „Dieser Brezelkäfer ist für mich der größte Fund aller Zeiten, aber die Restauration wohl auch die größte Arbeit aller Zeiten“, meint Christian Grundmann im Rückblick. „Alle kranken Sachen mussten wir wegschneiden, damit wir an die Originalsubstanz rankommen“, berichtet er. Türen, Dach und Seitenteile konnten gerettet werden.
Grundmann wühlte in Archiven, er besuchte Familienangehörige früherer Ingenieure, die an der Entstehung der Vorserie mitgewirkt hatten, und sichtete alte Konstruktionsunterlagen. Hilfe gab es außerdem von der weltweiten Käfer-Fangemeinde, die sich über eine Internetseite zum Fortgang der Restaurierung informierte, wichtige Tipps gab und auch mit Einzelteilen aushelfen konnte. „Da tauchte ein Chassis von 1938 auf, dann ein Motor des Prototyps 38/16 und so weiter. Wir konnten ganz viele Originalmaterialien verbauen“, erläutert Grundmann. Auch das Zeithaus in der Autostadt und das Automuseum halfen mit, dass der Ur-Käfer wieder auf die Reifen kam – und das ganz schön schnell. Nur ein Jahr dauerten die Arbeiten.
Wenn man heute das Auto sieht, hat es nichts mehr von dem Wrack gemein, das in Litauen gefunden wurde. Der Lohn für die Mühen: Die Leser der „Auto Bild Klassik“ vergaben kürzlich den Preis „Goldenes Klassik-Lenkrad“ in der Kategorie „Restaurierung des Jahres“ an Vater und Sohn.
„Der Käfer wird nicht so viel herumreisen, dafür ist es viel zu wertvoll“, so Christian Grundmann. Doch irgendwann soll der 38/06 auch in Wolfsburg präsentiert werden. Die Gespräche laufen, der Termin steht noch nicht fest.
