Ringen um Frage nach Alternativen fürs Schulzentrum
Fallersleben Am Gymnasium Fallersleben herrscht nach Bekanntwerden der radikalen Änderung der Pläne zur Klassen-Auslagerung weiter Aufregung.
Am Gymnasium herrscht immer noch Aufruhr. Obwohl die Schulleitungen bereits am 19. November und das gesamte Schulzentrum bereits am 7. Dezember darüber informiert worden waren, dass die Verwaltung ihre Pläne zur mehrjährigen Sanierung mit Auslagerungen von Klassen grundlegend geändert hat, haben sich die Wogen keinesfalls geglättet.
Wie exklusiv berichtet, ist die Stadtverwaltung völlig umgeschwenkt und will nun nicht mehr Haupt- und Realschule, sondern die zehnte bis zwölfte Klasse des Gymnasiums an die frühere Astrid-Lindgren-Schule in Westhagen auslagern. Dort ist bis Sommer 2013 noch die Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule untergebracht.
Schülersprecherin Alicia Wolf vom Gymnasium sagte am Donnerstag, dass die Abstimmung bei der Schülervollversammlung vorige Woche zunächst der Bestätigung gedient habe, dass tatsächlich die überwiegende Mehrheit der Schüler gegen die Teil-Auslagerung ist und etwas unternehmen möchte. „Wir werden im Januar gleich nach den Ferien überlegen, was wir tun können“, kündigt die Elftklässlerin an. „Wir wollen eine Unterschriftenaktion mit Schülern und Eltern starten.“
Oberstudiendirektor Jürgen Berkefeld vom Gymnasium hat wenig Hoffnung, dass noch eine andere Lösung als die von der Verwaltung überraschend präsentierte gefunden werden kann. Allerdings ist er der Meinung, dass es auch eine Option wäre, nur eine Schule auszulagern – also Haupt- oder Realschule –, um so Platz für die Umzüge der rund 850 Gymnasiasten innerhalb des Schulzentrums zu schaffen. Für ihn ist jedenfalls klar: „Wenn ein Teil des Gymnasiums nach den Herbstferien 2013 ausgelagert wird, dann gibt es enorme Probleme mit dem Hin- und Herfahren. Die Schüler können wegen der knappen Zeit zwischen den Stunden dann nicht mehr so intensiv betreut werden.“
„Auch für uns wäre ein Umzug schwierig gewesen, denn wir haben den Ganztagsbereich gemeinsam mit der Realschule organisiert“, sagt Hauptschulleiter Rüdiger Czubba. „Wir haben schon bei einer Begehung zu Schuljahresanfang gesagt, dass in Westhagen nicht genügend Räume für Haupt- und Realschule vorhanden sind. Das Problem ist nun, dass bisher aber alle gedacht haben, dass es Haupt- und Realschule trifft.“
Der Widerstand, der sich nun formiert, hat seinen Ursprung auch in der Tatsache, dass die Verwaltung bereits in der vom 22. Juni 2012 datierenden Ratsvorlage klar formuliert hatte, was auf die Schulen zukommt: „Zum Sommer 2013 ist beabsichtigt, die Haupt- und Realschule auszulagern, um ausreichend Platz im Schulzentrum für die weiteren Baumaßnahmen zu haben.“ Im Ratsbeschluss vom Juli waren sogar schon Aussagen zur Schülerbeförderung getroffen worden: „Im Zuge der Baumaßnahmen werden einzelne Buslinien neue Routen fahren müssen, um den Auslagerungsstandort für die Haupt- und Realschule Fallersleben anfahren zu können.“
„Die Stadt hätte sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen dürfen. Sie ist nicht rechtzeitig ins Detail gegangen, obwohl alles seit einem Jahr in der Diskussion war“, heißt es nun aus dem Schulzentrum.
Schuldezernentin Iris Bothe hatte die radikale Änderung der Planung damit begründet, dass es nach langen Beratungen noch keine weiteren Planungsphasen gegeben habe und sich erst beim Einstieg in die Detailplanung herausgestellt habe, dass „andere Bauabläufe erforderlich sind“.
Ortsbürgermeisterin Bärbel Weist und Schulausschuss-Vorsitzende Hiltrud Jeworrek sind wie die Schulen bereits seit Ende November informiert. Weist will das aber nicht hinnehmen: „Die Verwaltung muss nochmal gefordert werden, Alternativen zu suchen. Das muss diskutiert werden. Man reißt eine Schule auseinander – das geht überhaupt nicht.“ Ihrer Meinung nach wäre sogar schon früher erkennbar gewesen, dass die bisherige Umzugsplanung so nicht funktionieren würde.
Schulausschuss-Vorsitzende Hiltrud Jeworrek betont, dass sie sich als betroffene Lehrerin der Hauptschule bei dem Thema stets zurückgehalten habe. „Es ist jedenfalls so oder so eine organisatorische Belastung für alle drei Schulen. Man muss die Last für drei Jahre auf sich nehmen. Bedauerlich ist allerdings, dass sich die Verwaltung mit der bisherigen Festlegung auf Haupt- und Realschule sicher zu früh herausgelehnt hat.“ Ob es noch Alternativen gebe, müsse man nun sehen.



