Erzählt von denen, die es erlebt haben
Wolfsburg Im Congress-Park präsentiert Margherita Carbonaro am Freitag, 14. Dezember, 19 Uhr, Das Leben ist hier – Wolfsburg, eine italienische Geschichte“
.Die Spannung ist groß. Die Anspannung weicht der Gewissheit, etwas Neues, Ungewöhnliches geschaffen zu haben. In wenigen Tage, am Freitag, 14. Dezember, 19 Uhr, wird Margherita Carbonaro aus ihrem dann vorliegenden Buch „Das Leben ist hier – Wolfsburg, eine italienische Geschichte“ im Spiegelsaal des Congress-Parks lesen. In italienischer Sprache. Und Theater-Intendant Rainer Steinkamp in deutscher Sprache daraus vortragen.
„Wir lassen Geschichten erzählen von denen, die sie erlebt haben“, erläutert Anita Placenti-Grau. Sie ist Italienerin. Sie ist Leiterin des städtischen Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) und damit selbst ein Beispiel dieser „italienischen Geschichte“ Wolfsburgs, einer Stadt, in der „die Integration soweit ist, dass die Italiener selbst ihre Migrationserlebnisse erzählen“.
Beides hat Vorläufer. Mit Antonio Di Virgilio leitete schon in den 70er-Jahren ein Italiener ein städtisches Amt, das Ausländerreferat. Der Kabarettistin Francesca de Martin enthüllten 70 Italiener 2004 für das dokumentarische Theater „Aufmarsch der Itaker“, vom Deutsch-Italienischen Freundeskreis gefördert. Nun haben sie nochmals geredet, wurden aus zehn Minuten dann doch zwei, drei Stunden, kam es zu Abendessen, Besuch des Centro Italiano, des Geländes unter der Berliner Brücke.
Diesmal öffneten sich die Befragten der Schriftstellerin Margherita Carbonaro, 1964 in Mailand geboren, in Regensburg lebend. Damit ist sie eine von ihnen. Sie nahm sich die Zeit, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu feiern und die Orte ihrer Erinnerungen aufzusuchen. Zwei Jahre lang. Dann verdichtete sie die Geschichten zu Literatur, zu „historischen Novellen“ italienischer Einwanderung und Eingliederung in dieser Stadt. Sie handeln vom Mut, ins unbekannte Deutschland zu gehen, von der Einsamkeit zurückgebliebener Frauen, von der Bitternis weder Sprache und Gewohnheiten zu kennen, von der Freude der Familien über Überweisungen, vom Leben zwischen Bett und Band, später auch in Familien.
Es ist zu Literatur gewordene Geschichte. Die Übersetzerin der Autorin, einer in Italien gefragten Übersetzerin deutscher Literatur, ist Marlies Ottimofiore. Sie ist ebenfalls ein Beispiel dieser „italienischen Geschichte“. Im Tanzlokal „Lido“ in Hannover lernte sie ihren Mann Salvatore kennen, erschloss sich italienische Sprache und Kultur und ist seit dessen Gründung 1985 im Italienischen Kulturinstitut tätig.
Eine „italienische Geschichte“ personifiziert auch Frank Patta, Generalsekretär des Europäischen und Konzernbetriebsrates von VW. Er ist ein Sohn dieser Migration. Und er regte mit dem damaligen Leiter des Italienischen Kulturinstituts, Stefano Iorio, dieses Buch an.
So gehört die IG Metall wie das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation und das Italienische Kulturinstitut zu den Herausgebern. „Es ist auch eine Geschichte der IG Metall in Wolfsburg“, erklärte Joachim Fährmann, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit der Gewerkschaft. Stimmt. Sie begann mit einem Flugblatt in italienischer Sprache zur Begrüßung der „Kollegen“.

