Die schnelle Lärmschutz-Lösung gibt’s nicht
Wolfsburg Die Bürgerinitiative Lärmschutz A 39 und die Stadt ziehen in ihren Bemühungen an einem Strang. An drei Optionen wird gearbeitet.
Die schnelle, ultimative Lösung in Sachen Lärmschutz entlang der Autobahn 39 überall in Wolfsburg gibt es nicht – dieses Ergebnis der Veranstaltung gestern Abend im vollen Saal der Mörser Gaststätte Chris Inn war wenig überraschend.
Weil die Bürgerinitiative Lärmschutz A 39 und die Stadt aber deutlich machten, dass sie beim Thema an einem Strang ziehen, gab es kaum unsachliche Äußerungen. Nicht nur aus Mörse und Fallersleben, sondern unter anderem auch aus Detmerode waren Betroffene gekommen, ebenso wie viele Politiker. Angenehm: Obwohl in wenigen Wochen Landtagswahl ist, blieben Wahlkampfparolen die absolute Ausnahme.
Auf Drängen der BI hatte die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Dr. Gerke Hoppmann ausführlich vorstellte. Wie exklusiv berichtet, zielen die Schlussfolgerungen daraus vor allem darauf ab, dass die A 39 durch den geplanten Lückenschluss in Richtung Norden keine Sackgasse mehr sein wird.
Bisher gilt die Strecke lediglich als Stutzen zwischen A 2 und Volkswagen, das Gutachten besagt klar, dass die aktuelle Situation keinen Anspruch auf Lärmsanierung hergibt. Ändern könnte sich die Situation aber, wenn die A 39 in Richtung Norden weitergebaut wird. Die Argumentationslinie der Stadt: Dann gilt nicht mehr die Sackgassen-Regelung. Sondern mit dem Weiterbau ergäbe sich eine grundsätzliche Änderung der Funktion dieser Verkehrsverbindung – mit strengeren Lärmschutz-Grenzwerten. Das Planfeststellungsverfahren für den hiesigen Weiterbau läuft jedoch erst 2013 an.
Parallel gibt es bei Stadt und VW Überlegungen zum sechsspurigen Ausbau der A 39, wie Thomas Krause von der Wolfsburg AG aus der Task-Force Verkehr berichtete. Dann wären Bund und Land ebenfalls zu Lärmschutz verpflichtet. Das könnte aber ebenfalls noch dauern.
Außerdem will die Stadt über Flüsterasphalt verhandeln. Mit dem wäre laut Gutachten eine gute Reduzierung des Lärmpegels zu erreichen – für den Wolfsburger Abschnitt der A 39 um durchgängig 3 Dezibel. Umweltamtsleiter Dr. Horst Farny stellte allerdings klar, dass die A 39 auf der frisch überarbeiteten Prioritätenliste für freiwilligen Lärmschutz der Stadt nicht ganz oben steht.
Ein Bürger forderte als Sofort-Maßnahme die Verlängerung von Tempo 100 nach Süden, und eine Mörserin verdeutlichte: „Wir leiden wie die Hunde unter diesem Lärm.“
Oberbürgermeister Klaus Mohrs räumte ein: „Das Ergebnis ist für sie im Moment unbefriedigend. Aber wir werden als Stadt alles tun, die Argumentation zu stärken, dass durch den Weiterbau der A 39 der Pfropfen gezogen wird.“ Oberstes Ziel müsse aber der sechsspurige Ausbau sein, „dann gelten für Sie deutlich günstigere Lärmschutz-Bedingungen. Wir werden dieses Thema auf Bund und Land schieben – wo es auch hingehört.“
Das Fazit von Moderator Uwe Birnbaum von der Bürgerinitiative: „Wir machen weiter. Der Lärm nervt uns – nicht nur in den Spitzen.“

