Von Glückssymbolen auf Neujahrskarten
Wolfenbüttel Die neue Ausstellung von Dietmar Dolle ist bis Mitte Januar im Schaufenster der Aktionsgemeinschaft Altstadt zu sehen.
Das Schreiben von Grußkarten ist im 21. Jahrhundert insbesondere unter jüngeren Menschen sehr rückläufig, da sie vermehrt die elektronischen Medien wie Handy/SMS und Internet/Emails nutzen, bedauert der Wolfenbütteler Amateur-Historiker Dietmar Dolle. Er befürchtet: „Vermutlich werden Gruß- und Ansichtskarten irgendwann ganz der Vergangenheit angehören.“
In seiner neuen Ausstellung mit dem Titel „Glückssymbole auf Neujahrskarten“ im Schaufenster der Aktionsgemeinschaft Altstadt im Kleinen Zimmerhof erinnert er die große Zeit der Gruß- und Ansichtskarten, die insbesondere zu Weihnachten und zum Jahreswechsel verschickt wurden.
Silvester wurde nach dem Papst Sylvester benannt, der am 31. Dezember des Jahres 335 starb. Gaius Julius Cäsar setzte im Jahr 46 vor Christi den bis dahin gültigen zehnmonatigen römischen Kalender außer Kraft und legte den Jahresanfang des neuen Kalenders vom 1. März auf den 1. Januar. Im Jahr 567 wurde der Jahresbeginn wieder auf den 1. März und nach einigen zwischenzeitlichen Veränderungen im Jahre 1691 von Papst Innozenz XII erneut auf den 1. Januar verlegt, was bis heute seine Gültigkeit hat.
Um den Jahreswechsel herum haben sich Bräuche, Traditionen und Aberglauben entwickelt, die zum Teil bis in die Gegenwart wirken. So sollten früher böse Geister, insbesondere Wintergeister, mit verschiedenen lauten Instrumenten und Gegenständen vertrieben werden. Die Bekämpfung dieser bösen Geister erfolgt heutzutage ersatzweise durch das Silvester-Feuerwerk, selbst wenn sich kaum noch jemand der ursprünglichen Bedeutung bewusst ist, hat Dolle herausgefunden.
Auch versuchte man, das Schicksal mit Orakeln zu beeinflussen. Bekanntestes Beispiel ist dafür das Blei- oder Wachsgießen. Beide Stoffe werden so erhitzt, dass sie verflüssigen und dann ins kalte Wasser gegossen. Aus den dadurch zufällig entstandenen Formen versucht man, für sich für das kommende Jahr möglichst positive Deutungen zu finden.
Der Jahreswechsel wird oder wurde zum Anlass genommen, Menschen, die einem näher verbunden sind, kleine Geschenke zu machen und hauptsächlich gute Wünsche zu übermitteln, insbesondere Glück für alle Lebenslagen. Als Glückssymbole dienen dabei zum Beispiel Schornsteinfeger, vierblättrige Kleeblätter, Schweine, Fliegenpilze, Zwerge/ Wichtel, Marienkäfer oder Hufeisen.
Der Schornsteinfeger hat durch sein Wirken die Menschen weitestgehend vor Bränden und Feuersbrünsten bewahrt. Der Glücksklee symbolisiert das vollendete Kreuz Christi. Vom giftigen Fliegenpilz wurden Rauschmitte hergestellt, bei deren Genuss Glückszustände erzeugt wurden. Zwerge und Wichtel schürfen der Überlieferung nach in der Silvesternacht gemünztes Gold – man muss ihnen nur noch begegnen.
Es ist also nicht verwunderlich, wenn sich ein oder mehrere dieser Glückssymbole in unterschiedlicher Zusammenstellung auf den Ansichts- und Grußkarten wiederfinden, von denen Dolle eine interessante Auswahl aus seiner umfangreichen Sammlung bis Mitte Januar im Schaufenster der Aktionsgemeinschaft Altstadt präsentiert.
Dabei gilt: Je mehr Glückssymbole dargestellt sind, desto mehr Glück wünschte man dem Empfänger. Ein schönes Beispiel ist dafür eine Grußkarte etwa aus den 1960er-Jahren, auf der ein Zwerg mit einem Glückskleestengel in der Hand auf einem Schwein durch den Schnee reitet. Dabei trägt das Schwein noch einen Glückskleestengel im Maul. Die ganze Szenerie wird von drei vermenschlichten Marienkäfern beobachtet. Zum Einsatz kamen hier also vier verschiedene Glückssymbole.
In den letzten Jahrzehnten zeigte sich ein weiterer Wandel und zwar hin zur kombinierten Weihnachts- und Neujahrskarte, allerdings oft nur noch mit der Abbildung eines Weihnachtsmotivs, hat Dolle herausgefunden. Er vermutet: „Dadurch trug man wohl dem Umstand Rechnung, dass viele keine Lust mehr hatten, innerhalb von einer Woche erst Weihnachts- und danach Neujahrskarten zu schreiben.“


